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Medizin

Clarithromycin: FDA warnt zehn Jahre nach Studienende vor kardialen Risiken

Mittwoch, 28. Februar 2018

/dpa

Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA rät zur Zurückhaltung bei der Verordnung des Antibiotikums Clarithromycin bei Patienten mit kardialen Vorerkrankungen. Grund ist ein mittelfristiger Anstieg der Sterblichkeit in einer Studie, die vor 10 Jahren einen präventiven Nutzen des Makrolid-Antibiotikums bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit belegen sollte, aber mit einem überraschenden Ergebnis endete.

Anfang der 2000er-Jahre wurde darüber diskutiert, ob eine Infektion der Blutgefäße mit Chlamydia pneumoniae eine mögliche Ursache der Atherosklerose ist. In der dänischen CLARICOR-Studie wurden deshalb 4.373 Patienten mit koronarer Herzkrankheit (stabile Angina oder Herzinfarkt in der Vorgeschichte) auf eine 2-wöchige Behandlung mit dem Antibiotikum Clarithromycin (500 mg/die) oder Placebo randomisiert. 

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Die Hoffnung, dass die angestrebte Beseitigung der Keime aus den Arterienwänden die Patienten in den nächsten 3 Jahren vor instabiler Angina pectoris, Herzinfarkt oder Tod bewahren würde, erfüllte sich jedoch nicht. Stattdessen kam es vermehrt zu Herzinfarkten und Todesfällen. Christian Jespersen von der Universitätsklinik Kopenhagen und Mitarbeiter berichteten damals über einen Anstieg der Mortalität um 27 % (Hazard Ratio 1,27; 95-%-Konfidenzintervall 1,03 bis 1,54), die in erster Linie Folge einer signifikant höheren kardiovaskulären Mortalität (Hazard Ratio 1,45; 1,09–1,92) war (BMJ 2006; 332: 22). 

Die Ergebnisse riefen die US-Arzneibehörde FDA auf den Plan. Diese informierte die US-Ärzte im Dezember 2005 über die ungewöhnlichen Ergebnisse, verzichtete damals jedoch auf Konsequenzen.

Vor 3 Jahren wurden dann im International Journal of Cardiology (2015; 182: 459–465) die Ergebnisse einer 10-Jahres-Nachbeobachtung vorgestellt. Diese bestätigten im Wesentlichen die Ergebnisse der 1. Publikation: Die 2-wöchige Behandlung mit Clarithromycin hatte die Gesamtmortalität (Hazard Ratio 1,10; 1,00–1,21) und die Rate der zerebrovaskulären Erkrankungen (Hazard Ratio 1,19; 1,02–1,38) erhöht. Der Anstieg von Mortalität und Morbidität war dabei auf Patienten beschränkt, die nicht mit  Statinen behandelt wurden (Hazard Ratio 1,16; 1,04–1,31 und 1,25; 1,03–1,50). 

Aus Sicht der FDA gibt es derzeit keine plausible Erklärung dafür, warum eine 2-wöchige Clarithromycin-Behandlung über mehrere Jahre hinweg das Sterberisiko der Patienten erhöht. Die Ergebnisse der einzigen randomisierten kontrollierten Studie werden durch Beobachtungsstudien nur teilweise gestützt. Laut FDA haben 2 von 6 Beobachtungsstudien Hinweise auf langfristige Risiken von Clarithromycin gefunden, die anderen 4 jedoch nicht. 

Dennoch sieht sich die FDA angesichts der Ergebnisse der CLARICOR-Studie jetzt zu einem Warnhinweis veranlasst. Die FDA rät den Ärzten, sich bei der Verordnung von Clarithromycin der „erheblichen Risiken“ bewusst zu sein und Vorteile und Risiken von Clarithromycin abzuwägen, bevor sie das Antibiotikum einem Patienten verschreiben. Dies gelte insbesondere bei Patienten mit Herzerkrankungen. Die Ärzte sollten die Verordnung anderer verfügbarer Antibiotika in Betracht ziehen. Dabei lässt die Behörde außer Acht, dass zu anderen Antibiotika zumeist keine Ergebnisse aus vergleichbaren randomisierten Langzeitstudien vorliegen. Andere Makrolid-Antibiotika sind von der Warnung nicht betroffen. © rme/aerzteblatt.de

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