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Medizin

Forscher unterscheiden drei schwere und zwei leichte Typen des Erwachsenendiabetes

Dienstag, 6. März 2018

/skyfotostock, stock.adobe.com

Lund – Nicht alle Typ-2-Diabetiker sind gleichermaßen von Spätkomplikationen bedroht. Eine neue Klassifikation, die sich auf 6 Parameter stützt und 5 Diabetestypen unterscheidet, könnte den Verlauf besser vorhersehbar machen. Die Autoren sprechen in Lancet Diabetes & Endocrinology (2018; doi: 10.1016/S2213-8587(18)30051-2) von einem Paradigmenwechsel in der Diabetesdiagnose.

Diabetes ist weltweit die am schnellsten zunehmende Krankheit. 9 von 10 Erkran­kungen treten im Erwachsenenalter auf. Sie werden als Typ-2-Diabetes bezeichnet und als Folge einer Insulinresistenz gedeutet. Eine Variante des Erwachsenendiabetes ist der LADA („latent autoimmune diabetes in adults“), der zunächst als Typ-2-Diabetes beginnt, aber später infolge einer Autoimmunerkrankung dem Typ-1-Diabetes immer ähnlicher wird, der zumeist in der Kindheit als Folge einer Zerstörung der Betazellen meist einen abrupten Beginn hat und im Gegensatz zum Typ-2-Diabetes immer insulinpflichtig ist.

Diese Klassifizierung, die sich allein auf die Bestimmung des Blutzuckers gründet, wird von vielen Diabetologen als unbefriedigend eingestuft, da es „unter der Oberfläche“ große Unterschiede gibt. So kommt es bei einigen Patienten neben der Insulinresistenz relativ schnell zur Erschöpfung der Betazellfunktion, während andere lebenslang ohne Insulin auskommen. Einige Patienten entwickeln frühzeitig ein Nierenversagen, bei anderen stehen die Augenschäden im Vordergrund. Wieder andere sind in erster Linie von Herzinfarkt oder von Amputationen betroffen.

Ein Team um Leif Groop vom Diabeteszentrum der Universität Lund in Schweden schlägt jetzt eine Neueinteilung vor. Sie basiert neben dem Alter beim Erkrankungs­beginn und dem Body-Mass-Index auf den folgenden Laborparametern, die bei einem Arztbesuch bestimmt werden könnten: Glutamatdecarboxylase-Antikörper (GADA; zur Identifizierung von Patienten mit Autoimmundiabetes), HbA1c (als Blutzuckerlangzeitwert), HOMA 2B (zur Beurteilung der Betazellfunktion basierend auf der C-Peptid-Konzentration) und HOMA2 IR (zur Beurteilung der Insulinsensitivität).

Mit den 6 Parametern konnte Groop in der „Swedish All New Diabetics in Scania“-Kohorte, die alle Erkrankungen in reiner Region im Süden Schwedens umfasst, 5 verschiedene Diabetestypen unterscheiden, von denen 3 von einem schweren und 2 von einem milden Verlauf gekennzeichnet sind.

Erstens: Der SAID („severe autoimmune diabetes“) entspricht im wesentlichen dem LADA. Er ist gekennzeichnet durch einen relativ frühen Beginn, hohe HbA1c-Werte, eine gestörte Insulinproduktion und das Vorhandensein von GADA-Antikörpern. In diese Gruppe fielen 6 bis 15 % der Diabetiker.

Zweitens: Der SIDD („severe insulin-deficient diabetes“) umfasst Personen mit hohem HbA1c-Wert, gestörter Insulinsekretion und moderater Insulinresistenz. Diese Gruppe, auf die 9 bis 20 % der Diabetiker entfielen, erkrankten am häufigsten an einer Retinopathie. 

Drittens: Der SIRD („severe insulin-resistant diabetes“) ist gekennzeichnet durch Adipositas und eine schwere Insulinresistenz. In dieser Gruppe mit einem Anteil von 11 bis 17 % kam es am häufigsten zu Nierenschäden und zu koronaren Ereignissen. Folglich waren die Behandlungskosten am höchsten.

Gruppe 4: Der MOD („mild obesity-related diabetes“) umfasst übergewichtige Patienten, die in einem relativ jungen Alter erkranken. Auf diese Gruppe entfielen 18 bis 23 % der Erwachsenendiabetiker.

Gruppe 5: Der MARD („mild age-related diabetes“) ist mit einem Anteil von 39 bis 47 % die größte Gruppe und besteht vor allem aus Patienten, die erst im höheren Lebensalter einen Diabetes entwickeln.

Einige Gruppen zeigten eine genetische Prädisposition. So wurde beim SIRD eine negative Assoziation zum  Einzelnukleotid-Polymorphismus (SNP) rs10401969 (eine Variante in Gen TM6SF2) gefunden (Odds Ratio 0,62), während die ansonsten bei Typ-2-Diabetikern häufige Assoziation mit dem SNP rs7903146 (im Gen TCF7L2) fehlte. Für eine ätiologische Einordnung reichen die genetischen Unterschiede jedoch nicht aus, zumal nicht klar ist, wie die Gene die Entwicklung der Erkrankung beeinflussen.

Die schwedischen Diabetologen konnten die Einteilung in 3 anderen skandinavischen Kohorten bestätigen. Ob sie sich durchsetzen wird, dürfte zum einen davon abhängen, ob sie auch in anderen Ländern mit einer anderen ethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung repliziert werden kann. Zum anderen müsste untersucht werden, wie die Einteilung die Behandlung und ihre Ergebnisse beeinflussen. So könnte untersucht werden, ob Patienten mit SIDD von einer intensivierten augenärztlichen Kontrolle profitieren und ob Maßnahmen gefunden werden, die Patienten mit SIRD vor den Langzeitkomplikation im Herz-Kreislauf-System und in den Nieren schützen würden. © rme/aerzteblatt.de

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