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Medizin

Leitlinien überdenken: Opioidrotation kann Tumorschmerzen lindern

Montag, 26. Februar 2018

Oxycodon gehört mit Morphin, Hydromorphon, Buprenorphin und Fentanyl zu den WHO-Stufe-III-Opioiden, die bei Tumorschmerzen eingesetzt werden. /dpa
Oxycodon gehört mit Morphin, Hydromorphon, Buprenorphin und Fentanyl zu den WHO-Stufe-III-Opioiden, die bei Tumorschmerzen eingesetzt werden. /dpa

Mainz – Fast bei jedem dritten Krebspatienten können selbst starke Opioide die Schmerzen nicht gänzlich lindern oder das Medikament verursacht Nebenwirkungen. Dass der Wechsel von einem „first line“-Opioid auf ein „second line“-Opioid in diesen Fällen helfen kann, zeigt jetzt eine Übersichtsarbeit, die im Deutschen Ärzteblatt erschienen ist (Dtsch Arztebl Int 2018; 115 (9):135-42). Empfehlungen in Leitlinien sollten überdacht werden, schreiben die Autoren in ihrem Fazit.

Aufgrund überwiegend methodisch schwacher Studien fehlt die Evidenz für eine Opioidrotation bei Tumorschmerzpatienten. Leitlinien würden daher zumeist nur zurückhaltende Empfehlungen aussprechen, heißt es in der Studie.

Dennoch ist die Opioidrotation gängige Praxis. 20−44 % der Tumorschmerzpatienten benötigen einen Opioidwechsel, und in 40−80 % führt dies zu einer klinischen Verbesserung (Cochrane Library 2004).

In der Übersichtsarbeit haben die Forscher um Michael Schuster von der Universi­tätsmedizin Mainz 12 Publikationen mit hohem Evidenzgrad identifiziert (2001−2016), darunter auch drei methodisch hochwertige Reviews. Die Auswertung zeigt, dass die Opioidrotation die Analgesie und Patientenzufriedenheit verbessern kann.

Initiale Dosis des „second line“-Opioids korrigieren

Wie gut dies gelingt, scheint unter anderem von der Dosis des Ausgangsopioids abhängig zu sein. Außer bei der Rotation zu Methadon wichen die Umrechnungsver­hältnisse für eine effektive Schmerzreduktion dabei teilweise deutlich von gängigen Empfehlungen ab. In den untersuchten Studien lagen die äquianalgetischen Verhält­nisse der beiden Opioide höher als die errechneten Dosen aus aktuellen Empfehlungen (siehe Tabelle 1 in der Studie). In der Mehrzahl der Studien musste die Dosis des zweiten Opioids nach dem Wechsel innerhalb der follow-up-Phase gesteigert werden.

Aktuelle Leitlinien empfehlen hingegen, bei Patienten mit unzureichender Schmerz­reduktion die initiale Dosis des zweiten Opioids nach dem Wechsel zu reduzieren. Dies gelte es zu überprüfen, schreibt das Forscherteam. Ansonsten sei eine analgetische Unterversorgung zu befürchten.

© gie/aerzteblatt.de

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