Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Neues bildgebendes Verfahren soll Kontrollbiopsien nach auffälligem Mammographiebefund reduzieren

Sonntag, 4. März 2018

Mit der optimierten diffusionsgewichteten MRT-Bildaufnahmetechnik stellen Ärzte eine verdächtige Läsion in der Brust dar. Bei dem farblich markierten Areal könnte es sich um Krebs handeln. /Bickelhaupt, DKFZ

Heidelberg – Eine Weiterentwicklung der sogenannten diffusionsgewichteten Magnetresonanztomografie (MRT) kombiniert mit intelligenten Bildanalyseverfahren könnte künftig viele Kontrollbiopsien nach einem auffälligen Mammographiebefund ersparen. Das berichten Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg in der Zeitschrift Radiology (2017; doi: 10.1148/radiol.2017170723).

In Deutschland nehmen jedes Jahr rund 2,8 Millionen Frauen am Mammographie­screenings teil. Etwa jede 20. Frau, die am Screening teilnimmt, muss laut den Autoren mit einem auffälligen Befund rechnen. Erhärtet sich daraufhin der Verdacht, schlagen Ärzte in der Regel vor, eine Biopsie zu entnehmen. „Das betrifft jährlich fast knapp 35.000 Frauen, doch nur bei rund der Hälfte von ihnen findet sich tatsächlich ein bösartiger Tumor“, erläutert Sebastian Bickelhaupt vom Deutschen Krebsforschungs­zentrum

Die Heidelberger Radiologen haben daher die sogenannte diffusionsgewichtete MRT für die Untersuchung der weiblichen Brust optimiert und mit intelligenten computerbasierten Bildanalyseverfahren verbunden. Mit der diffusionsgewichteten MRT lässt sich die Bewegung der Wassermoleküle im Gewebe sichtbar machen und mithilfe eines Computeralgorithmus beobachten. Bösartige Tumoren verändern die Gewebestruktur, was sich auf die Bewegungsmuster der Wassermoleküle auswirkt.

„Ziel ist es, einen besseren nichtinvasiven Einblick in das Körpergewebe zu erlangen und damit den Radiologen neben den weiterhin wichtigen Standardverfahren zusätz­liche Gewebeinformationen für die klinische Beurteilung zur Verfügung zu stellen“, so Bickelhaupt. 

Die Arbeitsgruppe untersuchte im Rahmen der vorliegenden Studie 222 Frauen, die sich nach einem auffälligen Mammographiebefund einer Biopsie unterziehen sollten. Bevor die Gewebeprobe genommen wurde, analysierten die Forscher das Brustgewebe der Studienteilnehmerinnen mit ihrer neu entwickelten Methode. Die Zahl der falsch positiven Befunde in der Studiengruppe konnten sie so um 70 % reduzieren. Tatsäch­lich vorhandene bösartige Veränderungen erkannte die Methode in 60 von 61 Fällen. Das entspricht einer Trefferquote von 98 % und ist laut den Wissenschaftlern vergleich­bar mit der Zuverlässigkeit von MRT-Methoden, bei denen Kontrastmittel zum Einsatz kommen.

„Wir werten die Aufnahmen mithilfe einer von uns entwickelten intelligenten Software aus“, erklärt der Informatiker Paul Jäger, der sich mit Bickelhaupt die Erstautorschaft der Studie teilt. Das mache die Methode weitgehend unabhängig von der Interpre­tation durch einzelne Ärzte.

In einem nächsten Schritt soll sich das neue Verfahren in größeren multizentrischen Studien bewähren. Die Wissenschaftler bauen im Augenblick die dafür notwendigen Kooperationen auf. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

17. April 2018
Heidelberg - Die Gefahr für Brustkrebspatientinnen, nach einer Strahlen- oder Chemotherapie an einer Herzerkrankung zu sterben, ist nicht größer als bei der Durchschnittsbevölkerung. Zu diesem Schluss
Kein höheres Sterberisiko durch Herzerkrankung nach Brustkrebsbehandlung
19. Februar 2018
Berlin – Deutliche Kritik am Bewertungsverfahren für neue Krebsmedikamente übt der Berufsverband der Niedergelassenen Gynäkologischen Onkologen (BNGO). Es geht um die Diskussion um die beiden in
Berufsverband kritisiert G-BA-Bewertung neuer Krebstherapeutika
12. Februar 2018
Leuven/Brüssel – Brustkrebspatientinnen mit einem lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinom erhalten als erste zytostatische Therapie Docetaxel in Kombination mit anderen Medikamenten.
Brustkrebs: Weiche Chemotherapie statt Docetaxel bei älteren Patientinnen
8. Februar 2018
Los Angeles/Cambridge – Die Aminosäure Asparagin, die häufig in Lebensmitteln vorkommt, könnte die Ausbreitung einer besonders aggressiven Form des Brustkrebses beeinflussen. Zu diesem Ergebnis kommen
Brustkrebs: Wie die Ernährung die Metastasierung bremsen könnte
4. Februar 2018
Dallas – Radio- und Chemotherapie des Mammakarzinoms können das Herz schädigen. Die American Heart Association rät deshalb, die Patientinnen kardiologisch zu betreuen. In Circulation (2018; doi:
Wie sich kardiale Risiken der Brustkrebstherapie vermeiden lassen
2. Februar 2018
Münster – Bei den im Rahmen des zweijährigen Mammographiescreenings auffallenden Krebsvorstufen ist das duktale Carcinoma in situ mit einem hohen Malignitätsgrad das häufigste. Diese biologisch sehr
Im Mammographiescreening entdeckte Brustkrebsvorstufen sind häufig aggressiv
24. Januar 2018
Los Angeles – Krafttraining und Aerobic könnten die Prognose von Frauen mit Brustkrebs verbessern. Ein regelmäßiges Einzeltraining über 4 Monate reduziert die Anzahl der Frauen mit einem metabolischen

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige