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Medizin

Serotonin-Syn­drom: Geringes Risiko bei gleichzeitiger Einnahme von Triptanen und Antidepressiva

Dienstag, 27. Februar 2018

Der Neurotransmitter Serotonin (blau) steuert unter anderem den Schlaf-Wach-Rhythmus und Emotionen. Grafik von Synapsen im ZNS /Arsha, stock.adobe.com
Der Neurotransmitter Serotonin (blau) steuert unter anderem Lernvorgänge, den Schlaf-Wach-Rhythmus und Emotionen sowie Blutdruck, Darmperistaltik und Körpertemperatur. /Arsha, stock.adobe.com

Gainesville – Patienten, die Antidepressiva und Triptane gegen Migräne parallel einnehmen, sollen doch kein erhöhtes Risiko für ein Serotonin-Syndrom haben. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse von Patientendaten aus den Jahren 2001 bis 2014 im Großraum Boston und Massachusetts. Die Autoren von der University of Florida College of Medicine fordern die Food and Drug Administration (FDA) der USA daher auf, ihre Warnung aus dem Jahr 2006 zu überprüfen. Die Ergebnisse der Beobachtungs­studie wurden in Jama Neurology publiziert (2018; doi: 10.1001/jamaneurol.2017.5144).

Die Forscher um Yulia Orlova haben die Daten von fast 20.000 Patienten ausgewertet, die Triptane zusammen mit Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) oder Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) einnahmen. Einen Verdacht auf ein Serotonin-Syndrom gab es bei 17 Patienten, eine definitive Diagnose erhielten 2 Patienten. Die Inzidenz des Serotonin-Syndroms lag bei 0 bis 4 Fällen pro 10.000 Personenjahren. Das Risiko eines Serotonin-Syndroms unter Co-Medikation halten die Forscher daher für gering.

Zu Bedenken ist, dass die Qualität der medizinischen Dokumentation variieren kann. Es sei zudem möglich, dass Kliniker, die das Serotonin-Syndrom nicht erkannt haben, andere diagnostische Codes verwendet haben könnten.

2006 warnte die FDA vor erhöhtem Risiko

Im Jahr 2006 hatte die FDA eine Warnung herausgegeben, um auf ein möglicherweise erhöhtes Risiko eines Serotonin-Syndroms unter Medikation von Triptanen und den Antidepressiva SNRI oder/und SSRI aufmerksam zu machen. Ärzte wurden aufge­fordert, betroffene Patienten darüber zu informieren.

Lebensgefährliches „Serotonin-Syndrom“ durch Migränemedikamente

Washington – Eine Monotherapie der Migräne mit Triptanen kann zu einer lebensgefährlichen Überflutung des Körpers mit dem Neurotransmitter Serotonin führen, die als „Serotonin-Syndrom“ bezeichnet wird. Davor warnen US-Forscher in einem Leserbrief im New England Journal of Medicine (2008; 358: 2185-2186).Triptane wirken als Agonisten am Rezeptor für den Neurotransmitter Serotonin. Dessen

Aber auch nach dieser Warnung sank die Verschreibung von Triptanen in Kombination mit Antidepressiva in der Analysegruppe nicht. Die Zahl der Migränepatienten, die gleichzeitig SNRI oder SSRI einnahmen, blieb stabil zwischen 21 und 29 %.

Beim Serotonin-Syndrom kann es zu einer schnellen Herzfrequenz kommen, instabilem Blutdruck, Erbrechen, Fieber, Muskelzuckungen oder Durchfall. Der Zustand kann auch tödlich sein. Verursacht werden diese Symptome durch einen erhöhten Serotonin­spiegel, der zu einer verstärkten zentralen und peripheren synaptischen Serotonin­wirkung führt. Als Auslöser gelten Medikamente, aber auch Rauschmittel wie Kokain, LSD und Psilocybin oder Nahrungsmittelergänzungen wie Tryptophan und S-Adenosylmethionin. © gie/aerzteblatt.de

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