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Medizin

Neues bildgebendes Verfahren soll Kontrollbiopsien nach auffälligem Mammographiebefund reduzieren

Sonntag, 4. März 2018

Mit der optimierten diffusionsgewichteten MRT-Bildaufnahmetechnik stellen Ärzte eine verdächtige Läsion in der Brust dar. Bei dem farblich markierten Areal könnte es sich um Krebs handeln. /Bickelhaupt, DKFZ

Heidelberg – Eine Weiterentwicklung der sogenannten diffusionsgewichteten Magnetresonanztomografie (MRT) kombiniert mit intelligenten Bildanalyseverfahren könnte künftig viele Kontrollbiopsien nach einem auffälligen Mammographiebefund ersparen. Das berichten Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg in der Zeitschrift Radiology (2017; doi: 10.1148/radiol.2017170723).

In Deutschland nehmen jedes Jahr rund 2,8 Millionen Frauen am Mammographie­screenings teil. Etwa jede 20. Frau, die am Screening teilnimmt, muss laut den Autoren mit einem auffälligen Befund rechnen. Erhärtet sich daraufhin der Verdacht, schlagen Ärzte in der Regel vor, eine Biopsie zu entnehmen. „Das betrifft jährlich fast knapp 35.000 Frauen, doch nur bei rund der Hälfte von ihnen findet sich tatsächlich ein bösartiger Tumor“, erläutert Sebastian Bickelhaupt vom Deutschen Krebsforschungs­zentrum

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Die Heidelberger Radiologen haben daher die sogenannte diffusionsgewichtete MRT für die Untersuchung der weiblichen Brust optimiert und mit intelligenten computerbasierten Bildanalyseverfahren verbunden. Mit der diffusionsgewichteten MRT lässt sich die Bewegung der Wassermoleküle im Gewebe sichtbar machen und mithilfe eines Computeralgorithmus beobachten. Bösartige Tumoren verändern die Gewebestruktur, was sich auf die Bewegungsmuster der Wassermoleküle auswirkt.

„Ziel ist es, einen besseren nichtinvasiven Einblick in das Körpergewebe zu erlangen und damit den Radiologen neben den weiterhin wichtigen Standardverfahren zusätz­liche Gewebeinformationen für die klinische Beurteilung zur Verfügung zu stellen“, so Bickelhaupt. 

Die Arbeitsgruppe untersuchte im Rahmen der vorliegenden Studie 222 Frauen, die sich nach einem auffälligen Mammographiebefund einer Biopsie unterziehen sollten. Bevor die Gewebeprobe genommen wurde, analysierten die Forscher das Brustgewebe der Studienteilnehmerinnen mit ihrer neu entwickelten Methode. Die Zahl der falsch positiven Befunde in der Studiengruppe konnten sie so um 70 % reduzieren. Tatsäch­lich vorhandene bösartige Veränderungen erkannte die Methode in 60 von 61 Fällen. Das entspricht einer Trefferquote von 98 % und ist laut den Wissenschaftlern vergleich­bar mit der Zuverlässigkeit von MRT-Methoden, bei denen Kontrastmittel zum Einsatz kommen.

„Wir werten die Aufnahmen mithilfe einer von uns entwickelten intelligenten Software aus“, erklärt der Informatiker Paul Jäger, der sich mit Bickelhaupt die Erstautorschaft der Studie teilt. Das mache die Methode weitgehend unabhängig von der Interpre­tation durch einzelne Ärzte.

In einem nächsten Schritt soll sich das neue Verfahren in größeren multizentrischen Studien bewähren. Die Wissenschaftler bauen im Augenblick die dafür notwendigen Kooperationen auf. © hil/aerzteblatt.de

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