Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Unterversorgung in der Schmerzmedizin macht Nutzung innovativer Technologien besonders dringlich

Freitag, 9. März 2018

Frankfurt am Main – Auf die besondere Bedeutung einer engen Vernetzung von Schmerzthera­peuten hat die Deutsche Gesellschaft für Schmerz- und Palliativmedizin (DGS) hingewiesen. Die Situation, in der sich Patienten mit chronischen Schmerzen mangels eines umfassend weitergebildeten Facharztes für Schmerzmedizin befänden, erfordere bei der Diagnostik und in der Therapie intensive Kooperation, Kommuni­kation und Vernetzung, sagte der DGS-Präsident Gerhard Müller-Schwefe gestern auf dem 29. Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt. 

Nach wie vor stehen der hohen Zahl an Schmerzpatienten laut DGS nur etwas mehr als 1.000 spezielle Schmerztherapeuten gegenüber, von denen weniger als die Hälfte überwiegend Schmerzpatienten behandelten. Die Fachgesellschaft spricht von einer „grotesk unzureichenden Versorgungslage“, die sich in einer alternden Gesellschaft noch weiter verschlechtern werde. „Wie soll eine Lösung dieses gigantischen Problems aussehen, wenn die Versorgung schon jetzt defizitär ist und kein ausreichender Nachwuchs in Sicht ist?“, fragte der DGS-Präsident.

Zwei Ansatzpunkte

Die Fachgesellschaft nennt zwei Ansätze. „Die gegenwärtigen Arbeits- und Vergütungs­strukturen in der Schmerzmedizin müssen dringend attraktiver gestaltet werden“, erläuterte der DGS-Vizepräsident Oliver Emrich. Nur so bestehe die Chance, junge Mediziner für die Schmerzmedizin zu begeistern. Eine finanzielle Unterstützung der Weiterbildungsassistenten entsprechend der Förderung für Allgemeinmediziner könnte laut Emrich einen entscheidenden Beitrag leisten. „Bisher ruhen die finanziellen Lasten der Weiterbildung zur speziellen Schmerztherapie im ambulanten Bereich ausschließ­lich auf den weiterbildenden Kollegen“, kritisierte der DGS-Vize. 

Die Zukunft der Schmerzmedizin liege aber nicht nur in der Verbesserung der Aus­bildung von Ärzten und der Sicherstellung der Versorgung in der Breite, sondern auch in der intelligenten Nutzung von Innovationen im Versorgungsalltag. Wichtige Themen seien dabei Social-Media- und andere Smartphone-Anwendungen. Universell nutzbare elektronische Dokumentationsplattformen bauten Kommunikationsbarrieren und Wissenslücken ab und brächten damit alle an der Versorgung Beteiligten auf den gleichen Kenntnisstand, hieß es aus der DGS.

Michael Überall, ebenfalls DGS-Vizepräsident und Präsident der Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga (DSL), wies in diesem Zusammenhang auf die Patienten­plattform mein-Schmerz.de hin. Im Dezember 2017 nutzten rund 3.500 Betroffene das Dokumentationstool zur Evaluation ihrer Schmerzen. „Damit haben wir eine ausreichende Grundlage geschaffen, um effiziente Versorgungsforschung zu betreiben“, berichtete Überall. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

16. Mai 2018
Berlin – Schmerz stellt ein häufiges Problem in der älteren Bevölkerung dar. Sein Anteil werde bei in Einrichtungen der stationären Altenhilfe wohnenden Personen international mit bis zu 80 Prozent
Leitlinie soll Schmerzerfassung von Altenheim-Bewohnern verbessern
15. Mai 2018
Um Schmerzen zu lindern, erhalten Patienten im Krankenhaus Opioidarzneimittel als intravenöse Injektion, oral oder subkutan. /Opioid Victor Moussa, stock.adobe.com New Haven – Mit einem neuen Standard
Alternativen zur intravenösen Opioidgabe könnten deren Verbrauch in den USA senken
15. Mai 2018
Stuttgart – Mehr gesamtgesellschaftliche Anstrengungen gegen die „Volkskrankheit chronischer Schmerz“ fordert die Deutsche Schmerzgesellschaft. Sie regt daher – schon seit Längerem – einen Aktionsplan
Fachgesellschaft stellt Forschungsagenda für Schmerzmedizin vor
29. April 2018
Pittsburgh – Die freizügige Verordnung von Opioiden durch US-Zahnärzte war nicht nur gefährlich, weil sie die derzeitige Opioid-Epidemie gefördert hat. Sie war auch unnötig, da nicht-steroidale
Zahnschmerzen: NSAID und Paracetamol wirksamer als Opioide
27. April 2018
Berlin – Neue Hinweise auf Schmerzmittel-Packungen sollen nach Plänen von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn stärker vor einer zu langen Einnahme warnen. Der CDU-Politiker sagte dem Focus, er wolle
Neue Hinweise sollen vor zu langer Schmerzmitteleinnahme warnen
19. April 2018
Berlin – Mit der extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESWT) steht Patienten mit Fersenschmerz bei plantarer Fasciitis zukünftig eine weitere ambulante Behandlungsoption zur Verfügung. Das hat der
Fersenschmerz: Extrakorporale Stoßwellentherapie zukünftig ambulant einsetzbar
18. April 2018
Brüssel – Eine ausführliche Schulung, die Patienten mit chronischen Rücken- und Nackenschmerzen die neurologischen Grundlagen ihrer Erkrankung erläutert, hat zusammen mit einem kognitiven Training in

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige