NewsPolitikGesundheitskiosk in Hamburger Problembezirk wird gut angenommen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Gesundheitskiosk in Hamburger Problembezirk wird gut angenommen

Mittwoch, 7. März 2018

/dpa

Hamburg – Knapp ein halbes Jahr nach dem Start eines „Gesundheitskiosks“ in Hamburg haben die Initiatoren ein erstes positives Zwischenfazit gezogen. Bislang haben rund 1.000 Beratungsgespräche in acht Sprachen stattgefunden. Die Erstgespräche dauerten rund 45 bis 60 Minuten, die Folgegespräche eine halbe Stunde.

Der Kiosk soll Menschen in den Problembezirken Billstedt und Horn bei Gesundheits­förderung und Prävention unterstützen und damit auch die Ärzte entlasten, die wegen übervoller Praxen dafür zu wenig Zeit haben. In dem Kiosk stehen medizinisch geschulte Mitarbeiter bereit, die in verschiedenen Sprachen Patienten vor und nach Arztbesuchen beraten. Diese lernen, ihre Krankheiten und Therapieanweisungen zu verstehen, die Mitarbeiter erläutern Arztberichte und beantworten Fragen zum Abnehmen, zur Rauchentwöhnung, zur Pflege und anderen Themen.

Gesundheitskiosk: Beratung für mehr Gesundheitskompetenz

Hamburg – Der bundesweit erste „Gesundheitskiosk“ ist gestern für die Hamburger Stadtteile Billstedt und Horn eröffnet worden. Die Mitarbeiter der Beratungsstelle sollen künftig Bewohner und Patienten aus den sozial benachteiligten Vierteln über Gesundheitsfragen aufklären und ihnen den Zugang zum Gesundheitswesen erleichtern, wie die Initiatoren, das Ärztenetz Billstedt-Horn und (...)

Anzeige

Der Gesundheitskiosk ist eine Maßnahme eines größer angelegten Projekts: Die Gesundheitsversorgung in Billstedt und Horn soll neu organisiert, der medizinische und soziale Sektor vernetzt werden. Der Innovationsausschuss fördert das Projekt „Gesundheit für Billstedt/Horn“ mit 6,3 Millionen Euro. Es wurde 2016 vom NAV-Virchow-Bund gemeinsam mit der OptiMedis AG, dem Ärztenetz Billstedt-Horn und der SKH Stadtteilklinik Hamburg ins Leben gerufen. Auch die AOK Rheinland/Hamburg beteiligt sich daran. Mittlerweile arbeiten 18 Praxen, 42 Ärzte, acht Pflegeanbieter sowie drei Krankenkassen mit dem Kiosk zusammen, über 100 Gesundheitsangebote sind verfügbar.

„Wir haben Versorgungsprogramme zu Diabetes, Rücken, Herz und Pflege aufgelegt und eine Informationskampagne gestartet“, erläuterte Dirk Heinrich, Vorsitzender der Landesgruppe Hamburg beim NAV-Virchow-Bund.

Kritik an Budgetierung

In Billstedt und Horn wohnen überdurchschnittlich viele Sozialhilfeempfänger, Menschen mit niedrigen Schulabschlüssen, Migranten und Alleinerziehende. Heinrich praktiziert seit 1996 als HNO-Arzt in Hamburg-Horn. „Die Budgetierung im Gesundheits­wesen ist der Hauptgrund, warum die Menschen das Gefühl haben, es gebe eine Zweiklassenmedizin. Unsinnige Forderungen wie zwangsweise noch mehr Sprechstunden ändern nichts daran, dass wir zu wenig Ärzte und zu wenig Geld für die Behandlung der Menschen in Billstedt und Horn haben“, kritisiert er. „Wenn die politisch Verantwortlichen und Teile der Krankenkassen jahrzehntelang die falschen Akzente gesetzt haben, müssen wir vor Ort eben bessere Alternativen entwickeln“, erläuterte er die Motivation für das Projekt.

Die Idee zum Gesundheitskiosk sei den Ärzten vor Ort gekommen, weil sie allmählich mit der Situation in ihren Praxen überfordert seien, erklärte der niedergelassene Orthopäde Gerd Fass, Vorstandsvorsitzender des Arztenetzes Billstedt-Horn, beim Start des Projektes im vergangenen Herbst. Von den gut 100.000 Bewohnern der Stadtteile habe mehr als die Hälfte einen Migrations­hintergrund, die Deutschkenntnisse seien oft schlecht, die Arbeitslosigkeit hoch und chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Depressionen weit verbreitet. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

13. Juli 2018
Kiel – Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, erprobt in einem Forschungsprojekt, Patienten noch stärker in Entscheidungen über ihre Behandlungen einzubeziehen. Der
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein erprobt intensivere Patientenbeteiligung
9. Juli 2018
Münster – Der 11. Westfälische Ärztetag hat sich für eine Stärkung der Digitalkompetenz von Ärzten ausgesprochen. Dazu sollten digitale Informationen rund um Medizin und Gesundheit so aufbereitet und
Westfälischer Ärztetag: Digitalkompetenz für Ärzte stärken
2. Juli 2018
Wiesbaden – Mangelnde Einsicht in die Versorgungsabläufe im Krankenhaus und die dortige Arbeitsbelastung der Ärzte hat der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) den Ge­sund­heits­mi­nis­tern der Länder
Intensivere Patientenaufklärung kostet Zeit
29. Juni 2018
Kiel – Vor einer wachsenden Entfremdung zwischen Menschen und Staat hat Schleswig-Holsteins Bürgerbeauftragte für soziale Angelegenheiten gewarnt. Behörden würden von vielen zunehmend als „die da oben
Mehr Beschwerden über Krankenkassen in Schleswig-Holstein
29. Juni 2018
Berlin – Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) hat vier Kurzinformationen auf den neuesten Stand gebracht. Die Patientenmaterialien informieren über Behandlungsmöglichkeiten bei
Neue Kurzinformationen zu Prostatakrebs, Opioiden und klinischen Studien
21. Juni 2018
Düsseldorf – Eine Fortentwicklung der Patientenrechte und der transparenten Patienteninformation, der Barrierefreiheit im Gesundheitswesen sowie der Patientensicherheit fordert die
Patientenorientierung weiterentwickeln
12. Juni 2018
Berlin – Die Unabhängige Patientenberatung hat 2017 deutlich mehr Menschen rund um Fragen zum Gesundheitswesen beraten als im Vorjahr. Laut dem Bericht „Monitor Patientenberatung 2017“ haben 154.931

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER