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Herzstiftung warnt vor „Alibi-Nährwert­ampel“

Donnerstag, 8. März 2018

/dpa

Frankfurt – Vor einer „Alibi-Nährwert-Ampel“ warnt die Deutsche Herzstiftung und fordert eine Kennzeichnung von Lebensmitteln, die die Verbraucher bei ihrer Kaufentscheidung ausgewogen informiert. In Deutschland sind laut der Stiftung rund 15 Prozent aller Drei- bis 17-Jährigen übergewichtig, jeder Zweite bis Dritte davon ist adipös. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind dies umgerechnet fast zwei Millionen Kinder und Jugendliche.

„Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass besonders junge und ältere Menschen beim Einkauf von Lebensmitteln schnell und unkompliziert gesunde Nahrungsmittel von Zuckerbomben sowie fett- und salzhaltigen Dickmachern unterscheiden können“, erläuterte Helmut Gohlke vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung. Allzu oft bewürben Lebensmittelhersteller ungesunde Produkte irreführend als „ausgewogene“ Mahlzeit oder „gesunden Durstlöscher“.

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Transfette aufnehmen

Die künftige Bundesregierung beabsichtigt laut dem Koalitionsvertrag, „Transparenz und Information für Verbraucher durch eine verständliche und vergleichbare Lebensmittelkennzeichnung“ zu gewährleisten. Die Herzstiftung begrüßt diese Absicht. „Entscheidend ist aber, ob die künftige Regierung eine Nährwertampel einführt, die den Menschen auch nützt. Die Ampelfarben müssen auf der Verpackungsvorderseite auch bei Sehschwäche gut sichtbar Gehalte an Zucker, Fett, gesättigten Fetten sowie Salz einheitlich, also pro 100 Gramm und pro 100 Milliliter, anzeigen“, so Gohlke.

Zusätzlich fordert die Herzstiftung, schädliche Transfette in die Nährwertampel aufzunehmen. Bei der künftigen Kennzeichnung sollten laut der Herzstiftung ganz klar die Gesundheitsinteressen der Verbraucher im Vordergrund stehen.

Die Stiftung warnt davor, das von der Industrie verwendete GDA-System (GDA = Guideline Daily Amount – Richtlinie für den täglichen Bedarf) für die Kennzeichnung zu verwenden. Dieses System zeigt Nährstoffgehalte in Portionsgrößen an, die die Hersteller selbst festlegen können, zum Beispiel unrealistisch kleine Portionen wie ein Drittel einer Pizza oder ein Keks. Durch die angegebene Kleinstmenge erscheine der Fett-, Zucker- oder Salzgehalt gering im Gegensatz zur tatsächlich konsumierten Menge. Die von der Herzstiftung geforderte Nährwertampel orientiert sich an der Ampelkennzeichnung nach dem ursprünglichen Muster der britischen Food-Standards-Agency.

„Mithilfe der Ampelfarben Rot (hoher Gehalt), Gelb (mittlerer Gehalt), Grün (geringer Gehalt) auf der Vorderseite von Lebensmittel­verpackungen sehen Verbraucher verständlich auf den ersten Blick den genauen Gehalt der wichtigsten Nährwerte eines Produkts (Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker, Salz) pro 100 Gramm, bei Getränken pro 100 Milliliter“, erläuterte die Herzstiftung.

Sie kritisiert, dass der Koalitionsvertrag „den entscheidenden Punkt: sofort erkennbare Gehaltsangaben und somit die Vergleich­barkeit mit anderen Produkten“ offen halte. „Die Nährwertampel kann helfen, Zuckerbomben und Dickmacher in Fertigprodukten zu entlarven und dadurch wichtige Risikokrankheiten für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit einheitlichen Nährwertangaben zu verhindern. Das geht nur, wenn die Angaben dem einheitlichen Grundwert ,pro 100 Gramm‘ und ,pro 100 Milliliter‘ folgen“, stellt die Herzstiftung klar. © hil/aerzteblatt.de

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