NewsMedizinFischöl und Probiotika in der Schwangerschaft könnten Allergierisiko verringern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Fischöl und Probiotika in der Schwangerschaft könnten Allergierisiko verringern

Freitag, 2. März 2018

/dima_pics - stock.adobe.com

London – Mütter können durch ihre Ernährung während der Schwangerschaft und in der Stillzeit das Allergierisiko ihrer Kinder beeinflussen. Zu diesem Schluss kommt eine Meta-Analyse in PLoS Medicine (2018; doi: 10.1371/journal.pmed.1002507).

In den meisten entwickelten Ländern steigt die Zahl der Allergien und Autoimmun­erkrankungen. Die Gründe sind unklar, aber nicht wenige Allergologen und Immu­nologen vermuten, dass Einflüsse in den ersten Lebensmonaten und vielleicht sogar in der Zeit vor der Geburt von Bedeutung sein könnten, da diese Phasen für die Entwick­lung eines gesunden Immunsystems von entscheidender Bedeutung sind. Dies hat zu verschiedenen Überlegungen geführt, wie Kinder durch Intervention während der Schwangerschaft oder während der Stillphase geschützt werden könnten.

Vielfach ist es nicht bei bloßen Überlegungen geblieben. Ein Team um Robert Boyle vom Imperial College London hat 400 Studien mit mehr als 1,5 Millionen Teilnehmern gefunden, die sich mit dem Einfluss der Ernährung auf die Entwicklung allergischer Erkrankungen beschäftigt haben.

Am genauesten untersucht wurde der Einfluss von Probiotika und Fischölkapseln. Für beide Interventionen liegen Hinweise aus randomisierten klinischen Studien vor.

Die Einnahme von probiotischen Nahrungsergänzungsmitteln wurde in 28 Studien an rund 6.000 Frauen untersucht, die die Probiotika während der Schwangerschaft und Stillzeit als Kapsel, Pulver oder Getränk eingenommen hatten. Nach der Berechnung von Boyle senkte die Einnahme der Probiotika die Häufigkeit von Ekzem-Erkrankungen bei den Kindern um 22 Prozent. Die Risk Ratio von 0,78 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,68 bis 0,90 signifikant. Die Heterogenität ist mit einem I2-Wert von 61 Prozent allerdings hoch, was die Glaubwürdigkeit der Studien einschränkt. Sollten die Ergebnisse jedoch die Wirklichkeit richtig widerspiegeln, dann könnte die Einnahme von Probiotika auf 1.000 Kinder 44 Ekzem-Erkrankungen vermeiden.

Der Einfluss von Fischölpräparaten wurde in 19 randomisierten Studien mit rund 15.000 Frauen untersucht. Die Einnahme während der Schwangerschaft und der Stillzeit könnte nach den Berechnungen von Boyle das Risiko einer allergischen Sensibilisierung auf Eier um 31 Prozent senken (Risk Ratio 0,69; 0,53-0,90). Der I2-Wert von 15 Prozent zeigt eine geringe Heterogenität und damit eine hohe Glaubwürdigkeit der Ergebnisse. Die absolute Risikoreduktion betrug 31 Erkrankungen auf 1.000 Kinder. 

Fischölpräparate könnten auch vor Erdnussallergien schützen. Die Evidenz stützt sich allerdings nur auf zwei Studien, so dass Boyle die Schutzwirkung mit einem Frage­zeichen versieht (Risk Ratio 0,62; 0,40-0,96 Prozent).

Den besten Schutz gewährt möglicherweise das Stillen. Die Weltgesundheitsorga­nisation rät den Müttern, in den ersten sechs Monaten voll zu stillen und danach langsam zuzufüttern. Die Evidenz zur Senkung des Ekzemrisikos im Säuglingsalter kann sich allerdings nur auf eine Interventionsstudie stützen.

Stillen war jedoch die einzige Intervention, für die Boyle in Beobachtungsstudien Hinweise auf eine Schutzwirkung gegen die Entwicklung des Typ 1-Diabetes fand. Der Typ 1-Diabetes gehört zu den Autoimmunerkrankungen, die durch Antikörper gegen Insulin und Beta-Zellen ausgelöst wird, die bei vielen Kindern bereits im Alter von einem Jahr nachweisbar sind. Die Erkrankung bricht erst im Vorschul- oder Schulalter aus. In den meisten westlichen Ländern ist parallel zur Abnahme der Stillquote die Zahl der Erkrankungen am Typ 1-Diabetes gestiegen. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

15. Juni 2018
Berlin – Das Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hat seine Risikobewertung zu 1,2-ungesättigten Pyrrolizidinalkaloiden (PA) in Lebensmitteln aktualisiert (2018; doi: 10.17590/20180614-084508-0).
Pyrrolizidinalkaloide: Schlechte BfR-Bewertung für Nahrungsergänzung aus der Natur
8. Juni 2018
Melbourne – Kinder, denen vor dem 10. Lebensjahr die Gaumen- und/oder Rachenmandeln entfernt wurden, erkranken im späteren Lebensalter häufiger an einer Reihe von Infektionen und allergischen
Tonsillektomie und Adenotomie könnten spätere Anfälligkeit auf Infektionen und Allergien fördern
7. Juni 2018
Frankfurt am Main – Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel (NEM) wächst deutlich. Das zeigen Analysen des Statistikdienstleister IQVIA. Danach stieg die Nachfrage im vergangenen Jahr gegenüber 2016
Nahrungsergänzungsmittel sind Verkaufsrenner
6. Juni 2018
Silver Spring/Maryland – Nachdem in den USA mindestens 2 Menschen nach dem Konsum von hochkonzentrierten Koffeinprodukten gestorben sind, hat die US-Arzneimittelbehörde FDA 2 Internethändler
FDA warnt vor hochdosiertem Koffein im Internethandel
6. Juni 2018
Penang/Berlin – Präparate mit Vitamin B1, Benfotiamin oder auch Vitamin E sind bei neuropathischen Schmerzen ohne Nutzen. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hingewiesen. In
Vitaminpräparate helfen nicht gegen neuropathische Schmerzen
5. Juni 2018
München – Eine Onlineplattform für klinische Studien zu Allergien hat der Allergieinformationsdienst am Helmholtz-Zentrum München vorgestellt. Sie soll Ärzte und Patienten unabhängig und transparent
Helmholtz-Zentrum stellt Plattform für klinische Studien zu Allergien vor
1. Juni 2018
Leverkusen – Ein Viertel der Deutschen leidet nach eigenen Angaben an durch Nahrungsmittel hervorgerufenen Unverträglichkeiten. Frauen sind häufiger betroffen als Männer und achten auch stärker

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

NEWSLETTER