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Politik

Eilverfahren für Umsetzung der Grippeempfehlungen gefordert

Mittwoch, 28. Februar 2018

/dpa

Berlin – Erst im April will der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) darüber entscheiden, ob die Vierfach-Grippeimpfung zur Leistung der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) wird. Die Kritik am Verhalten des G-BA und der Krankenkassen nimmt nun deutlich zu.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz mahnte einen besseren Impfschutz der Bevölkerung per Eilverfahren an. Vorstand Eugen Brysch kritisierte, heute seien chronisch und schwerst kranke Menschen beim Grippeschutz auf das Wohlwollen ihrer Krankenkasse angewiesen. Dass der G-BA die Entscheidung erst für April treffen wolle, sei viel zu spät für die diesjährige Grippesaison. „Deshalb muss der Gesetzgeber für solche Gefährdungssituationen ein Eilverfahren einführen“, so Brysch.

Ein Stamm weniger

Er bemängelte weiter, dass bis heute nicht alle Krankenkassen die wichtige Vierfach­impfung übernehmen. Gezahlt werde häufig nur der halb so teure Dreifachwirkstoff. Dabei fehle der Dreifachimpfung ein entscheidender Influenzastamm, der für zahlreiche, teils schwerwiegende Erkrankungen verantwortlich sei, schrieb Brysch für die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Bereits im Januar war der G-BA von der Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Ingrid Fischbach, zum schnellen Handeln aufgefordert worden. Obwohl der G-BA selbst ebenfalls im Januar mitteilte, er wolle nach der neuen Empfehlung der Ständigen Impfkommission beim Robert-Koch-Institut (STIKO) „zügig“ über eine Aufnahme des Vierfachimpfstoffs als Pflichtleistungen der Kassen beraten, schöpft er nun die gesetzliche Fristvorgabe von drei Monaten komplett aus.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte Sat1, es sei „traurig, dass Arme und Reiche anders behandelt werden“. Der nicht gut betuchte Kassenpatient habe zum Teil nicht unerhebliche Nachteile. „Die Kassen sagen zwar immer, es wird jeder bei uns gut behandelt. Aber wenn man genau hinschaut, gibt es doch Unterschiede – und diese können im Einzelfall den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen“, so Lauterbach.

Im Koalitionsvertrag kündigen Union und SPD an, die Verfahren im G-BA beschleunigen zu wollen. „Damit medizinische Innovationen schneller in die Regelversorgung gelangen, werden wir die Verfahren des Gemeinsamen Bundesauschusses beschleunigen, indem der Aufgabenkatalog und die Ablaufstrukturen gestrafft werden“, heißt es dort. Lauterbach sagte vor Journalisten vergangene Woche: „Es ist ein Ritual in der Selbstverwaltung, Verfahren in der frühen Phase liegen zu lassen, auch um Kosten zu sparen. Am Ende kommt aber sehr hohe Qualität heraus.“ Damit Fortschritte schneller Patienten erreichen, sollen Verfahren beschleunigt werden.

Frist läuft seit Januar

Im November hatte die STIKO die Vierfachimpfung gegen Grippe empfohlen und die Entscheidung im Januar offiziell veröffentlicht. Gerade in der aktuellen Saison hilft der Dreifachimpfstoff laut Experten nur bedingt, weil er weniger Viren abdeckt. Bestimmte Influenza-B-Viren, die rund die Hälfte der bisher nachgewiesenen Fälle verursacht haben sollen, werden nur durch die Vierfachimpfung abgedeckt.

Zuletzt hatte die Grippewelle in Deutschland einen neuen Höhepunkt erreicht. Allein in der vergangenen Woche verzeichnete das Robert-Koch-Institut knapp 35.300 neue Influenzafälle - das bedeutet eine deutliche Zunahme im Vergleich zur Vorwoche, in der rund 23.400 neue Fälle registriert worden waren. Wie das RKI heute weiter mitteilte, wurden in der aktuellen Grippesaison nun insgesamt mehr als 119.500 Influenzafälle registriert. Mindestens 136 Menschen starben nachweislich nach einer Influenzainfektion – vorwiegend Menschen im Seniorenalter, die oft Vorerkrankungen hatten. © dpa/may/bee/aerzteblatt.de

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