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Medizin

Einmaliges PSA-Screening in England ohne Einfluss auf Sterberisisko

Mittwoch, 7. März 2018

/dpa

Bristol – Ein einmaliger PSA-Test hat in der weltweit größten Studie zur Früh­erkennung des Prostatakarzinoms zwar die Zahl der Krebsdiagnosen erhöht, nach den jetzt im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 319: 883–895) vorgestellten Ergebnissen die Sterblichkeit der Patienten in den ersten 10 Jahren jedoch nicht gesenkt.

Der Cluster Randomized Trial of PSA Testing for Prostate Cancer (CAP) hat in einer zufällig ausgewählten Gruppe von Arztpraxen in England und Wales 189.386 Männern im Alter von 50 bis 69 Jahren einen einmaligen PSA-Test angeboten, der ein von Krebszellen, aber häufig auch von gesunden Zellen ins Blut freigesetztes prostata­spezifisches Antigen (PSA) nachweist. Die Vergleichsgruppe bildeten 219.439 Männer aus Hausarztpraxen, die keine „PSA-Clinic“ eingerichtet hatten. 

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Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 10 Jahren sind 549 Männer aus der PSA-Gruppe an Prostatakrebs gestorben. Dies ergibt eine krankheitsspezifische Sterberate von 0,30 pro 1.000 Personenjahre. In der Kontrollgruppe starben 647 Männer am Prostatakarzinom. Die krankheitsspezifische Sterberate betrug hier 0,31 pro 1.000 Personenjahre, ein nahezu identischer Wert, der die Berechnung der Rate Ratio (0,96; 95-%-Konfidenzintervall von 0,85 bis 1,08) eigentlich überflüssig gemacht hätte. 

Wie Richard Martin von der Universität Bristol und Mitarbeiter berichten, wurde in der PSA-Gruppe in den ersten 10 Jahren bei 8.054 Teilnehmern (4,3 %) ein Prostata­karzinom diagnostiziert, das bei 3.263 Teilnehmern (1,7 %) einen Gleason-Score von 6 oder weniger hatte, was bei einer frühzeitigen Operation gute Heilungschancen verheißt. In der Kontrollgruppe wurde in den 10 Jahren bei 7.853 Männern (3,6 %) ein Prostatakarzinom diagnostiziert, darunter 2.440 Malignome (1,1 %) mit einem günstigen Gleason-Score von 6 oder weniger.

Obwohl Martin rät, weitere Langzeitergebnisse abzuwarten, dürfte damit die Einführung eines PSA-Screenings im National Health Service gescheitert sein. 

Die Ergebnisse der CAP-Studie dürften indes niemanden überraschen, da bereits die US-amerikanische PLCO-Studie (mit 77.000 Teilnehmern) und die europäische ERSPC-Studie (mit 162.000 Teilnehmern) den Nutzen des PSA-Screenings nicht belegen konnten. In diesen Studien hatten die Teilnehmer an mehreren Tests teilgenommen. 

Andererseits ist die CAP-Studie nicht ohne Schwächen. Es beginnt damit, dass nur ein Drittel der Teilnehmer, denen in der PSA-Gruppe ein Test angeboten wurde, diesen auch durchführen ließen. Hinzu kommt, dass von den Teilnehmern mit einem positiven PSA-Testergebnis nicht alle operiert wurden. Die Teilnehmer wurden im Rahmen der ProtecT-Studie vielmehr zu je einem Drittel einer radikalen Prostatektomie, einer Radiotherapie und einer aktiven Surveillance zugeordnet.

Damit dürfte nur eine Minderheit der CAP-Teilnehmer mit positivem PSA-Test eine sofortige Behandlung mit kurativer Absicht erhalten haben. Ein weiter Faktor, der die Ergebnisse verwässert haben könnte, ist ein Anteil von 10 bis 15 % der Teilnehmer aus der Kontrollgruppe, die entgegen der Randomisierung im weiteren Verlauf einen (oder mehrere PSA-Tests) haben durchführen lassen.

Die Studie hat keinen Vergleich zur Sterblichkeit bei den Männern durchgeführt, bei denen nach einem positiven PSA eine kurative Therapie durchgeführt wurde. Die Zahl der Todesfälle war jedoch sehr gering. Von den 549 Männern, die am Prostatakarzinom gestorben sind, entfallen nur 129 Männer auf die PSA-Gruppe. Von diesen hatten 42 keinen Test hatten durchführen lassen, 15 hatten trotz eines positiven PSA-Tests auf eine Biopsie verzichtet und bei weiteren 68 Teilnehmern hatte der PSA-Wert unter 3,0 ng/ml gelegen. © rme/aerzteblatt.de

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