NewsPolitikAOK mahnt Änderungen beim Rettungsdienst im Südwesten an
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

AOK mahnt Änderungen beim Rettungsdienst im Südwesten an

Freitag, 2. März 2018

/VanHope, stock.adobe.com

Stuttgart – Das baden-württembergische Innenministerium macht Tempo beim Umbau des Rettungsdienstes. Noch in diesem Jahr sollen vier ärztliche Leiter bei den Regierungs­präsidien eingesetzt werden, die die medizinische Fachaufsicht über­nehmen, wie Innenstaatssekretär Martin Jäger (CDU) heute in Stuttgart mitteilte. Bislang gebe es so etwas nicht. Seit Jahren wird über den Zustand des Rettungs­dienstes diskutiert, weil nicht überall die gesetzlichen Hilfefristen eingehalten werden. Deshalb veranstaltete das Innenministerium ein entsprechendes Fachsymposium.

Ein Sprecher der AOK Baden-Württemberg sagte: „Die Bearbeitung eines Notrufs sowie die Disposition der Rettungsfahrzeuge müssen in einer Minute ablaufen können.“ Derzeit seien für Notruf und Disposition in den Rettungsleitstellen Zeiten von bis zu drei Minuten keine Seltenheit. Auch die Ausrückzeit der Fahrzeuge sei auf maximal zwei Minuten reduzierbar. Nach der Anmeldung eines Notfalltransports in der Klinik müsse dort das Aufnahmeteam bereitstehen, und die Übergabe und Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft müsse innerhalb 15 Minuten erfolgen.

Anzeige

Nach Angaben des Innenministeriums erreichen die Rettungswagen im Schnitt nach rund sieben Minuten den Patienten. Aber nicht in allen Landesbereichen werden die zeitlichen Vorgaben des Rettungsdienstgesetzes eingehalten. Demnach sollen Notarzt und Rettungswagen in 95 Prozent der Einsätze in höchstens 15 Minuten am Notfallort eintreffen.

Ressortchef Thomas Strobl (CDU) will den Rettungsdienst in maßgeblichen Punkten neu aufstellen. So ist unter anderem die Leitstellenstruktur in der Prüfung. Der AOK-Sprecher sagte, die Zahl der Notrufleitstellen sollte von 33 auf zwölf oder sogar acht reduziert werden. Jede Rettungsleitstelle sollte mindestens für eine Million Einwohner zuständig sein. Hermann Schröder, Abteilungsleiter für Bevölkerungsschutz beim Innenministerium, sagte, ein Konzept für die Leitstellen werde gerade erarbeitet. Wichtig sei vor allem eine Vernetzung der Einrichtungen.

Strobl spricht sich zudem für eine Trennung von Notfallrettung und Kranken­transporten aus. Diese Forderung wird von der AOK unterstützt. Abteilungsleiter Schröder sagte: „Wir wollen nicht, dass die Patienten vier bis acht Stunden beim Arzt oder im Krankenhaus warten, bis der Transport läuft.“ Die oppositionelle FDP forderte eine ausreichende Finanzierung der Krankenhaustransporte.

Nach Einschätzung der Fachleute wird der Rettungsdienst auch immer häufiger wegen Bagatellen gerufen. Die Schätzungen liegen zwischen 20 und mehr als 50 Prozent der Fälle, wie ein Sprecher vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) erklärte. „Wir haben beobachtet, dass die Verunsicherung bei den Patienten in den vergangenen Jahren gewachsen ist, vor allem wenn der Hausarzt nicht zu erreichen ist.“

Matthias Helm, Leitender Arzt der Sektion Notfallmedizin vom Bundeswehr­kranken­haus in Ulm, sagte: „Wenn heute einer hinfällt und sich den Finger bricht, ruft er gleich den Rettungswagen. Früher wäre man ins Krankenhaus gefahren.“ Helm sagte, die sogenannte Hilfefrist sei nicht das Maß aller Dinge. Die Wege seien auch länger geworden. Zum einem gibt es ihm zufolge weniger Kliniken und zum anderen nehmen nicht mehr so viele an der Notfallversorgung teil wie früher. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

5. Dezember 2018
Köln/Berlin – Das Deutsche Institut für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) hat zwei Klarstellungen zum OPS 2019 veröffentlicht – also zum aktuellen Operationen- und Prozedurenschlüssel
DIMDI veröffentlicht Klarstellungen zur geriatrischen Komplexbehandlung und zur Schlaganfalltherapie
21. November 2018
Stuttgart/Heidelberg – Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg hat ein weiteres Modellprojekt zur ausschließlichen ärztlichen Fernbehandlung genehmigt. Dabei geht es um eine Einschätzung von
Modellprojekt in Baden-Württemberg: Hautbefund per Onlinediagnose
20. November 2018
Berlin – Bei Stau bilden Fahrer laut einer Umfrage des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) selten reibungslos eine Rettungsgasse. Nur in knapp 16 Prozent von 96 betrachteten Fällen hätten die Menschen
Bildung von Rettungsgassen klappt selten
19. November 2018
Filderstadt – Die Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutscher Notärzte und die DRF Luftrettung plädieren für mehr nachtflugtaugliche Helikopter in Baden-Württemberg. Bislang gibt es demnach nur ein Exemplar
Ruf nach mehr nachtflugtauglichen Helikoptern in Baden-Württemberg
16. November 2018
Stuttgart – Baden-Württemberg fördert den Ausbau von Angeboten der Kurzzeitpflege. Dazu stehen einmalig 7,6 Millionen Euro zur Verfügung, wie das Sozialministerium heute in Stuttgart mitteilte. Die
Baden-Württemberg fördert Ausbau der Kurzzeitpflege
14. November 2018
Luxemburg – Die Vergabe von Krankentransporten muss nach Ansicht eines wichtigen Gutachters am Europäischen Gerichtshof (EuGH) nicht zwingend europaweit ausgeschrieben werden. An gemeinnützige
EuGH-Gutachter: Krankentransport nicht immer öffentlich ausschreiben
29. Oktober 2018
Stuttgart – In diesem Jahr sind mehr Menschen in Baden-Württemberg von einer Zecke gebissen worden als im Vorjahr. Zum Stichtag am 25. Oktober gab es 269 registrierte Fälle der
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER