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Politik

Unterversorgung in der Schmerzmedizin macht Nutzung innovativer Technologien besonders dringlich

Freitag, 9. März 2018

Frankfurt am Main – Auf die besondere Bedeutung einer engen Vernetzung von Schmerzthera­peuten hat die Deutsche Gesellschaft für Schmerz- und Palliativmedizin (DGS) hingewiesen. Die Situation, in der sich Patienten mit chronischen Schmerzen mangels eines umfassend weitergebildeten Facharztes für Schmerzmedizin befänden, erfordere bei der Diagnostik und in der Therapie intensive Kooperation, Kommuni­kation und Vernetzung, sagte der DGS-Präsident Gerhard Müller-Schwefe gestern auf dem 29. Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt. 

Nach wie vor stehen der hohen Zahl an Schmerzpatienten laut DGS nur etwas mehr als 1.000 spezielle Schmerztherapeuten gegenüber, von denen weniger als die Hälfte überwiegend Schmerzpatienten behandelten. Die Fachgesellschaft spricht von einer „grotesk unzureichenden Versorgungslage“, die sich in einer alternden Gesellschaft noch weiter verschlechtern werde. „Wie soll eine Lösung dieses gigantischen Problems aussehen, wenn die Versorgung schon jetzt defizitär ist und kein ausreichender Nachwuchs in Sicht ist?“, fragte der DGS-Präsident.

Zwei Ansatzpunkte

Die Fachgesellschaft nennt zwei Ansätze. „Die gegenwärtigen Arbeits- und Vergütungs­strukturen in der Schmerzmedizin müssen dringend attraktiver gestaltet werden“, erläuterte der DGS-Vizepräsident Oliver Emrich. Nur so bestehe die Chance, junge Mediziner für die Schmerzmedizin zu begeistern. Eine finanzielle Unterstützung der Weiterbildungsassistenten entsprechend der Förderung für Allgemeinmediziner könnte laut Emrich einen entscheidenden Beitrag leisten. „Bisher ruhen die finanziellen Lasten der Weiterbildung zur speziellen Schmerztherapie im ambulanten Bereich ausschließ­lich auf den weiterbildenden Kollegen“, kritisierte der DGS-Vize. 

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Die Zukunft der Schmerzmedizin liege aber nicht nur in der Verbesserung der Aus­bildung von Ärzten und der Sicherstellung der Versorgung in der Breite, sondern auch in der intelligenten Nutzung von Innovationen im Versorgungsalltag. Wichtige Themen seien dabei Social-Media- und andere Smartphone-Anwendungen. Universell nutzbare elektronische Dokumentationsplattformen bauten Kommunikationsbarrieren und Wissenslücken ab und brächten damit alle an der Versorgung Beteiligten auf den gleichen Kenntnisstand, hieß es aus der DGS.

Michael Überall, ebenfalls DGS-Vizepräsident und Präsident der Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga (DSL), wies in diesem Zusammenhang auf die Patienten­plattform mein-Schmerz.de hin. Im Dezember 2017 nutzten rund 3.500 Betroffene das Dokumentationstool zur Evaluation ihrer Schmerzen. „Damit haben wir eine ausreichende Grundlage geschaffen, um effiziente Versorgungsforschung zu betreiben“, berichtete Überall. © hil/aerzteblatt.de

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