NewsMedizinWissenschaftler streiten über Stellenwert der Akupunktur
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Wissenschaftler streiten über Stellenwert der Akupunktur

Montag, 12. März 2018

/Max Tactic, stockadobecom

London – Sollten Ärzte Akupunktur als Schmerztherapie verordnen? Diese Frage hat sich das British Medical Journal gestellt und dazu kontroverse Meinungen eingeholt. Es streiten Mike Cummings, Medical Director der British Medical Acupuncture Society, und Asbjørn Hróbjartsson von der Universität von Süddänemark und Edzard Ernst von der Universität von Exeter.

„Akupunktur ist eine sichere Alternative zu Medikamenten gegen chronische Schmerzen“, argumentiert Cummings, Associate Editor der Zeitschrift Acupuncture in Medicine. In den USA werde Akupunktur bei Rückenschmerzen empfohlen, aber in Großbritannien sei sie nicht mehr in den Richtlinien des National Institute for Health and Care Excellence (NICE) für Kreuzschmerzen enthalten, obwohl sie in der NICE-Richtlinie für Kopfschmerzen enthalten sei, berichtet er.

Anzeige

Cummings weist darauf hin, dass Akupunktur mehr Personal- und Infrastrukturkosten verursache als arzneimittelbasierte Interventionen und in einer Ära der Budgetre­striktion das Kürzen von Dienstleistungen eine beliebte kurzfristige Lösung sei. Eine weitere Herausforderung sei das fehlende Interesse des Handelssektors an Akupunktur, das Verfahren profitiere also nicht von der Lobbyarbeit für patentierte Medikamente und Geräte.

Zusammenfassend betont er, die Akupunktur sei eine relativ sichere und mäßig wirksame Intervention bei einer Vielzahl von häufigen chronischen Schmerzzuständen. Für die Patienten, die sie wählten und die gut darauf ansprächen, verbessere sie die gesundheitsbezogene Lebensqualität erheblich und habe dabei ein wesentlich geringeres Langzeitrisiko als verschiedene Medikamente. „Es kann besonders nützlich sein für chronische Muskel-Skelett-Schmerzen und Osteoarthritis bei älteren Patienten, die ein besonders hohes Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen haben“, schließt er.

Hróbjartsson und Ernst argumentieren hingegen, dass Ärzte die Akupunktur bei Schmerzen nicht empfehlen sollten, „weil es keine ausreichenden Beweise dafür gibt, dass sie klinisch sinnvoll ist“. Übersichten über klinische Schmerzstudien, die Akupunktur mit Placebo verglichen, fänden einen kleinen, klinisch irrelevanten Effekt, der „eher auf Voreingenommenheit als auf Akupunktur zurückzuführen ist“, schreiben sie. „Gesundheitsdienste, die von Steuerzahlern finanziert werden, sollten ihre begrenzten Mittel für Maßnahmen einsetzen, die sich als wirksam erwiesen haben“, fordern sie. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #552252
Böhringer
am Freitag, 16. März 2018, 15:55

Akupunktur schwächt autonome Copingstrategien der Patienten

Besser wäre es, den Hilfesuchenden autosuggestive Imginationstherapien zur Schmerzbewältigung anzubieten. Denn "Einbildung" wirkt so, dass ich für mich beim Zahnarzt auf Anästhesie durch Spritzen bei kleineren Eingriffen verzichte, bei größeren hilft auch keine Akupuntur, etc..
Avatar #93082
Narkoleptiker
am Dienstag, 13. März 2018, 21:06

Glaube + Umstände = Wirkung?

Vermutlich muß man an die Wirkung nur ganz fest glauben.

Ich habe mal einen Arzt erlebt, der packte mich in seinem engen Labor auf eine Liege, 4 Rotlichtlampen drüber, unter mir ein Kühlschrank neben mir ein Spülbecken und machte die Akupunktur. Das konnte nicht wirken...

Allerdings hätte er sich meine Röntgenbilder besser ansehen sollen, dann hätte er gewußt, dass die Ursache eine Hyperkyphose und nicht die Psyche war, welche mir die Schmerzen verursachten. Mittlerweile wurde die Psyche mit 16 Schrauben in der BWS und einem Stabsystem therapiert.
Avatar #705995
Hermione
am Dienstag, 13. März 2018, 09:52

Vielleicht doch nicht ganz so klar?

Auch wenn die bisherigen Studien keine allzu großen Effekte der Akupunktur zeigten - was im Übrigen für erstaunlich viele regelhaft angewendeten Medikamente und Therapieverfahren gilt - sollte man m. E. die zahlreichen Berichte zum Beispiel zur Akupunkturanästhesie zumindest zur Kenntnis nehmen: So wurden etwa in Japan (werden?) Kaiserschnitte/Appendektomien mit ausschlielicher Akupunkturanästhesie durchgeführt. Gut in Erinnerung ist mir ein Selbstversuch eines deutschen Allgemeinmediziners und Akupunkteurs, der sich vor einer anstehenden Hernien-OP selbst akupunktiert hatte. Immerhin "reichte" diese Akupunktur-Anästhesie für den Hautschnuitt von sechs Zentimetern Länge und einer Tiefe von 15 Millimetern...Dann kamen zusätzliche Lokalanästhertika zum Einsatz. Alles nur Plazebo? Nun ja...Veröffentlicht wurde der Selbstversuch auch, u.a. in CHIRURGISCHE ALLGEMEINE 2011, Heft4, S. 200.
Avatar #88255
doc.nemo
am Dienstag, 13. März 2018, 08:31

Helfen statt Wirken

Ja, Akupunktur und Homöopathie können „helfen“, aber sie „wirken“ nicht - zumindest nicht in der Weise, wie die jeweilige fiktionale Theorie dies behauptet. Bei der Homöopathie sind es reine Placeboeffekte, bei der Akupunktur kommt noch eine unspezifische Stimulation des Schmerzverarbeitungssystems dazu, deren Effekt allerdings nicht besonders groß ist, wie die bescheidenen Wirkungsnachweise in den Studien zeigen. Problematisch bei der Anwendung solcher Verfahren ist, wenn der ärztliche Therapeut von der Gültigkeit der (mit dem Stand der Wissenschaft unvereinbaren) ideologischen Grundlagen absolut überzeugt ist, oder, schlimmer noch, dem Patienten gegenüber vorgibt, absolut davon überzeugt zu sein, obwohl er selbst nicht daran glaubt.
Avatar #79783
Practicus
am Montag, 12. März 2018, 20:13

Akupunktur wirkt!

und zwar unabhängig davon, wo gestochen wird. Jeder kann erfolgreich Nadelstichtechniken anwenden, ohne sündhaft teuren Kurse zu belegen und sich in magisch-mythischen Heilslehren "prüfen" zu lassen. Der Inhalt der für die Abrechnung geforderten "Diplome" ist dabei so sinnhaft wie das Auswendiglernen eines Telefonbuchs.
Auch die Homöopathie "wirkt" ja unabhängig davon, ob das mühsam (und teuer!) gefundene Arzneimittel verabreicht wird oder nicht...
Entweder dürfen das alle Ärzte anwenden (und bezahlt bekommen) oder keiner - warum sollen sich da nur Kammern und Lehrinstitute eine goldene Nase damit verdienen dürfen?
Avatar #555822
j.g.
am Montag, 12. März 2018, 19:32

Akupunktur

ist so wirksam wie Gesundbeten und hat in der etablierten Medizin nichts zu suchen. Es ist ein Armutszeugnis unserer Standesvertretungen - offenbar hoher Lobbydruck - , daß diese ‚Heilmethode‘ von ihnen anerkannt und durch einige Kassen auch honoriert werden. Warum hat niemand den Mut, festzustellen, daß es sich um fernöstliches mystisches Strandgut ohne erkennbare Wirkung handelt, und all die Kollegen à la #meetoo sich damit ein zusätzliches Einkommen sichern. Als ich kürzlich einen orthopädischen Rat benötigte, war festzustellen, daß sie alle die Akupunktur im Beifang praktizierten, mit einer Ausnahme: diese Kollegin suchte ich auf.
LNS

Nachrichten zum Thema

18. Mai 2018
Penrith/Adelaide – Einige Frauen und Ärzte erhoffen sich von der Akupunktur einen positiven Effekt bei der In-vitro-Fertilisation (IVF). Die Evidenz für die Wirksamkeit ist jedoch widersprüchlich. In
Akupunktur ohne Effekt bei der In-vitro-Fertilisation
28. Juni 2017
Peking/Harbin – Eine Elektroakupunktur hat in einer randomisierten kontrollierten Studie aus China bei Frauen mit Stressinkontinenz die Zahl der Episoden mit unwillkürlichem Urinabgang gesenkt und die
Elektroakupunktur lindert Stressinkontinenz, hilft aber nicht beim Kinderwunsch
5. Mai 2017
In Deutschland führen laut Benno Brinkhaus bereits 30.000 bis 40.000 Ärzte Akupunktur durch. / euthymia, stock.adobe.com Berlin – Rund 97 Prozent der Menschen mit Multipler Sklerose (MS) leiden unter
Multiple Sklerose: Akupunktur lindert Fatigue Syndrom
19. April 2017
Stockholm – Eine Elektroakupunktur kann, wenigstens für den Moment, die Aufnahme von Glukose in die Muskelzellen steigern, was in einer Pilotstudie an gesunden Frauen und solchen mit polyzystischem
Adipositas: Kann Elektroakupunktur Sport ersetzen?
6. März 2017
Boston – Eine echte Akupunktur verändert bei Patienten mit Karpaltunnelsyndrom die Verarbeitung von Nervenimpulsen im somatosensorischen Cortex des Gehirns. Dies zeigen die Ergebnisse einer Studie in
Karpaltunnelsyndrom: Wie die Akupunktur im Gehirn wirkt
18. Januar 2017
Lund – Vier kurzzeitige Akupunkturen haben in einer randomisierten klinischen Studie die Schreizeiten von Säuglingen mit infantilen Koliken signifikant verkürzt. Die Behandlungen wurden laut der
Schreikinder: Akupunktur hilft bei Kolik
2. November 2016
Orange – Die Aktivierung natürlicher Opiate im Gehirn könnte erklären, warum eine Elektroakupunktur bei einigen Menschen mit stressbedingter Hypertonie den Blutdruck senkt. Dies zeigen
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER