NewsÄrzteschaftGefängnisinsassen dürfen in Baden-Württemberg fernbehandelt werden
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Gefängnisinsassen dürfen in Baden-Württemberg fernbehandelt werden

Dienstag, 27. Februar 2018

/sakhorn38, stock.adobe.com

Berlin – Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg hat zwei weitere Modellprojekte zur ausschließlichen ärztlichen Fernbehandlung genehmigt. Sie basieren auf der bisher bundesweit einmaligen Regelung der ärztlichen Berufsordnung in Baden-Württemberg. Konkret handelt es sich um ein Modellprojekt des Justizministeriums Baden-Württem­berg und des schwedischen Unternehmens KRY.

In dem zunächst auf sechs Monate angelegten Modellprojekt des Justizministeriums sollen Gefangene in Justizvollzugsanstalten telemedizinisch betreut und behandelt werden. Um die medizinische Versorgung rund um die Uhr sicherstellen zu können, will das Justizministerium Videosprechstunden mit einem dezentralen Ärztepool verschie­dener Fachrichtungen erproben; unter anderem sollen damit logistisch aufwendige Verlegungen von Gefängnisinsassen vermieden werden.

Anzeige

Fokus auf Hausarzt gelegt

Der deutsche Ableger des schwedischen Gesundheitsversorgers KRY will im Rahmen des Modellprojektes mit Ärzten aus Baden-Württemberg zusammenarbeiten, die insbesondere eine hausärztliche/allgemeinmedizinische Qualifikation haben. Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient soll live über Video in einer Smartphone- beziehungsweise Tablet-App laufen. KRY arbeitet in Skandinavien und Spanien bereits mit einem Team von mehr als 200 behandelnden Ärzten und hat mit mehr als 250.000 Behandlungen umfassende Expertise in der Durchführung von Videosprechstunden.

„Wir freuen uns sehr, dass zu den bisher schon genehmigten zwei Modellprojekten nun zwei weitere hinzukommen“, sagte der Präsident der Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg, Ulrich Clever. Arzt und Patient könnten sich somit auf Distanz begegnen, der Mediziner dürfe aber eine individuelle Diagnose stellen und die Therapie einleiten.

Die ärztliche Berufsordnung hatte bislang die ausschließliche Behandlung über Kommu­nikationsnetze untersagt; (Video-)Telefonie durfte immer nur mit Bestands­patienten erfolgen. Begleitende wissenschaftliche Evaluationen prüfen in jedem einzelnen Modellprojekt kontinuierlich, ob Patienten auch bei der ausschließlichen Fernbehandlung die gleiche Qualität und Expertise wie in Praxis oder Krankenhaus geboten wird.

Mit der ausschließlichen Fernbehand­lung will sich in Erfurt auch der kommende Deutsche Ärztetag befassen. Der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) will den Delegierten eine Öffnung des Verbots vorschlagen, wie BÄK-Vorstandsmitglied Franz Bartmann kürzlich erklärte. Der Vorstand bereite derzeit eine Beschlussvorlage für den Ärztetag vor, die eine Öffnung für eine ausschließliche Fernbehandlung unter bestimmten Voraussetzungen vorsieht, hieß es aus der BÄK.

© may/EB/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Januar 2019
Berlin – Ermächtigte Ärzte, die mit ihrer Praxis oder Einrichtung bereits an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) angeschlossen sind, bekommen die dadurch entstehenden Kosten vorerst nicht mehr erstattet.
Telematikkosten: Ermächtigte Ärzte haben das Nachsehen
17. Januar 2019
Berlin – 72 Prozent der Dermatologen und Hausärzte in Brandenburg halten telemedizinische Anwendungen in der Dermatologie für geeignet. Das zeigt eine Befragung unter Ärzten, die Teil von zwei
Dermatologen und Hausärzte sehen Vorteile durch Telemedizin
16. Januar 2019
Berlin – Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), das heute im Bundestag in einer öffentlichen Anhörung beraten wurde, beinhaltet auch Aspekte der Digitalisierung im Gesundheitswesen und der
Digitalisierung: Nachbesserungen in Stellungnahmen gewünscht
16. Januar 2019
Weimar – Mit dem Einsatz von Robotern bei der Pflege älterer und kranker Menschen beschäftigt sich ab April ein internationales Forscherteam an der Bauhaus-Universität Weimar. Dabei geht es auch um
Wissenschaftler erforschen Robotereinsatz in der Pflege
16. Januar 2019
Hannover – Die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft stellt die Branche vor große Herausforderungen, vor allem im Bereich der Daten- und der IT-Sicherheit. Um innovationsfähig zu bleiben, müssen
Digitalisierung erfordert Investition in digitale Aus- und Weiterbildung
15. Januar 2019
Berlin – Die Digitalisierung bietet nach Meinung der Bundesregierung in der Pflege ein großes Potenzial, insbesondere um Schnittstellenprobleme zu lösen, Effizienzreserven zu heben und
Digitalisierung in Pflegeeinrichtungen kommt voran
15. Januar 2019
Köln – Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und andere Heilmittelerbringer wollen bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens nicht außen vor bleiben. Der Spitzenverband der
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER