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Politik

Gesundheits­fachberufe fordern Ausbildungs­reformen und höhere Vergütung

Donnerstag, 1. März 2018

/Fotoimpressionen, stock.adobe.com

Berlin – Um den gestiegenen Anforderungen an die Versorgung zunehmend älterer und multimorbider Patienten sowie dem medizintechnischen Fortschritt entsprechen zu können, fordern viele nichtärztliche Fachberufe eine akademische Berufsausbildung. Die damit einhergehenden Karrierechancen machten angesichts des herrschenden Fachkräftemangels im Gesundheitswesen Berufe wie den des Physiotherapeuten, Ergotherapeuten oder Logopäden für den Nachwuchs wieder attraktiver. Diese Auffassung vertraten die Vertreter der Berufsverbände bei der Fachberufekonferenz der Bundes­ärzte­kammer am vergangenen Dienstag in Berlin. Ziel der ständigen Einrichtung von 42 Verbänden, die sich in dieser Woche zu ihrer 30. Sitzung trafen, ist, die interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsfachberufen zu fördern.

Die Logopäden seien eine Berufsgruppe in Bewegung, sagte die Präsidentin des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie (dbl), Dagmar Karrasch, in ihrem Bericht zur Lage. Zum einen gehe es darum, für Logopäden und Sprachtherapeuten eine einheitliche Berufslandschaft zu gestalten. Zum anderen habe man sich gemeinsam mit den Physiotherapeuten und den Ergotherapeuten das Ziel gesetzt, eine grundständige akademische Berufsausbildung zu schaffen. Die im Rahmen einer Modellklausel durchgeführten Studiengänge seien alle positiv evaluiert worden. Es sei daher nur konsequent, die Berufsgesetze entsprechend zu ändern.

Die logopädische Ausbildung ausschließlich an der Hochschule zu verorten, spiegele die gesellschaftlich gewachsenen beruflichen Anforderungen an die Gesundheits- und Patientenversorgung wider, heißt es dazu in einem Positionspapier des dbl. Zumal aktuell 90 Prozent der Berufsfachschüler der Logopädie ohnehin über die allgemeine Hochschulreife verfügten. Eine Vollakademisierung verbessere zudem die Wettbewerbsfähigkeit der Logopäden in Europa. Deutschland sei das einzige Land in der Europäischen Union, in dem Logopäden ohne Bachelor- beziehungsweise Masterabschluss zur Berufsausübung zugelassen würden. Der dbl habe Ende Februar eine Rahmenstudienordnung für Logopädie fertiggestellt, die man jetzt mit der Politik diskutieren müsse. „Wir hoffen, dass die Novelle des Berufsgesetzes in dieser Legislaturperiode verabschiedet wird“, sagte Karrasch.

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Direktzugang zum Physiotherapeuten

Den Kampf gegen den Fachkräftemangel führte Ute Repschläger, Vorsitzende des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten, als Hauptproblem an. „Wir müssen den Beruf für den Nachwuchs attraktiver machen. Dazu gehört auch eine bessere Vergütung“, sagte Repschläger. Hier sei man bereits auf gutem Wege. Wie die Logopäden wollen auch die Physiotherapeuten, dass der therapeutische Nachwuchs künftig an Hochschulen ausgebildet wird. Außerdem fordert der Verband, dass Patienten Physiotherapeuten künftig ohne ärztliche Überweisung aufsuchen können.

Für eine Ausbildungsreform sprach sich auch Christiane Maschek aus, Präsidentin des Dachverbands für Technologen und Analytiker in der Medizin Deutschland (DVTA). Denn die Fachberufe arbeiteten inzwischen häufig mit hochkomplexen Technologien, die ein ebenso hohes Maß an Kompetenz erforderten. Maschek zufolge besteht in den technologischen und analytischen Fachberufen ein massiver Mangel an Fachkräften. Dabei leisteten diese einen wesentlichen Beitrag zur medizinischen Diagnostik. „Und ohne Diagnostik gibt es keine Therapie“, betonte Maschek. Um die sich abzeichnenden Probleme speziell auf dem Arbeitsmarkt für biotechnologische, medizinische und pharmazeutische Assistentinnen und Assistenten zu lösen, müsse die Ausbildung flexibler werden. Dazu gehörten neben besseren Möglichkeiten für Quereinsteiger, Fernunterricht und einer Ausbildung in Teilzeit auch die Möglichkeit einer Hochschulausbildung. So habe der Wissenschaftsrat bereits im Jahr 2012 einen Akademisierungsgrad von zehn bis 20 Prozent eines Jahrgangs empfohlen. Denn um die Berufe für den Nachwuchs attraktiver zu machen, müssten neben einem wertschätzenden Umgang auf Augenhöhe auch Karriereperspektiven geschaffen werden. Mit Blick auf die gesetzlich festgelegten Personaluntergrenzen für Pflegekräfte forderte Maschek solche Vorgaben auch für medizinisch-technische Assistenten.

Auch der Koalitionsvertrag von Union und SPD sieht bislang nur Verbesserungen für die Pflegeberufe vor, unter anderem die Schaffung von 8.000 zusätzlichen Stellen in den Pflegeeinrichtungen. Dass dort Handlungsbedarf besteht, erläuterte Martin Petzold vom Deutschen Berufsverband für Altenpflege. Die Arbeitsbedingungen in der Altenpflege seien katastrophal, sagte er. „Es herrscht eine Arbeitsverdichtung, die ihresgleichen sucht. Und die Bezahlung ist mies.“ Hier müsse dringend gegengesteuert werden. Ob die Zusammenlegung der Ausbildungsgänge von Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege, wie sie das Pflegeberufegesetz vorsehe, hier Abhilfe schaffe, müsse sich zeigen. „Wir waren keine Freunde davon“, sagte Petzold. „Aber wir werden uns einbringen.“

Größere Eigenständigkeit der Fachberufe

Gute Ausbildungsmöglichkeiten, motivierende berufliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Anerkennung für die Gesundheitsberufe seien wichtige Voraus­setzungen für die qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung in Deutschland und damit auch für die Sicherheit der Patienten, erklärte Max Kaplan, Vizepräsident der Bundes­ärzte­kammer und Vorsitzender der Fachberufekonferenz. Kaplan bezeichnete es als wichtig, dass sich Union und SPD für eine Stärkung und Weiterentwicklung der Gesundheitsfachberufe einsetzen und insbesondere auch attraktive Ausbildungsmöglichkeiten schaffen wollten. Mit Blick auf den Fachkräftemangel sei das ein richtiges Signal.

Kaplan bekräftigte zugleich, dass die Bundes­ärzte­kammer die Bestrebungen der einzelnen Gesundheitsberufe zur Akademisierung positiv begleite. Mit Blick auf eine älter werdende Bevölkerung mit immer mehr Multimorbiden bei gleichzeitigem Fachkräftemangel werde die Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe immer wichtiger, erklärte Kaplan. „Der Teamgedanke ist entscheidend.“ Vorstellbar sei vor diesem Hintergrund auch eine größere Eigenständigkeit der Fachberufe. „Wir müssen alle mit unseren Ressourcen sparsam umgehen“, meinte Kaplan.

Nach Ansicht des Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA), Josef Hecken, macht die demografische Entwicklung eine neue Aufgabenverteilung der Gesundheitsberufe unumgänglich. An die Ärzte gewandt, sagte er, diese dürften nicht darauf beharren, dass es sich bei bestimmten Tätigkeiten um „originär ärztliche Aufgaben“ handele. „Wir müssen uns vielmehr die Frage stellen, welche Aufgaben mit welcher Ausbildung haftungsrechtlich sauber substituiert werden können. Sonst werden wir die Versorgung in Zukunft nicht sicherstellen können“, sagte Hecken. „Wenn wir den Sicherstellungsauftrag wahrnehmen wollen, müssen wir uns bewegen.“ © HK/aerzteblatt.de

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