NewsMedizinVegetarische Diät und Mittelmeerdiät schützen das Herz unterschiedlich
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Vegetarische Diät und Mittelmeerdiät schützen das Herz unterschiedlich

Dienstag, 27. Februar 2018

/julijadmi, stock.adobe.com

Florenz - Eine ovo-lacto-vegetarische Diät und eine traditionelle mediterrane Kost haben in der vermutlich ersten randomisierten  Vergleichsstudie das Körpergewicht bei Menschen mit erhöhtem kardiovaskulären Risiko in vergleichbarem Ausmaß gesenkt. Die Auswirkungen auf die Risikoparameter waren laut der Publikation in Circulation (2018; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.117.030088) jedoch unterschiedlich.

Die Ernährung hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die kardiovaskuläre Gesundheit. Als besonders günstig wird die traditionelle mediterrane Kost eingestuft, die zuerst in der „Sieben-Länder-Studie“ der 1950er und 1960er Jahre mit einem geringeren Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen aber auch Krebserkrankungen in Verbindung gebracht wurde, was spätere Beobachtungsstudien bestätigten. 

Anzeige

Die mediterrane Kost zeichnet sich durch einen hohen Verzehr von pflanzlichen Nahrungsmitteln wie Obst, Gemüse, Brot, anderen Getreidearten, Bohnen, Nüsse und Samen aus. Fisch und Meeresfrüchte sind ein wichtiger Bestandteil der Hauptmahl­zeiten, während rotes Fleisch und Geflügel eher selten auf den Tisch kommen. Olivenöl ist die Hauptquelle für Fette. Milchprodukte (vor allem Käse und Joghurt) werden in geringem Maße verzehrt.

Vegetarier verzichten vollkommen auf Fleisch und Wurstwaren jeglicher Art. Auch Meeresfrüchte und Fische werden als Nahrungsmittel abgelehnt. Die Mehrheit der Vegetarier verzehrt allerdings Eier und Milch (Ovo-Lacto-Vegetarier). Diese Kost, die in den westlichen Ländern in den letzten Jahren populär geworden ist, wurde zuletzt in Fallstudien und prospektiven Kohortenstudien mit einem verminderten Auftreten von kardiovaskulären und neoplastischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. 

Die CARDIVEG-Studie hat erstmals die Auswirkungen beider Diäten auf kardiovaskuläre Risikoparameter einem direkten Vergleich unterzogen. An der Studie nahmen 118 gesunde Italiener im mittleren Alter von 51,1 Jahren teil, bei denen wenigstens einer der folgenden kardiovaskulären Risikofaktoren vorlag: BMI über 25 kg/m2, Taillen­umfang über 88 cm (Frauen) oder 102 cm (Männer), Gesamtcholesterin über 190 mg/dl, LDL-Cholesterin über 115 mg/dl, Triglyceride über 150 mg/dl, Blutdruckwerte über 130/85 mmHg.

Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip drei Monate lang entweder einer kalorienarmen ovo-lacto-vegetarischen Kost oder einer kalorienarmen Mittelmeerdiät zugeteilt. Nach drei Monaten wechselten die Teilnehmer die Diäten. 

Wie das Team um Francesco Sofi von der Universität Florenz mitteilt, nahmen die Teilnehmer unter beiden Diäten in etwa gleich stark ab. Unter der ovo-lacto-vegetarischen Diät ging das Körpergewicht im Mittel um 1,88 kg zurück, unter der mediterranen Diät nahmen die Teilnehmer im Mittel 1,77 kg ab. Auch hinsichtlich Body-Mass-Index und Fettmasse waren die Ergebnisse ähnlich.

Bei den Laborparametern gab es jedoch größere Unterschiede. Unter der ovo-lacto-vegetarischen Diät kam es zu einem stärkeren Abfall von LDL-Cholesterins (Differenz 9,10 mg/dl), während sich unter der mediterranen Diät eher die Triglyzeride (Differenz 12,70 mg/dl) besserten.

Hinsichtlich der oxidativen Stressmarker und der inflammatorischen Zytokine, deren Bedeutung für das kardiovaskuläre Risiko weniger gesichert ist, gab es kaum Unter­schiede mit Ausnahme von Interleukin-17, das sich nur unter der mediterranen Diät verbesserte.

Unter dem Strich sind beide Diäten gleich gesund, meint Sofia. Eine kalorienarme lakto-ovo-vegetarische Ernährung könne vermutlich genauso kardiovaskulären Erkrankungen vorbeugen wie eine kalorienarme mediterrane Diät. Dem stimmt auch Cheryl Anderson von der Universität von Kalifornien in San Diego zu. Die Editorialistin weist auf die großen Ähnlichkeiten zwischen den beiden Diäten hin. Beide würden einem gesunden Ernährungsmuster folgen mit einer hohen Zufuhr von Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und Nüssen. Beide Diäten seien in der Zusammensetzung vielfältig, sie seien reich an gesunden Nährstoffen und sie würden die Energieaufnahme aus gesättigten Fetten begrenzen. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

13. September 2019
Berlin – In der Debatte um klarere Kennzeichnungen von Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln liegt eine weitere bundesweite Repräsentativbefragung vor, die das Institut für Demoskopie Allensbach
Lebensmittelverband sieht eigenes Nährwertkennzeichnungsmodell als Favorit
12. September 2019
Wiesbaden – Die Deutschen geben immer mehr Geld für Nahrungsergänzungsmittel aus. „Der Trend steht in deutlichem Gegensatz zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Hochrangig publizierte Studien
Fachgesellschaften warnen vor unkritischem Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln
11. September 2019
Berlin – CDU/CSU und SPD haben im Koalitionsvertrag 2018 eine nationale Diabetesstrategie beschlossen. Diese befände sich inzwischen in den Endzügen, verkündete die gesundheitspolitische Sprecherin
Nationale Diabetesstrategie in den finalen Zügen
11. September 2019
Grado – Bundes­ärzte­kammer und Lan­des­ärz­te­kam­mern in Deutschland sollen ein besonderes Gewicht auf ärztliche Fortbildungen zum Thema Ernährung legen. Das haben verschiedene Ärztekammern und ärztliche
Ärztekammern betonen Bedeutung der Ernährungsmedizin
10. September 2019
London – Eine Steuer auf zuckerreichen Snacks wie Kekse, Kuchen und anderen Süßigkeiten könnte als Maßnahme gegen Fettleibigkeit effektiver sein als die Erhöhung der Preise für zuckergesüßte Getränke.
Steuer auf zuckerreiche Snacks möglicherweise besonders effektiv
5. September 2019
Oxford – Vegetarier (einschließlich Veganer) und Pescetarier (die Fisch essen) hatten in einer prospektiven Beobachtungsstudie ein niedrigeres Risiko auf eine ischämische Herzerkrankung als
Vegetarier und Pescetarier erleiden seltener Herzinfarkte, Vegetarier aber mehr Schlaganfälle
4. September 2019
Lyon – Erwachsene, die täglich zwei oder mehr Süßgetränke konsumieren, hatten in einer prospektiven Kohortenstudie in JAMA Internal Medicine (2019; doi: 10.1001/jamainternmed.2019.2478) auch dann ein
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER