Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Mehr Sterbehilfefälle in den Niederlanden

Mittwoch, 7. März 2018

Den Haag – In den Niederlanden ist die Zahl der Fälle von aktiver Sterbehilfe im vergangenen Jahr um acht Prozent auf 6.585 angestiegen. Das seien 4,4 Prozent aller Todesfälle in den Niederlanden, teilten die Regionalen Kontrollkommissionen für Sterbehilfe (RTE) heute in Den Haag mit.

Mehr als die Hälfte der Patienten war demnach älter als 70 Jahre. 90 Prozent der Menschen, die aktive Sterbehilfe erhielten, litten an Krebs oder Erkrankungen des Nervensystems wie Parkinson. In 83 Fällen war psychisches Leiden der Grund für die aktive Sterbehilfe.

In 166 Fällen bildete den Angaben zufolge der Beginn einer Demenz die Grundlage des Leidens. Das ist ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. In drei Fällen erhielten Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz im vergangenen Jahr aktive Sterbehilfe. Dabei habe der Kommission zufolge die schriftliche Einwilligungserklärung eine Rolle gespielt.

„Trotz der Zunahme der Fälle ist das Fazit, dass die Praxis der aktiven Sterbehilfe in den Niederlanden sehr vorsichtig ist“, sagte RTE-Sprecher Jacob Kohnstamm. In 99,8 Prozent der Fälle hätten sich die Ärzte gewissenhaft an das Gesetz gehalten.

2017 wurde erstmals eine strafrechtliche Untersuchung gegen eine Ärztin eingeleitet, weil sie einer Demenzpatientin erst heimlich ein Beruhigungsmittel in den Kaffee mischte und ihr dann aktive Sterbehilfe erteilte, obwohl sie sich körperlich dagegen wehrte. Die niederländische Justiz will in diesem Jahr darüber entscheiden.

Anfang Januar war die Ethikerin Berna van Baarsen aus dem Prüfungsausschuss für Sterbehilfefälle ausgetreten. Sie begründete ihren Schritt damit, den Umgang mit Demenzpatienten nicht mehr vertreten zu können.

In den Niederlanden ist aktive Sterbehilfe unter bestimmten Bedingungen seit 2002 erlaubt. Seitdem stieg die Anzahl der Fälle jährlich an. Mittlerweile fordern einige Politiker eine Ausweitung des Gesetzes, sodass auch Menschen, die ihr Leben als „vollendet“ ansehen, aktive Sterbehilfe erhalten können. © kna/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Staphylococcus rex
am Mittwoch, 7. März 2018, 23:43

Selbstbestimmung und Selbstverantwortung

sind zwei Seiten der selben Medaille. Wer selbstbestimmt über seinen Tod entscheiden möchte (was ich persönlich für legitim halte), der sollte auch die Verantwortung übernehmen und den entscheidenden Schritt selbst gehen. Deshalb finde ich den Begriff "aktive Sterbehilfe" unpassend. Die Beihilfe zum Suizid ist aus meiner Sicht vertretbar, die Tötung auf Verlangen dagegen nicht. Es geht dabei um das Risiko des Missbrauchs, aber auch darum, was mit dem Menschen geschieht, der einen anderen Menschen tötet.

Nachrichten zum Thema

8. Juni 2018
Zürich – Der Präsident der Aerztegesellschaft des Kantons Zürich, Josef Widler, wehrt sich gegen die Lockerung der ärztlichen Suizidbeihilfe in der Schweiz. Die neuen Richtlinien der Schweizerischen
Schweizer Mediziner: Sterbehilfe ist keine ärztliche Aufgabe
7. Juni 2018
Bern – Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) hat neue Richtlinien zur ärztlichen Suizidbeihilfe vorgelegt. Demnach muss ein Arzt selbst entscheiden, ob er einen Patienten
Neue Richtlinien zur ärztlichen Suizidbeihilfe in der Schweiz
7. Juni 2018
London – Das oberste Gericht Großbritanniens hat das Abtreibungsverbot in Nordirland für nicht menschenrechtskonform erklärt. Das geht aus einem Urteil des Supreme Courts in London von heute hervor.
Gericht: Abtreibungsverbot in Nordirland nicht menschenrechtskonform
6. Juni 2018
Amsterdam – Der Lebensmitteldiscounter Lidl verbannt in den Niederlanden Zigaretten aus seinen Läden. Man werde als erster niederländischer Supermarkt auf den Zigarettenverkauf verzichten, heißt es in
Lidl Niederlande verbannt Zigaretten aus seinen Läden
4. Juni 2018
Den Haag – Vier von zehn syrischen Flüchtlingen in den Niederlanden klagen über psychische Probleme. Das geht aus einer Untersuchung des niederländischen Ge­sund­heits­mi­nis­teriums hervor. Demnach sollen
Viele syrische Flüchtlinge in Niederlanden haben psychische Probleme
31. Mai 2018
Lissabon – Portugals Parlament hat knapp gegen eine Legalisierung von aktiver Sterbehilfe entschieden. Wie örtliche Medien gestern berichten, lehnten die Abgeordneten vorgestern mit 115 zu 110 Stimmen
Keine Legalisierung von Sterbehilfe in Portugal
17. Mai 2018
Berlin – Seit dem 2. März 2017 sind beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) 104 Anträge auf Erlaubnis zum Erwerb eines Betäubungsmittels zur Selbsttötung gestellt worden.

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige