NewsMedizinGentest und Familienanamnese ergänzen sich bei Darmkrebs­risikoeinschätzung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Gentest und Familienanamnese ergänzen sich bei Darmkrebs­risikoeinschätzung

Mittwoch, 28. Februar 2018

/Juan Gärtner, stock.adobe.com

Heidelberg – Eine familiäre Häufung ist nicht immer mit einem genetischen Risiko gleichzusetzen. In einer Fall-Kontroll-Studie zum Darmkrebsrisiko, die jetzt in Clinical Epidemiology (2018, doi: 10.2147/CLEP.S145636) veröffentlicht wurde, ergänzen sich Familienanamnese und ein genetischer Risikotest in der Vorhersage.

In vielen Familien erkrankten mehrere Mitglieder an Darmkrebs. Der Grund ist häufig genetisch. Bei 3 bis 5 % der Patienten liegt ein Lynch-Syndrom (HNPCC) oder eine familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) vor, die sich heute auf Mutationen in bestimmten Genen zurückführen lassen. Darüber hinaus wurden in den letzten Jahren zahlreiche Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP) gefunden, die mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko assoziiert sind – ohne dass klar ist, welche Gendefekte sich hinter den SNP verbergen wie sie die Darmkrebsentwicklung fördern.

Ein Team um Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg hat jetzt einen genetischen Risikoscore, der auf 53 SNP basiert, an den Teilnehmern der DACHS-Studie angewendet, die seit 2003 Darmkrebspatienten mit zufällig ausge­wählten Personen ohne Darmkrebs vergleicht. Die Teilnehmer mit dem höchsten Score (oberstes Zehntel) hatten ein 3-fach höheres Darmkrebsrisiko (adjustierte Odds Ratio 3,00 (95-%-Konfidenzintervall 2,24 bis 4,02) als die Teilnehmer mit dem niedrigsten Score (unterstes Zehntel).

Anzeige

Die Befragungen ergaben, dass 13,4 % Darmkrebspatienten, aber nur 9,7 % der Kontrollen einen Verwandten 1. Grades hatten, der (ebenfalls) an Darmkrebs erkrankt war. Dies ergab eine adjustierte Odds Ratio von 1,86 (1,52–2,29).

Die Forscher hatten ursprünglich wohl angenommen, dass beide Risikogruppen identisch waren. Dies war allerdings nicht der Fall. Im Gegenteil: Zwischen den Patienten mit einer positiven Familienanamnese und denen mit einem hohen genetischen Risikoscore gab es kaum Überschneidungen. Dies hatte zur Folge, dass Personen, die sowohl einen erhöhten genetischen Risikoscore hatten und bei denen außerdem andere Familienmitglieder an Darmkrebs erkrankt waren, ein 6-fach erhöhtes Darmkrebsrisiko hatten. Die adjustierte Odds Ratio betrug 6,1 (3,47–10,84).

Die Studie zeigt, dass eine familiäre Häufung nicht unbedingt ein erhöhtes genetisches Risiko anzeigt. Dies ist möglich, wenn die Familienmitglieder die gleichen nicht genetischen Risikofaktoren aufweisen. Beim Darmkrebs könnten dies die Ernährung, Rauchen oder eine körperlich inaktive Lebensweise sein. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

15. August 2018
München – Es ist bekannt, dass Stress epigenetische Mechanismen beeinflussen kann, also die Aktivierung und Ablesung von Genen auf Ebene der DNA. Damit die Erbinformation im Körper umgesetzt werden
Stress verändert auch die RNA-Aktivierung
15. August 2018
London – Die Substanz Indol-3-Carbinol (I3C), die beim Verzehr von Grünkohl, Kohl und Brokkoli im Magen entsteht, könnte den Darm vor Entzündungen und Krebserkrankungen schützen. Dies lassen
Warum Kohl vor Darmkrebs schützen könnte
14. August 2018
Boston – Ob ein Kind im späteren Leben an koronarer Herzkrankheit, Typ-2-Diabetes, Vorhofflimmern, entzündlichen Darm­er­krank­ungen oder Brustkrebs erkranken wird, könnte in Zukunft mithilfe von
Polygener Risikoscore erkennt Anfälligkeit für fünf häufige Erkrankungen
13. August 2018
Tübingen – Alle Gene, die für GABAA-Rezeptoren codieren, können bei Patienten mit idiopathischen generalisierten Epilepsien verändert sein und zur Vererbung in unterschiedlichem Maße beitragen. Das
Welche Gene bei der idiopathischen generalisierten Epilepsie verändert sein können
10. August 2018
Pittsburgh – Neue Forschungen haben ergeben, dass ein Gen, von dem bisher angenommen wurde, dass es nur einen kleinen Prozentsatz der Parkinson-Krankheitsfälle betrifft, deutlich bedeutsamer ist.
Parkinson-Gen betrifft mehr Menschen als gedacht
2. August 2018
Berlin – 15 Monate nach Aufnahme des quantitativen immunologischen Stuhltests (iFOBT) in die Krebsvorsorgeprogramme der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) hat der Berufsverband Deutscher
iFOBT: Laborärzte ziehen positives Zwischenfazit
11. Juli 2018
Berlin – Erhöhte Aufmerksamkeit in Klinik und Praxis, um Patienten mit erblichem Darmkrebs sicher zu diagnostizieren, fordert die Deutsche Gesellschaft für Pathologie. Erblicher Darmkrebs gehört zu

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER