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Weißer Ring sieht Versorgungslücke bei Therapie von Kriminalitätsopfern

Dienstag, 6. März 2018

Mainz – Die Opferhilfeorganisation Weißer Ring hat eine „eklatante Versorgungslücke“ bei der psychotherapeutischen Behandlung von Kriminalitätsopfern beklagt. „Es gibt noch viel zu tun“, sagte die Bundesvorsitzende Roswitha Müller-Piepenkötter gestern beim 26. „Opferforum“ in Mainz. Die Organisation fordert neben einer Verkürzung der Wartezeit auf einen Therapieplatz auch den Ausbau eines speziellen Versorgungs­angebots bei psychischen Traumafolgen.

Bei der zweitägigen Fachtagung stand der Einfluss einer traumaspezifischen Psycho­therapie auf die Zeugenaussagen von Opfern im Mittelpunkt. Die Frage sei, ob sich Aussagen durch Einordnung und Verarbeitung in einer Therapie in der Erinnerung des Opfers so verändern, dass sie letztendlich vor Gericht nicht mehr zu verwenden seien, sagte Müller-Piepenkötter.

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Der Weiße Ring unterstützt neben der Verbesserung der rechtlichen und sozialen Situation von Kriminalitätsopfern auch die Kriminalitätsvorbeugung. Ihm gehören knapp 50.000 Mitglieder an. © dpa/aerzteblatt.de

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Sylroe
am Freitag, 23. März 2018, 21:43

hausgemachte, politisch gewollte Versorgungslücke

Ich begrüße die Forderung von Frau Müller-Piepenkötter als Bundesvorsitzende des Weissen Rings sehr, auch die Landesvorsitzende in Berlin, Frau Hartwig, wünschte sich eine bessere Versorgung. Als Psychologische Psychotherapeutin, seit 5 fünf Jahren approbiert und mit Traumazusatzausbildung würde ich sehr gerne dazu beitragen, diese Versorgungslücke zu verringern, doch wie viele meiner KollegInnen werde ich wohl noch lange auf eine Kassensitzzulassung trotz des eindeutigen Bedarfs warten müssen. Wege der Sonderbedarfszulassung wären m.E. möglich, wenn der politische Wille da wäre. Anträge werden gestellt, sehr lange geprüft, dann abgelehnt, das ist die Praxis in Berlin. Den Kriminalitätsopfern, den Flüchtlingstraumatisierten und auch Opfern aus suchtkranken Familien, die nicht selten komplex traumatisiert sind, werden somit dringend notwenige Hilfen vorenthalten. Ob sich die Restriktion hier auf lange Sicht auszahlt?
Sylvia Roew-Uslu, Psych. Psychoth.
Avatar #731002
CharlotteLeidenich
am Mittwoch, 7. März 2018, 10:55

Verkürzung der Therapieplatz-Wartezeit ist für alle zu fordern

Frau Müller-Piepenkötter ist zuzustimmen, wenn sie die Versorgungssituation von Kriminalitätsopfern bemängelt, eine Verkürzung der Wartezeit fordert und den Ausbau eines speziellen Versorgungs­angebotes bei psychischen Traumafolgen anstrebt. Diese von ihr kritisierte Versorgungslücke betrifft aber alle gleichermaßen. Sie ist noch immer eklatant schlecht.
Ihre Forderung sollte deshalb als grundsätzlicher Appell verstanden werden, denn Traumatisierungen erleiden nicht nur Opfer von Gewalttaten, weshalb nicht nur sie behandlungsbedürftige Traumafolgestörungen entwickeln. Es wäre im Hinblick auf die Betroffenen geradezu gefährlich, eine Unterscheidung treffen und individuelles Leiden gewichten zu wollen. Es gibt schließlich kaum Schlimmeres als einem nicht durch Gewalt Traumatisierten die Traumatisierung absprechen zu wollen.
LNS

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