NewsMedizinFrühgeborene auf Intensivstationen profitieren von stärkerer Einbindung der Eltern in die Pflege
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Frühgeborene auf Intensivstationen profitieren von stärkerer Einbindung der Eltern in die Pflege

Dienstag, 27. Februar 2018

/dpamay

Toronto – Werden Eltern als direkte Betreuer von Frühgeborenen auf der Intensiv­station eingebunden, reduziert dies nicht nur Stress und Ängste der Eltern, sondern führt dazu, dass die Kinder schneller an Gewicht zulegen. Das berichtet eine Arbeits­gruppe des Departments of Paediatrics, Sinai Health System, Toronto, in der Zeit­schrift The Lancet Child & Adolescent Health (2018; doi: 10.1016/S2352-4642(18)30039-7).

In der Studie wurden 26 neonatale Intensivstationen in Kanada, Australien und Neuseeland nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, um entweder ein Family-Integrated-Care-(FICare-)Programm (14 Einheiten) oder die Standardversorgung (12 Einheiten) umzusetzen. Jede Gruppe umfasste 895 beziehungsweise 891 Frühgeborene, die nach 33 Wochen Schwangerschaft oder früher geboren wurden.

Anzeige

Die Eltern mussten sich im Rahmen des Familienpflegeprogramms verpflichten, mindes­tens 6 Stunden am Tag, 5 Tage die Woche, am Bett des Säuglings zu verbringen und mindestens 3 Wochen lang an begleitenden Fortbildungsveranstaltungen teilzunehmen. Die Eltern erledigten Aufgaben wie Baden, Füttern, Ankleiden, Windelwechseln, orale Medikation und Temperaturmessung und wurden ermutigt, an klinischen Entscheidungen und Visiten teilzunehmen und das Wachstum und den Fortschritt ihres Kindes zu erfassen. Die Eltern wurden auch über Aufgaben informiert, die sie nicht erledigen konnten, zum Beispiel die Anpassung des Sauerstoffgehalts. 

Nach 21 Tagen hatten Säuglinge in der FICare-Gruppe mehr Gewicht zugenommen und hatten eine höhere durchschnittliche tägliche Gewichtszunahme (26,7 Gramm versus 24,8 Gramm), verglichen mit der Standardpflegegruppe. Zusätzlich hatten die Eltern in der FICare-Gruppe im Vergleich zur Standardpflegegruppe niedrigere Stress- und Angstzustände. Nach der Entlassung waren die Mütter häufiger zum Stillen bereit, verglichen mit der Gruppe der Standardpflege (70 % versus 63 %). Es gab keine Unterschiede in der Sterblichkeitsrate, der Dauer der Sauerstofftherapie oder des Kranken­haus­auf­enthaltes. 

„Die Betreuung der Familie, nicht nur des Säuglings, hat einen positiven Effekt auf das Wohlbefinden von Säugling und Familie“, folgert Karel O’Brien vom Department of Paediatrics, in Toronto aus den Ergebnissen. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

28. Februar 2019
London – Die antenatale Steroidbehandlung, die bei einer drohenden Frühgeburt die Reifung der fetalen Lungen fördern soll, ist laut einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie in PLOS Medicine (2019;
Frühgeburt: Können antenatale Steroide das Geburtsgewicht verringern?
5. Februar 2019
Köln – Ob Schwangere davon profitieren würden, wenn sie regelhaft auf Streptokokken der serologischen Gruppe B getestet würden, ist wegen einer unklarer Studienlage ungewiss. Zu diesem Ergebnis kommt
Nutzen von universellem B-Streptokokkenscreening in der Schwangerschaft bleibt unklar
9. Januar 2019
Amsterdam – Viele neonatologische Zentren haben Familienzimmer für Frühgeborene eingerichtet, um die Bindung der Mutter in einer für die Hirnentwicklung wichtigen Phase des Kindes zu stärken. Eine
Frühgeburten: Familienzimmer senken das Sepsisrisiko
17. Dezember 2018
Baltimore – Frühgeborene, die eine nekrotisierende Enterokolitis überleben, leiden häufig unter Entwicklungsstörungen des Gehirns, denen Forscher in Science Translational Medicine (2018; 10: eaan0237)
Nekrotisierende Enterokolitis: Warum das Gehirn mit erkrankt und wie dies verhindert werden könnte
3. Dezember 2018
Hannover – Ein Inhalationssystem, das speziell an die Bedürfnisse von Früh- und Neugeborenen angepasst ist, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin
Wissenschafler stellen Inhalationssystem für Früh- und Neugeborenen vor
8. November 2018
Dublin – Die Behandlung von Frühgeborenen mit Thrombozytenkonzentraten (von Erwachsenen) ist offenbar nicht ohne Risiken. In einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2018; doi:
Thrombozytentransfusionen erhöhen Sterblichkeit von Frühgeborenen
21. Juni 2018
Berlin – Das katholische Sankt-Joseph-Krankenhaus in Berlin-Tempelhof beteiligt sich an einem Testprojekt zur besseren Versorgung früh geborener Babys. Dabei soll eine neu entwickelte bionische
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER