NewsMedizinNüsse verbessern Überlebenschancen in Darmkrebsstudie
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Nüsse verbessern Überlebenschancen in Darmkrebsstudie

Sonntag, 4. März 2018

ZMelissa Varoy

Boston – Teilnehmer einer klinischen Studie zur Chemotherapie des fortgeschrittenen Kolorektalkarzinoms überlebten laut einer Analyse im Journal of Clinical Oncology (2018; doi: 10.1200/JCO.2017.75.5413) den Krebs häufiger, wenn sie eine Handvoll Nüsse am Tag verzehrten.

Trotz ihres hohen Kaloriengehalts gelten Nüsse als gesund. Ballaststoffe, ungesättigte Fettsäuren, zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe sowie bioaktive Substanzen wie phenolische Antioxidantien und Phytosterole sollen gesunde Menschen vor Krank­heiten schützen.

Das jedenfalls legte eine vor fünf Jahren vorgestellte Auswertung der Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-up Study nahe. Der häufige Verzehr von Nüssen war dort mit einem verminderten Sterberisiko assoziiert. Er schützte nicht nur vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Die Teilnehmer der beiden prospektiven Beobachtungsstudien hatten auch ein um 17 Prozent vermindertes Risiko, an Krebs zu sterben (NEJM 2013; 369: 2001-11).

Die Ergebnisse der Studie haben Temidayo Fadelu und Mitarbeiter vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston veranlasst, den Einfluss von Nüssen bei Menschen zu untersuchen, die bereits an Krebs erkrankt sind. Die Forscher werteten dazu die Daten der Studie CALGB 89803 aus, die Anfang der 2000er Jahre zur adjuvanten Chemo­therapie des fortgeschrittenen Kolorektalkarzinoms durchgeführt worden war. Die Studie hatte damals untersucht, ob Irinotecan die Ergebnisse des Mayo-Regimes mit Fluorouracil plus Leucovorin verbessern kann. Dies war, wie die vor zehn Jahren publizierten Ergebnisse zeigten, nicht der Fall (J Clin Oncol 2007; 25: 3456-61).

Die 1.264 Teilnehmer hatten damals einen Fragebogen zu ihrer Ernährung ausgefüllt, der es Fadelu jetzt erlaubte, den Einfluss der Ernährung auf die Überlebenszeiten untersuchen. Die Ergebnisse, die bereits im letzten Jahr auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology in Chicago vorgestellt wurden, zeigen, dass die Patienten, die häufig Nüsse verzehrten, die Krebserkrankung häufiger und länger überlebt hatten.

Für den Verzehr von zwei oder mehr Portionen Nüsse pro Woche ermittelt Fadelu eine adjustierte Hazard Ratio von 0,58, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,37 bis 0,92 signifikant war. Mit anderen Worten: Der regelmäßige Verzehr hatte den Anteil der Patienten, bei denen es nach Operation und Chemotherapie erneut zu einem Tumorwachstum gekommen war, um 42 Prozent gesenkt. Die Chance, den Darmkrebs zu überleben, stieg bei einer adjustierten Hazard Ratio von 0,43 (0,25-0,74) sogar um 57 Prozent.

In beiden Analysen war der Vorteil auf den Verzehr von Baumnüssen beschränkt. Die adjustierte Hazard Ratio für ein krankheitsfreies Überleben betrug hier 0,54 (0,34-0,85), die Hazard Ratio für das Gesamtüberleben lag bei 0,47 (0,27.0,82). Erdnüsse, die botanisch zu den Hülsenfrüchten gehören, hatten keine protektive Wirkung.

Die Ergebnisse sind ein deutlicher Hinweis für eine protektive Wirkung, beweisen können sie dies jedoch nicht. Für die nachträgliche Auswertung einer Therapiestudie gelten die gleichen Einschränkungen wie für prospektive Beobachtungsstudien. Es lässt sich beispielsweise nicht ausschließen, dass Teilnehmer, die aus anderen Gründen ihre Krebserkrankung besser überstanden haben, häufiger Geschmack an Nüssen hatten. Der Konsum von Nüssen könnte auch nur eines von mehreren Kennzeichen einer gesünderen Lebens- und Ernährungsweise gewesen sein, die auch ohne den Konsum von Nüssen die Überlebenschancen verbessert hätte.

Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass sich Patienten bei Krebserkrankungen nicht allein auf die medizinische Therapie verlassen müssen. Sie könnten etwa durch eine Umstellung der Ernährung die Heilungschancen verbessern. Es fehlt jedoch bisher weitgehend an randomisierten kontrollierten Studien, die diesen Aspekt mit in die therapeutischen Pläne einbeziehen. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Flyer
am Dienstag, 6. März 2018, 14:46

Wer gehört zu den Baumnüsse?

Erdnüsse nicht! Walnüsse sicher! Aber sonst? Haselnüsse (doch eher Strauch?), Paranüsse?, auf dem Foto oben sind noch Cashewnüsse zu sehen (Kerne der Cashewfrucht), Mandeln, Kürbiskerne. Dann gibt es noch Pekannüsse und Macadamias.
In der Schweiz wird meines Wissens nach nur die Walnuss als "Baumnuss" bezeichnet.
Ich esse alle gerne (auch Erdnüsse), aber welche helfen jetzt (und welche waren in der Studie untersucht?).
thuphi88
am Dienstag, 6. März 2018, 12:28

Fasziniert

Es tauchen escht immer wieder neue erstaunliche Wirkungsweisen von Nüssen auf. Das ist faszinierend

Nachrichten zum Thema

21. Juni 2018
Kassel – Trotz der Zunahme von Übergewicht in Deutschland wird auch mangelhafte Ernährung zu einem wachsenden Problem. „Gut 25 Prozent aller stationär in ein Krankenhaus aufgenommenen Patienten weisen
Jeder vierte Krankenhauspatient ist mangelernährt
15. Juni 2018
Saarbrücken – Die Bundesländer wollen Kinder und Jugendliche besser vor gezielter Werbung für Dickmacher schützen. Das haben die Verbraucherschutzminister der Länder heute in Saarbrücken beschlossen.
Bundesländer wollen Kinder vor Lockwerbung für ungesunde Lebensmittel schützen
15. Juni 2018
Berlin – Die Nährwertangaben aller Danone-Produkte sollen schrittweise ab 2019 auf den Verpackungsvorderseiten zusätzlich mit einer Ampel vereinfacht dargestellt werden. Der französische Konzern
Danone führt Lebensmittelampel ein
14. Juni 2018
Hamburg – Der Lebensmittelhändler Edeka hat nach eigenen Angaben den Zucker- und Salzgehalt in mehr als 150 Produkten seiner Eigenmarken verringert. Bei Waren aus den Sortimenten Getränke,
Edeka verringert Zucker und Salz in Eigenmarken
14. Juni 2018
Pamplona/Spanien – Die einflussreichste Studie der letzten Jahre zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch eine mediterrane Diät wurde wegen statistischer Ungereimtheiten von den Autoren
PREDIMED-Studie zur mediterranen Diät zurückgezogen – und erneut publiziert
14. Juni 2018
Berlin – Der sogenannte Kompetenzcluster „Nutritional Intervention for Healthy Aging: Food Patterns, Behavior, and Products“ (NutriAct) wird in den kommenden Jahren vom Bundesministerium für Bildung
Weitere Millionenförderung für Forschung zur Ernährung der Generation 50 plus
13. Juni 2018
Wien – Die Fußballweltmeisterschaft in Russland ist aus Sicht von Ärzten und Wissenschaftlern ein potenzieller Dickmacher für Zuschauer und Fans. So warnt die Medizinische Universität Wien davor,

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

NEWSLETTER