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Medizin

Island will Hepatitis C ausrotten

Donnerstag, 8. März 2018

/jarun011, stock.adobe.com

Reykjavik – Die isländischen Gesundheitsbehörden haben begonnen, allen Einwohnern des Landes, die mit Hepatitis C infiziert sind, eine kostenlose Behandlung mit direkt antiviral wirksamen Medikamenten (DAA) anzubieten. Nach einer Studie im Journal of Internal Medicine (2018; doi: 10.1111/joim.12740) wurde möglicherweise bereits die Hälfte aller Infizierten behandelt. Die Behandlungsergebnisse entsprechen den Erwartungen.

Von den etwa 340.000 Einwohnern Islands sind schätzungsweise 1.100 mit Hepatitis C infiziert. Die genaue Zahl ist nicht bekannt, da die Erkrankung über Jahrzehnte asymptomatisch verläuft und nur durch einen Bluttest festgestellt werden kann. Ein Screening aller Einwohner gibt es nicht. Das Team um Magnus Gottfredsson von der Universität in Reykjavik hat jedoch genaue Vorstellungen, wo die Infizierten zu suchen sind.

Dies sind zum einen Isländer mit intravenösem Drogenkonsum und zum anderen Gefängnisinsassen. Aus diesen beiden Gruppen wurden in der Vergangenheit die meisten Infektionen diagnostiziert. Die Hepatitis C ist in Island meldepflichtig. Die Infizierten sind bekannt und leicht kontaktierbar. Dies gilt auch für die intravenösen Drogenkonsumenten, für die es eine einzige Anlaufstelle in einer Klinik in Reykjavik gibt. Dort werden auch die Behandlungen der Opiatabhängigen mit Buprenor­phin/Naloxon durchgeführt. 

Die Aussichten, mit den Infizierten ins Gespräch zu kommen, sind also gut. Die Zielgruppe wird nicht nur über die Konsequenzen der Erkrankung informiert. Die Behörden sind auch bereit, die Fahrtkosten zu den Behandlungszentren zu finanzieren. Wenn nötig, werden auch Präpaid-Karten verteilt, um den Kontakt etwa zu Obdachlosen aufrecht zu halten.

Diese administrativen Kosten trägt der isländische Staat. Die Medikamente werden im Rahmen der Studie kostenlos von dem Hersteller Gilead zur Verfügung gestellt. Bislang wurden 526 Patienten behandelt, die ersten noch mit der Kombination aus Ledipasvir plus Sofosbuvir. Inzwischen wird die Kombination aus Sofosbuvir plus Velpatasvir bevorzugt.

Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei 42 Jahren, und zum Zeitpunkt der Erstuntersuchung gaben 37 Prozent der Patienten an, in den letzten 6 Monaten intravenös Drogen konsumiert zu haben. Die Erfolgsrate der Therapie ist laut Gottfredsson auch in den Risikogruppen hoch: Von den Obdachlosen erreichten 74 % ein dauerhaftes virologisches Ansprechen (SVR), bei den intravenösen Drogen­konsumenten waren es 87 %. Die Heilungsrate war damit zwar niedriger als in der klinischen Studie, wo die SVR-Rate bei 95 % liegt. Gottfredsson ist jedoch optimistisch, dass die Zahl der Hepatitis-C-Infizierten in den nächsten Jahren deutlich gesenkt werden kann. 

Ganz ausrotten lässt sich die Erkrankung jedoch nicht. Dies liegt weniger an den Gefängnisinsassen und Drogenkonsumenten, die eine nach außen relativ gut abgegrenzte Gruppe sind. Eine weiteren Risikogruppe hat dagegen häufige Kontakte zum Ausland. Das sind in erster Linie Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) – häufig ungeschützt. Sexualkontakte sind ein wichtiger Übertragungsweg der Hepatitis C, und da in Island der Tourismus in den letzten Jahren stark zugenommen hat, werden sich doch vermutlich auch in Zukunft Menschen neu mit Hepatitis C infizieren. © rme/aerzteblatt.de

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