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Medizin

Hirnstimulation verbessert Impulskontrolle bei Parkinson

Montag, 12. März 2018

/pixdesign123, stock.adobe.com

Marburg – Parkinsonkranke zeigen eine bessere Impulskontrolle etwa in Bezug auf Spielsucht, Hypersexualität oder Fressattacken, wenn die Therapie eine Hirnsti­mulation umfasst und nicht nur rein medikamentös ist. Das berichtet ein deutsch-französisches Konsortium, an der auch ein Team der Philipps-Universität in Marburg beteiligt ist, in der Fachzeitschrift Lancet Neurology (2018; doi: 10.1016/S1474-4422(18)30035-8). 

Typische Auswirkungen der Parkinsonkrankheit wie Zittern, verlangsamte Bewegung oder Muskelsteifigkeit beruhen auf einer veränderten Aktivität der Nervenzellen in tiefliegenden Regionen des Gehirns. „Durch moderne Medikamente sind die Symptome gut zu behandeln“, erläuterte der Direktor der Klinik für Neurologie am Standort Marburg des Universitätsklinikums Gießen und Marburg, Lars Timmermann. Er gehört auch dem Steuerungskomitee für die EARLYSTIM-Studie an. Die Arzneimittel bewirkten indes oftmals schwerwiegende Verhaltensstörungen, gerade bei jungen Patienten: Der Neurologe nennt Spielsucht, zu viel Lust auf Sex, Fressattacken und krankhaften Kaufrausch als Beispiele.

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Behandlung an tiefen Hirnkernen

Bei einer tiefen Hirnstimulation setzt die Behandlung direkt an tiefen Hirnkernen an. Ein solcher Hirnschrittmacher erlaubt es, die Medikamentengabe erheblich zu redu­zieren. „Wir wollten herausfinden, ob die tiefe Hirnstimulation auch Verhaltens­störungen verringert“, erläutert die Co-Autorin Carmen Schade-Brittinger. Die EARLYSTIM-Studie schließt 251 Patienten ein, die über einen Zeitraum von 2 Jahren beobachtet wurden. Die Teilnehmer waren im Schnitt knapp 8 Jahre lang an Parkinson erkrankt.

Schon vor 5 Jahren berichtete das Team der EARLYSTIM-Studie, dass sich die Lebens­qualität von Parkinsonpatienten verbessert, wenn sie zusätzlich zu Medikamenten frühzeitig Hirnstimulationen erhielten. Die Forschungsgruppe nahm sich die Daten nun erneut vor. Um die Verhaltensänderungen der Patienten zu messen, griff sie auf einen neu entwickelten psychiatrischen Bewertungsmaßstab zurück, den „Ardouin Scale of Behavior in Parkinson’s Disease“.

Laut der Auswertung verringerten sich die Verhaltensauffälligkeiten der Patienten, ohne dass diese vermehrt gegengerichtetes Verhalten zeigten, etwa Apathie, Depression oder Ängstlichkeit.

„Unsere Befunde erlauben einen Kurswechsel in der Behandlung“, schlussfolgert Timmermann. Während bislang jede Form von Verhaltensstörung als Hindernis für chirurgische Eingriffe gegolten habe, sollte ein Kontrollverlust eher dazu führen, Parkinsonpatienten eine Tiefenstimulation angedeihen zu lassen. © hil/aerzteblatt.de

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