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Medizin

Unterschiedliche Schmerzwahrnehmungen in Europa und den USA

Mittwoch, 28. Februar 2018

/WavebreakmediaMicro, stockadobecom

Jena – Die subjektiv wahrgenommene Schmerzintensität scheint sich in Europa und den USA zu unterscheiden: US-amerikanische Patienten geben nach identischen orthopädischen Operationen eine deutlich höhere Schmerzintensität an als Patienten in Europa. Obwohl die Patienten in den USA mehr Schmerzmittel erhielten, war ihr Wunsch nach mehr Schmerztherapie höher als bei der Vergleichsgruppe aus 13 europäischen und außereuropäischen Ländern. Das berichtet eine Arbeitsgruppe des Universitätsklinikums Jena im British Journal of Anaesthesia (2018; doi: 10.1016/j.bja.2017.11.109).

Die Wissenschaftler werteten fast 14.000 Patientenbefragungen aus, die im Rahmen des Akutschmerzregisters „Pain Out“ erhoben wurden, das am Universitätsklinikum Jena koordiniert wird. „Bisher gibt es keine Studie, die so viele Patienten aus verschie­denen Ländern auf so standardisierte Art und Weise befragt hat“, betonte Ruth Zaslansky, Erstautorin der Studie und Mitarbeiterin an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Universitätsklinikums Jena. Neben Ruth Zaslansky waren Richard Chapman, University of Utah, und Winfried Meißner, Koordinator des Pain-Out-Netzwerks vom Universitätsklinikum Jena, an der Studie beteiligt.

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Mehr Befragungen, weniger Schmerzen hinnehmen

Ein Teil der Ergebnisse ließe sich eventuell dadurch erklären, dass in den USA mehr Patienten bereits vor der Operation Opioide eingenommen haben, so die Autoren. Dies könne zu einer verringerten Wirkung der Schmerzmittel nach der Operation führen.

Aber auch Patienten ohne vorbestehende Schmerztherapie geben in den USA höhere Schmerzen an als europäische Patienten. Die Autoren ziehen dafür zwei mögliche Erklärungen in Betracht: In den USA werden Patienten viel häufiger vom Pflegepersonal zu ihrer Schmerzintensität befragt als in Europa. Dies könnte zu einer stärkeren Fokussierung auf die eigenen Schmerzen führen und verhindern, dass Ablenkung vom Schmerz gelinge.

Möglicherweise seien US-Patienten weniger bereit, auch nur mäßige Schmerzen zu tolerieren – eine Haltung, die durch das werbewirksame Versprechen vieler Kliniken, die Patientenzufriedenheit in den Mittelpunkt zu stellen, verstärkt werde.

„Die Ergebnisse dieser Studie weisen darauf hin, dass die Frage nach der Schmerz­intensität weder eine gute Basis für schmerztherapeutische Entscheidungen ist, noch als alleiniger Indikator für die Qualität der Versorgung in der Schmerztherapie dienen sollte“, meint Zaslansky.

Zwar sollte nicht auf die Messung von Schmerzaspekten verzichtet werden – aber möglicherweise eigneten sich für Therapieentscheidungen und Qualitätsbewertung andere Indikatoren besser, beispielsweise die Frage, ob Schmerz die Bewegung oder die Atmung behindere. © hil/aerzteblatt.de

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