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Medizin

Wann Tenofovir-Gel Frauen vor HIV-Infektionen schützt

Mittwoch, 28. Februar 2018

/dpa

Kapstadt – Die schwache Präexpositionsprophylaxe, die ein Vaginalgel mit dem Wirkstoff Tenofovir in einer größeren Studie in Afrika erzielte, war nicht allein auf eine geringe Adhärenz der Teilnehmerinnen zurückzuführen. Nach einer Studie in Nature Medicine (2018; doi: 10.1038/nm.4506) setzen auch genitale Entzündungen die Schutzwirkung herab. Doch selbst unter optimalen Bedingungen gewährleistet ein Tenofovir-Gel keinen sicheren Schutz vor einer Infektion.

Die CAPRISA-Studie, die in den Jahren 2007 bis 2010 in Südafrika durchgeführt wurde, war die erste größere Studie zur Präexpositionsprophylaxe mit einem Vaginalgel, das 1 % Tenofovir enthielt. Das Gel reduzierte das Infektionsrisiko lediglich um 39 %, was in der Originalpublikation in Science (2010; 329: 1168–1174) auf die geringe Adhärenz der Teilnehmerinnen zurückgeführt wurde. Doch auch bei regelmäßiger Anwendung wurde das Risiko einer Neuinfektion nur um 54 % gesenkt. Es musste also weitere Gründe geben, warum die HI-Viren vom Tenofovir-Gel nicht vom Eintritt in die Schleim­haut abgehalten werden konnten.

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Die Analyse von Abstrichen, die damals bei 774 Frauen entnommen worden waren, liefert jetzt eine wichtige Teilantwort. Viele Teilnehmerinnen hatten – aus welchen Gründen kann die Studie nicht klären – eine entzündete Schleimhaut. Bei 493 Teilnehmerinnen der Studie, zumeist jüngere sexuell aktive Frauen, wurden mehr als 3 entzündliche Zytokine im Abstrich nachgewiesen.

Wie ein Team um Jo-Ann Passmore von der Universität Kapstadt jetzt mitteilt, hat das Tenofovir-Gel in dieser Gruppe nahezu komplett versagt. Die Infektionsrate wurde nur unwesentlich und statistisch nicht signifikant um 3 % gesenkt. Bei den Frauen ohne Entzündungszeichen im Abstrich betrug die Schutzwirkung dagegen 57 % (95-%-Konfidenzintervall 7 bis 80 %). Sie stieg auf 75 % (25 bis 92 %), wenn die Frauen das Gel regelmäßig vor Sexualkontakten angewendet hatten.

Im Gegensatz zur vaginalen Präexpositionsprophylaxe scheint die orale Präexpositions­prophylaxe durch genitale Infektionen nicht beeinträchtigt zu werden. Eine Analyse der Partners PrEP Study kam im letzten Jahr zu dem Ergebnis, dass Frauen mit einer vaginalen Dysbiose eine gleich gute Schutzwirkung erreichten (Lancet HIV 2017; 10: e449–e456). © rme/aerzteblatt.de

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