Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Ärztekammer Nordrhein will besseren Schutz für medizinisches Personal

Montag, 12. März 2018

/dpa

Düsseldorf – Die Ärzte im Rheinland fordern Politik und Gesellschaft auf, mehr zu tun, um Ärzte, Pflegepersonal und Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst vor Gewalt zu schützen. Eine entsprechende Entschließung hat die Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein (ÄKNO) in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig verab­schiedet.

Die wiederholten Angriffe auf Rettungskräfte müssen ein Weckruf an die Gesellschaft, an die Politik und an jeden einzelnen sein, der Verrohung entgegenzutreten, heißt es zur Begründung. Außerdem sollte das medizinische Personal in den Notaufnahmen der Kliniken, in Notfallpraxen sowie im ärztlichen Bereitschaftsdienst in den Schutzbereich des Paragrafen 115 des Strafgesetzbuchs aufgenommen werden. Der stellt den Wider­stand gegen Personen, die die Rechte und Pflichten eines Polizeibeamten haben oder Ermittlungspersonen der Staatsanwaltschaft sind, ohne Amtsträger zu sein, unter Strafe.

Mehr Respekt vor Rettern

Mit einer Gesetzesänderung im April 2017 hat der Deutsche Bundestag durch eine Ergänzung von Paragraf 323c des Strafgesetzbuches zwar die Behinderung von hilfeleistenden Personen rechtlich der unterlassenen Hilfeleistung gleichgestellt. Das medizinische Personal wurde jedoch nicht in den weitergehenden Schutzbereich des Paragrafen 115 aufgenommen.

Darüber hinaus forderte das Ärzteparlament, eine gesellschaftliche Kampagne mit dem Motto „Mehr Respekt vor Rettern“ anzustoßen, damit es auch künftig ausreichend Menschen gibt, die Hilfe für andere leisten wollen und können. Arbeitgeber sollten durch geeignete Maßnahmen für größtmögliche Sicherheit des Personals sorgen. Dazu gehört nach Ansicht der Kammerversammlung eine ausreichende Ausstattung der Kliniken und Notfallpraxen mit Personal auch nachts, an Feiertagen und Wochenenden sowie vom Arbeitgeber finanzierte Schulungen zu Deeskalationstechniken und zum Umgang mit aggressiven Patienten und Angehörigen.

Meldeformular wird entwickelt

„Da Medienberichte über Gewalt gegen Rettungskräfte, Ärzte und Pflegende nur die Spitze des Eisbergs abbilden, wird derweil von der Bundes­ärzte­kammer in Kooperation mit anderen europäischen Ländern ein Formular zur Meldung von Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte entwickelt“, berichtete Rudolf Henke. „Es soll helfen, detaillierte Daten zu gewinnen, die dann auch für Prävention und Schulung genutzt werden können“, so der Präsident der ÄKNO weiter. Es stimme ihn nachdenklich, dass solche Erhebungen und Schutzmaßnahmen in einem Land nötig seien, das zu den reichsten Ländern der Welt gehöre.

Laut einer 2015 im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Studie der Technischen Universität München (Dtsch Arztebl Int 2015; 112 (10): 159–65) sind 91 Prozent der Hausärzte während der Ausübung ihrer Arbeit schon einmal Opfer von aggressivem Verhalten geworden. 23 Prozent der Mediziner erlebten schwerwiegende Aggressionen und Gewalt, bei elf Prozent der Befragten ereigneten sich die heftigen Zwischenfälle in den vergangenen zwölf Monaten. In ihrer Praxis fühlen sich zwar die meisten Ärzte noch sicher, während der Bereitschaftsdienste und bei Hausbesuchen sieht das jedoch anders aus. So fühlen sich zwei Drittel der Ärztinnen und ein Drittel der Ärzte in diesen Situationen unsicher.

Eine weitere Studie der Ruhr-Universität Bochum aus dem Jahr 2017 belegt, dass jede achte Einsatzkraft von Feuerwehr und Rettungsdienst in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal Opfer von körperlicher Gewalt im Einsatz geworden ist. Noch häufiger ist es der Studie zufolge zu verbaler Gewalt gekommen: Mehr als jede zweite Einsatzkraft hatte entsprechende Erfahrungen gemacht. © ts/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

9. Mai 2018
Stuttgart – Das Deutsche Rote Kreuz in Baden-Württemberg hat vor einem Nachwuchsproblem bei den Notfallsanitätern gewarnt. Grund sei nicht das mangelnde Interesse junger Leute, sondern das Fehlen
Rotes Kreuz warnt vor Nachwuchsproblem im Rettungsdienst
9. Mai 2018
Schwerin – Als erstes deutsches Küstenland setzt Mecklenburg-Vorpommern von der beginnenden Badesaison an Drohnen ein, um in Not geratenen Schwimmern zu helfen. Die DRK-Wasserwacht des Landes hat dazu
DRK-Wasserwacht setzt Drohnen an Ostseeküste ein
9. Mai 2018
Straßburg – Der Tod einer jungen Frau im Elsass, deren Notruf zuvor vom Rettungsdienst nicht ernst genommen worden war, hat in Frankreich Entrüstung ausgelöst. „Ich bin zutiefst empört über die
Rettungsdienst in Frankreich in der Kritik
7. Mai 2018
Berlin – Die Zahl der Menschen, die sich ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) engagieren, ist im vergangenen Jahr um 11.000 auf 425.800 Helfer angestiegen. Das erklärte die neue Präsidentin
Zahl der ehrenamtlichen Helfer beim Roten Kreuz steigt an
30. April 2018
Greifswald/Schwerin – In Mecklenburg-Vorpommern gibt es nach Ansicht von Landesgesundheitsminister Harry Glawe (CDU) Bedarf für einen weiteren Rettungsfliegerstandort in Schwerin, der dort vor allem
Mecklenburg-Vorpommern sieht zusätzlichen Bedarf für Rettungsflieger
20. April 2018
München – Erstmals nach mehr als 130 Jahren soll nicht mehr das Bayerische Rote Kreuz (BRK) Verletzte und Alkoholopfer auf dem Oktoberfest versorgen. Die Stadt München wolle den Auftrag aus
Rotes Kreuz kämpft um Sanitätsdienst für Oktoberfest
19. April 2018
Schwerin – Die Zahl der medizinischen Rettungseinsätze in Mecklenburg-Vorpommern ist deutlich angestiegen. 2016 wurden die Rettungssanitäter etwa 123.000 Mal gerufen. Damit stieg die Zahl der Fälle

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige