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Medizin

Zervixkarzinom: CIN-2-Läsionen müssen nicht gleich behandelt werden

Donnerstag, 1. März 2018

/fotoliaxrender, stockadobecom

London – Der Nachweis einer mittelgradigen zervikalen intraepithelialen Neoplasie (CIN 2) bei der Früherkennung des Zervixkarzinoms macht nicht unbedingt eine chirurgische Behandlung erforderlich. Laut einer Metaanalyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2018; 360: k499) kommt es häufig zu einer spontanen Remission der Läsionen, so dass eine „aktive Surveillance“ vielen Frauen die Nachteile einer übereilten Therapie ersparen könnte.

Die zervikale intraepitheliale Neoplasie (CIN) ist Folge einer Infektion der Zervix mit humanen Papillomaviren (HPV). Die Erkrankung kann langsam über die Stadien CIN 1, CIN 2 und CIN 3 zum Zervixkarzinom voranschreiten. Es kann jedoch auch zu einer spontanen Ausheilung kommen. Da eine chirurgische Behandlung, die in der Regel in der Konisation, der kegelförmigen Entfernung des äußersten Teiles des Gebärmutter­halses besteht, das Risiko von Früh- und Fehlgeburten erhöht, sollte die Therapie so spät wie möglich, aber so früh wie nötig erfolgen.

Die Grenze wird derzeit bei CIN 2 gezogen. Die deutschen Leitlinien empfehlen vor allem bei jüngeren Frauen zunächst engmaschige Kontrollen. Zu einer Konisation wird nur geraten, wenn sich die Läsionen nach 24 Monaten nicht zurückgebildet haben. Eine aktuelle Metaanalyse, die ein Team um Maria Kyrgiou vom Imperial College London jetzt vorstellt, zeigt, dass die Chancen der Frauen, eine Operation zu vermei­den, relativ gut sind. Die Metaanalyse umfasst die Daten aus 36 Studien, in denen 3.160 Frauen mit einer CIN-2-Läsion bis zu 36 Monate aktiv überwacht wurden.

Ergebnis: Nach 2 Jahren hatte sich die Hälfte (50 %) der Läsionen spontan zurück­gebildet, ein Drittel (32 %) hatte sich nicht verändert und nur bei knapp 1 Fünftel (18 %) war es zu einem Fortschreiten zu einer CIN-3-Läsion oder zu einem Krebs gekommen. Bei Frauen unter 30 Jahren war die Regressionsrate sogar noch höher (60 %). In dieser Altersgruppe persistierten 23 % der Läsionen im Stadium CIN 2, nur 11 % hatten sich in Richtung CIN 3 oder Krebs weiterentwickelt.

Insgesamt war es nur bei 15 Frauen (0,5 %) zum Krebs gekommen. Die meisten Fälle waren bei Frauen über 30 Jahre aufgetreten. Die insgesamt niedrige Krebsrate gilt allerdings nur vor dem Hintergrund einer hohen Adhärenz der Frauen, die zu rund 90 % an den Kontrolluntersuchungen teilgenommen hatten. Kyrgiou hält aufgrund dieser Ergebnisse bei CIN-2-Läsionen eine „aktive Surveillance“ für gerechtfertigt.

Die Editorialistin Maggie von der Universität Aberdeen stimmt ihr nur bedingt zu. Der Verzicht auf eine frühzeitige Behandlung bleibe trotz des geringen Krebsrisikos von 0,5 % ein Wagnis, bei der sich die Frauen darauf verlassen, dass die Ärzte ein Fortschreiten der Läsion rechtzeitig erkennen. Hintergrund für die Skepsis könnte die als zu hoch empfundene Zahl von Todesfällen durch das Zervixkarzinom sein.

In Großbritannien starben im Jahr 2014 insgesamt 890 Frauen am Zervixkarzinom, in Deutschland waren es im gleichen Jahr 1.506 Todesfälle am Zervixkarzinom. Für beide Länder stellt dies einen deutlichen Rückgang seit Einführung der Früherkennung dar, die zu den erfolgreichsten Krebsvorsorgeuntersuchungen zählt. © rme/aerzteblatt.de

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