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Medizin

Smartphone misst Blutdruck am Finger

Freitag, 9. März 2018

/Alexander Bespaly, stockadobecom

East Lansing/Michigan – Ein kleines Zusatzgerät könnte es Besitzern von Smartphones in Zukunft ermöglichen, den Blutdruck durch einfaches Pressen ihres Zeigefingers auf einen Sensor zu bestimmen. Das in Science Translational Medicine (2018; 10: eaap8674) vorgestellte Gerät hat in ersten Tests zuverlässige Blutdruckwerte angezeigt.

Bei der konventionellen Blutdruckmessung wird eine Arterie an Arm oder Handgelenk durch eine Manschette komprimiert („Aktor“). Beim Ablassen der Luft misst ein Oszillometer die Schwingungen im Blutfluss (Sensor). Bei dem Blutdruckmessgerät, das ein Team um Ramakrishna Mukkamala von der Michigan State University in East Lansing vorstellt, übernimmt das Endglied des Zeigefingers die Rolle des Aktors. 

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Die Fingerbeere wird für die Messung auf einen Druckmesser gelegt. Er befindet sich in einem Zusatzgerät hinter dem Smartphone. Bei der Messung muss der Druck langsam erhöht werden. Wie stark, wird jeweils auf dem Bildschirm auf einer Druck-Zeit-Kurve angezeigt. Durch den Druck auf die Fingerbeere wird eine Anastomose (transverse palmare Bogenarterie) zwischen den beiden seitlich am Finger verlaufenden Arterien (Art. digitales palmares propriae) komprimiert. Dadurch kommt es zu Oszillationen im Blutfluss. Sie werden mit einem Photoplethysmographen (PPG) aufgezeichnet, der bei der Messung die Rolle des Sensors übernimmt. Das Prinzip ist Ärzten von der Pulsoxymetrie bekannt: Dort wird anhand der veränderten Lichtabsorption die Sauerstoffsättigung bestimmt. Bei dem Blutdruckmessgerät werden die Daten genutzt, um die beiden Blutdruckwerte zu ermitteln.

Die Messung ist nicht ganz einfach. Die Probanden müssen das Gerät exakt in Höhe des Herzens halten (was auch bei der konventionellen sphygmomanometrischen Blutdruckmessung erforderlich ist). Um zu korrekten Werten zu kommen, muss die Fingerbeere punktgenau auf Drucksensor und PPG gelegt werden. Die Druckerhöhung muss langsam und (vergleichbar mit der Sphygmomanometrie) mit konstanter Geschwindigkeit erfolgen.

Wenn alles richtig gemacht wird, zeigt das Gerät in weniger als 1 Minute ein Ergebnis an. Die 30 Probanden haben laut Mukkamala das Prinzip schnell verstanden. Die Genauigkeit ließ zwar noch etwas zu wünschen übrig. Die Abweichungen in der Präzision betrugen 8,8 mmHg systolisch und 7,7 mmHg diastolisch. Das dürfte aus medizinischer Sicht zu viel sein. Die Hersteller von Gadgets für Smartphones dürften sich jedoch nicht daran stören. Ob und wann ein solches Gerät auf dem Markt kommt, ist nicht abzusehen. © rme/aerzteblatt.de

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