NewsPolitikRekordreserve bei den den gesetzlichen Krankenkassen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Rekordreserve bei den den gesetzlichen Krankenkassen

Freitag, 2. März 2018

/dpa

Berlin – Trotz einer Rekordreserve von 19,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr sind die gesetzlichen Krankenkassen teils zögerlich mit Entlastungen der Beitragszahler. Das Potenzial für Beitragssatzsenkungen sei bislang nicht ausgeschöpft worden, merkte das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium heute in Berlin an.

Die gesetzlichen Kassen erzielten im vergangenen Jahr einen Überschuss von 3,15 Milliarden Euro. Der Gesundheitsfonds, die Geldsammel- und -verteilstelle der Kran­ken­ver­siche­rung, habe liquide Mittel von 9,1 Milliarden Euro. Unterm Strich verfügt die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung somit über ein Geldpolster von mehr als 28 Milliarden Euro.

Anzeige

Der Zusatzbeitrag, den die Kassen selbst festlegen und der derzeit noch allein zulasten der Kassenmitglieder geht, lag zum 1. Januar im Schnitt bei 1,08 Prozent, so das Ministerium. Das Ressort des scheidenden Ministers Hermann Gröhe (CDU) verwies darauf, dass es den rechnerischen Zusatzbeitragssatz im Schnitt für das Jahr 2018 von 1,1 auf 1,0 Prozent abgesenkt hatte, weil dies zur Deckung der Ausgaben ausreiche. „Nur ein Teil der Krankenkassen hat die vorhandenen Möglichkeiten zur Senkung ihres Zusatzbeitragssatzes genutzt“, so das Ministerium.

Künftig sollen sämtliche Beiträge wieder zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und -gebern gezahlt werden.

Der Spitzenverband der Kassen verteidigte die Zurückhaltung. „Eine kleine Konjunktur­delle oder eine große Grippewelle können die Einnahmen- beziehungsweise Ausgabensituation der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung so sehr ändern, dass es vernünftig ist, den gesetzlichen Spielraum für Rücklagen auch zu nutzen“, sagte Verbandssprecher Florian Lanz.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) forderte den Gesetzgeber auf, ange­spartes Geld für die Versorgung frei zu machen. Die Kassen hätten „unglaubliche Überschüsse“ – bei den Krankenhäusern fehle das Geld, sagte DKG-Präsident Gerald Gaß.

Auch die Vertragsärzte verlangten indirekt mehr Geld. So seien mehr Leistungen, wie sie Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag vorsähen, mit den geltenden Budgets nicht vereinbar, heißt es in einer neuen Resolution der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassen­ärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Besonders kritisierte die KBV den Plan von Union und SPD, das Mindestsprechstundenangebot für gesetzlich Versicherte von 20 auf 25 Stunden zu erhöhen. Schon heute betrage die Arbeitszeit der Ärzte und Psycho­therapeuten im Schnitt 52 Stunden pro Woche, so die KBV. Lanz wies die KBV-Bedenken als nicht nachvollziehbar zurück.

Die Ausgaben für Ärzte stiegen 2017 um 1,9 auf 42,6 Milliarden, für Krankenhäuser um 1,9 auf 75,6 Milliarden und für Arzneimittel um 1,4 auf 39,9 Milliarden Euro.

Der geschäftsführende Ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) sagte: „Alles spricht dafür, dass die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung auch im Jahr 2018 schwarze Zahlen schreibt.“ Sie sei damit gut gerüstet für die weitere Verbesserung der Gesund­heitsversorgung und bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege.

2017 standen Einnahmen von rund 233,7 Milliarden Euro Ausgaben von 230,6 Milliarden Euro gegenüber. Damit sind die Einnahmen der Krankenkassen um 4,3 Prozent und die Ausgaben insgesamt um 3,5 Prozent gestiegen.

Den höchsten Überschuss erzielten Ortskrankenkassen (AOK) mit 1,45 Milliarden Euro. Die Ersatzkassen wie Techniker (TK), Barmer und DAK-Gesundheit kamen demnach auf ein Plus von 1,2 Milliarden, die Betriebskrankenkassen auf 295 Millionen, die Knappschaft auf 102 Millionen und die Innungskassen auf 174 Millionen Euro. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

26. Juni 2019
Berlin – Das Bundeskabinett hat heute den Entwurf für den Bundeshaushalt 2020 beschlossen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) plant trotz schwächer steigender Steuereinnahmen mit steigenden
Bundeskabinett verabschiedet Haushaltsentwurf
21. Juni 2019
Berlin – Das geplante Faire-Kassenwahl-Gesetz hat einen Keil zwischen die Vertreter der unterschiedlichen Krankenkassenverbände getrieben. Der bisher übliche und jahrelange heftig Streit über den
Drei Kassenchefs wehren sich gegen Vorwürfe der AOKen
20. Juni 2019
Berlin – Die Krankenkassen haben im 1. Quartal 2019 ein geringes Defizit von rund 102 Millionen Euro hinnehmen müssen. Die gleichzeitig vorgelegten endgültigen Jahresergebnisse 2018 ergaben einen
Krankenkassen verzeichnen geringes Defizit im ersten Quartal
18. Juni 2019
Kremmen – Der GKV-Spitzenverband hat angesichts absehbar steigender Pflegekosten eine neue Struktur der Finanzierung für die Pflegekassen angemahnt. Das Thema Pflege genieße derzeit eine nie
Krankenkassen mahnen neue Finanzierung für Pflegeversicherung an
17. Juni 2019
Kremmen – Trotz möglicher schwächerer Konjunkturaussichten erwartet der GKV-Spitzenverband vorerst weiter stabile Einnahmen. Der Verband warnte aber vor deutlichen Ausgabenrisiken. Die Finanzlage sei
Krankenkassenfinanzen bleiben weiter stabil
13. Juni 2019
Berlin – Erstmals seit drei Jahren müssen die Krankenkassen für die Behandlungsausgaben ihrer Versicherten auf bestehende Finanzreserven zugreifen. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung
Krankenkassen müssen auf Finanzrücklagen zurückgreifen
23. April 2019
Düsseldorf – Die Pro-Kopf-Ausgaben der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) sind seit der Wiedervereinigung deutlich stärker gestiegen als die Einkommen der Beitragszahler. Das geht aus einer noch
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER