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Politik

KBV und Krankenkassen rufen zu bewusstem Antibiotikaeinsatz auf

Donnerstag, 8. März 2018

/Tobias Arhelger, stock.adobe.com

Berlin – Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Verband der Ersatzkassen (vdek) haben Ärzte und Patienten zu einem bewussteren Einsatz von Antibiotika aufgerufen. „Jede unnötige Einnahme erhöht das Risiko, dass Bakterien gegen die hochwirksamen Medikamente resistent werden und schwerwiegende Krankheiten nicht mehr behandelt werden können“, hieß es heute von KBV und Kassen.

„Vor allem bei akuten Atemwegsinfekten mit Halsschmerzen, Husten, Schnupfen oder Bronchitis helfen Antibiotika in der Regel nicht. Denn diese werden sehr häufig von Viren verursacht – und gegen diese sind Antibiotika wirkungslos“, sagte KBV-Sprecher Roland Stahl heute.

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Häufige Fragen

Die wichtigsten Fragen rund um das Thema Antibiotika und Antibiotika-Resistenzen beantwortet ein Antwortkatalog von vdek und KBV.

vdek und KBV wiesen in diesem Zusammenhang auf ihr gemeinsames Projekt RESIST hin, das in acht KV-Bezirken durchgeführt wird (Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein, Saarland und Westfalen-Lippe). RESIST steht für „Resistenzvermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz“. Ziel des Projekts ist es, unnötige Antibiotikaverordnungen zu vermeiden und auf einen bewussteren Einsatz von Antibiotika hinzuwirken.

Seit Mitte 2017 können sich Ersatzkassen-Versicherte bei Verdacht auf einen akuten Atemwegsinfekt in den acht KV-Bezirken im Rahmen von RESIST durch rund 2.500 Haus-, Kinder-, HNO-Ärzte oder einen Facharzt für Innere Medizin speziell beraten lassen. Das Projekt wird vom Innovationsfonds der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung gefördert.

Im Vorfeld des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) empfahl Mathias Pletz gestern in Berlin den Procalcitonin-Test bei Verdacht auf eine bakterielle Lungenentzündung. Es gebe zwar keinen eindeutigen Biomarker für die Pneumonie, aber Procalcitonin könne helfen, virale von bakteriellen Infektionen zu unterscheiden.

„Studien zeigen, dass die Verordnung von Antibiotika nach Procalcitoninwert bei ambulant erworbenen Atemwegsinfektionen 40 bis 60 Prozent Antibiotikaverbrauch einsparen kann, ohne die Patienten zu gefährden“, betonte der Direktor des Zentrums für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene, Universitätsklinikum Jena. Hier fehle es aber noch an geeigneten Tests, die der Hausarzt vor Ort in seiner Praxis durchführen könne. Diese Tests sollten als Point-of-care-Tests entwickelt werden, damit sie auch in der Praxis zur Verfügung stünden. Bisherige Untersuchungen könnten von Laborärzten abgerechnet werden, ergänzte DGP-Kongresspräsident Peter Kardos.

CRP-Test zulasten der GKV einsetzbar

Studien haben darüber hinaus bereits gezeigt, dass Schnelltests auf das C-reaktive Protein (CRP) den Antibiotikaverbrauch mindern können. Wie die KBV auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes (DÄ) mitteilte, können diese Tests von niedergelassenen Vertragsärzten zu Lasten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) eingesetzt werden.

„Die Messung des C-reaktiven Proteins ist im Einheitlichen Bewertungsmaßstab sowohl als qualitative und semiquantitative Untersuchung nach der Gebührenordnungs­position 32128 wie auch als quantitative Untersuchung nach der Gebührenordnungs­position 32460 enthalten“, hieß es von der Körperschaft.

Der KBV zufolge werden bereits jährlich rund 30 Millionen CRP-Tests abgerechnet. Wie viele davon allerdings bei einem Verdacht auf eine Atemwegsinfektion eingesetzt worden sind, ist völlig unklar. Dazu gibt es keine Zahlen. Zuletzt hatte die KBV erklärt, dass von rund 40 Millionen Antibiotikaverordnungen jährlich rund ein Drittel unnötig verordnet wurden.

Die AOK Sachsen-Anhalt und die IKK gesund plus kündigten heute an, die Verwendung des CRP-Schnelltest ab sofort im Rahmen des AOK-Hausarzt-/Kinderarztvertrages zusätzlich zu vergüten.

© may/gie/aerzteblatt.de

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