NewsPolitikHunderttausende Krankenhaus­einweisungen durch Medikationsfehler
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Hunderttausende Krankenhaus­einweisungen durch Medikationsfehler

Montag, 26. Februar 2018

/Robert Kneschke, stock.adobe.com

Berlin – Vermeidbare Medikationsfehler führen in Deutschland jährlich zu rund 250.000 Krankenhauseinweisungen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor, die dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt. Demnach zeigen Untersuchungen, dass rund fünf Prozent aller Krankenhauseinweisungen die Folge unerwünschter Arzneimittelwirkungen sind. Ein Viertel dieser Fälle könnte vermieden werden, heißt es.

Um Krankenhauseinweisungen zu vermeiden, hat die Bundesregierung mit dem E-Health-Gesetz einen Medikationsplan aus der Taufe gehoben. Darauf haben Patienten, die die mindestens drei Arzneimittel verordnet bekommen, seit dem 1. Oktober 2016 Anspruch. Die Bundesregierung beziffert die Zahl der Anspruchsberechtigten Versicherten in ihrer Antwort auf rund 20 Millionen Menschen. Konkrete Daten, wie viele davon tatsächlich einen Medikationplan erhalten hätten, gebe es aber nicht. Hintergrund seien unterschiedliche Vergütungssysteme.

Anzeige

Keine konkreten Zahlen

Abgerechnet werden könne über die Einzelleistungsvergütung und pauschal über unterschiedliche Zuschläge, teilte die Regierung mit. Da die Zuschläge zu den Chroniker- bezieungsweise Grundpauschalen leistungsunabhängig einmal im Behandlungsfall gezahlt würden, sei eine Aussage darüber, welche oder wieviele Patienten einen Medikationsplan oder eine Aktualisierung erhalten, „nicht möglich“, schreibt die Regierung weiter. An Kosten seien für die ärztliche Tätigkeit rund 162,5 Millionen Euro zwischen Krankenkassen und Kassenärztlicher Bundesvereinigung als extrabudgetäre Leistung vereinbart worden, hieß es.

Dem FDP-Bundestagsabgeordneten Andrew Ullmann sind die Antworten der Bundesregierung zu vage. Er bemängelte unter anderem, dass die Bundesregierung keine belastbaren Zahlen habe. Zugleich hob er die Bedeutung des Medikationsplans hervor und forderte eine konsequente Umsetzung des Ziels, die Zahl der vermeidbaren Medikationsfehler weiter zu reduzieren. Allerdings könnte dies nur dann erreicht werden, wenn der Plan ständig aktualisiert und von den Patienten angenommen würde.

Ullmann regt an, alle Leistungserbringer stärker in die Erstellung und Aktualisierung des Medikationsplans einzubinden und eine regelhafte Medikationsanalyse durch die Apotheken zu ermöglichen. Das setze voraus, dass in einem Medikationsplan alle Arzneimittel erfasst seien, die die Patienten einnehmen. „Insgesamt muss die Kommu­nikation zwischen verschreibenden Ärzten sowie Apotheken gestärkt werden“, sagte er. Nicht zuletzt müssten Patienten mehr in die Erstellung eingebunden werden, damit diese ihren eigenen Medikationsplan auch verstehen.

Ullmann wies darauf hin, dass ein Mehr an Engagement „selbstverständlich nicht zum Nulltarif zu bekommen“ sei. Er forderte, dass sich die Vergütung für Erstellung und Aktualisierung des Medikationsplans an Patientennutzen sowie Aufwand und Risiko für die Leistungserbringer orientiert. Der digitale Medikationsplan sollte seinen Vor­schlägen zufolge künftig auch in Smartphone-Applikationen eingebunden werden können. © may/kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

13. August 2020
Berlin – Den Krankenhäusern liegen wichtige Informationen zur Medikation von insbesondere Polypharmaziepatienten oft nicht vor. Aber auch nach Entlassung aus der Klinik werden Patienten und
Barmer weist auf Informationslücken bei Polypharmaziepatienten hin
11. August 2020
Karlsruhe – Der niederländische Versandhändler Doc Morris darf Medikamente nicht über einen Apothekenautomaten ausgeben. Mit drei heute veröffentlichten Beschlüssen bestätigte der Bundesgerichtshof
Apothekenautomaten in Deutschland verboten
7. August 2020
Berlin – In Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund eine Milliarde Tagestherapiedosen von Biopharmazeutika verordnet. Ohne die Sondergruppe der Insuline waren es 434 Millionen Tagestherapiedosen.
Biosimilars weiter auf dem Vormarsch
6. August 2020
München – Drei Viertel der Deutschen möchten, dass ausschließlich ihr Arzt darüber entscheidet, ob sie bei einer schweren Erkrankung ein Original- oder ein Nachahmermedikament erhalten. Ein Austausch
Biosimilars: Mehrheit möchte keinen Austausch in der Apotheke
17. Juli 2020
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat die Grundzüge des Verfahrens zur Forderung einer anwendungsbegleitenden Datenerhebung und Auswertung für die Nutzenbewertung von Arzneimitteln mit
Zolgensma: G-BA konkretisiert Verfahren zu anwendungsbegleitender Datenerhebung
16. Juli 2020
Berlin – Akute obere Atemwegsinfekte sind im vergangenen Jahr der häufigste Grund für eine Verordnung von Atemwegstherapeutika gewesen. Dabei wurden meist bewährte Präparate ohne Patentschutz
Obere Atemwegsinfekte häufigster Grund für Rezepte
10. Juli 2020
Los Angeles – US-Erwachsene, die an einer Online-Umfrage zu gastrointestinalen Beschwerden teilnahmen, waren doppelt so häufig mit SARS-CoV-2 infiziert, wenn sie eine Einnahme von
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER