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Medizin

Variante eines Darmhormons baut Fett in der Leber ab

Dienstag, 13. März 2018

Fettleber (Mikroaufnahme, Vergrößerung 100:1) /dpa

San Diego – Eine Variante des Hormons FGF19, das in der Leber die Bildung von Gallensäuren reguliert, hat in einer Phase-2-Studie im Lancet (2018; doi: 10.1016/S0140-6736(18)30474-4) innerhalb weniger Wochen den Fettgehalt der Leber bei Patienten mit nichtalkoholischer Hepatitis vermindert. Die Studie wirft aber Fragen zur Sicherheit und Verträglichkeit auf.

Die nichtalkoholische Fettleber (NAFLD) ist infolge von Adipositas und Fehlernährung in den letzten Jahrzehnten weltweit zu einer der häufigsten Lebererkrankungen geworden. In westlichen Ländern entwickeln 20 bis 40 % im Verlauf des Lebens eine NAFLD. Sie ist nicht nur an der Pathogenese eines Typ-2-Diabetes beteiligt, bei etwa 10 bis 20 % der Patienten entsteht aus der „harmlosen“ nichtalkoholischen Fettleber eine nichtalkoholischen Steatohepatitis (NASH), die zur Leberzirrhose und zum Leberkrebs fortschreiten kann und in den USA bereits die zweithäufigste Indikation für eine Lebertransplantation ist. 

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Eine Fettleber kann durch Diät und Gewichtsreduktion kuriert werden, wozu sich jedoch die wenigsten Patienten motivieren lassen. Ein Medikament, dass den Fettgehalt der Leber senkt, wäre deshalb willkommen. Einen Ansatzpunkt bietet das Hormon FGF19, das nach den Mahlzeiten vom Darm gebildet wird und die Gallensäuresynthese in der Leber hemmt. FGF19 fördert außerdem den Abbau von Triglyzeriden in der Leber und es verbessert die Insulinwirkung. 

Leider ergaben die tierexperimentellen Studien, dass FGF19 auch die Bildung von hepatozellulären Karzinomen fördert. Dieses Problem konnte durch eine Modifikation des Proteins FGF19 behoben werden. Das Analogon NGM282, bei dem 5 endständige Aminosäuren von FGF19 entfernt und 3 weitere ausgetauscht wurden, hat sich in den vorklinischen Studien als sicher erwiesen, sodass der Hersteller mit klinischen Tests beginnen konnte.

An einer Phase-2-Studie nahmen an 18 Zentren in den USA und Australien 82 Patienten im Alter von 18 bis 75 Jahren teil. Bei allen war per Leberbiopsie eine nichtalkoholische Steatohepatitis (NASH) diagnostiziert worden und die Magnetresonanztomographie hatte einen Fettgehalt der Leber von mindestens 8 % angezeigt. 

Die Patienten erhielten über 12 Wochen einmal täglich eine subkutane Injektion mit 3 mg oder 6 mg NGM282 oder Placebo. Alle Begleittherapien (die Mehrzahl der Patienten mit einem Body-Mass-Index von durchschnittlich 35 hatte Typ-2-Diabetes, Hypertonie und/oder Hyperlipidämie) wurden fortgesetzt.

Das Ergebnis war ein rascher und deutlicher Rückgang der Leberverfettung. Das Ziel, das in einer Reduktion des Fettgehalts um mindestens 5 % bestand, erreichten unter der niedrigen Dosis 20 von 27 Patienten (74 %) und unter der höheren Dosis 22 von 28 Patienten (79 %) gegenüber 2 von 27 Patienten (7 %) in der Placebogruppe. Das Team um Rohit Loomba von der San Diego School of Medicine errechnet eine um den Faktor 10,0 (95-%-Konfidenzintervall 2,6 bis 38,7) beziehungsweise 11,4 (3,0–43,8) erhöhte Chance auf eine Remission. Trotz der kleinen Teilnehmerzahl war der Unterschied statistisch signifikant. 

Damit dürfte kein Zweifel daran bestehen, dass NGM282 als erste medikamentöse Therapie überhaupt eine Leberverfettung abbauen kann: 7 Patienten (26 %) in der 3-mg-Dosis-Gruppe und 11 Patienten in der 6-mg-Dosis-Gruppe (39 %) konnten sogar den Leberfettgehalt normalisieren, was in der Placebogruppe keinem einzigen Patienten gelang.

Ob sich NGM282 zur Behandlung der nichtalkoholischen Steatohepatitis (NASH) eignet, dürfte jetzt von 2 Dingen abhängen. Zum einen müssen Langzeitstudien zeigen, dass die Reduktion des Leberfettes die Patienten vor einer Zirrhose schützt. Zum anderen muss sich NGM282 als ein sicheres und (bei den in der Regel asymptomatischen Patienten) verträgliches Medikament erweisen.

Beides, Sicherheit und Verträglichkeit von NGM282, scheint problematisch zu sein. In beiden Dosis-Gruppen kam es zu jeweils 3 (11 %) Therapieabbrüchen. Sie wurden meist durch gastrointestinale Nebenwirkungen ausgelöst. NGM282 führte zu Durchfällen, Bauchschmerzen und Übelkeit. Ein Patient in der 3-mg-Dosis-Gruppe erlitt eine Pankreatitis, die ein ernsthaftes Sicherheitsrisiko anzeigen könnte. Der vermehrte Abbau von Fetten in der Leber ging auch mit einem Anstieg des LDL-Cholesterins einher, was langfristig die kardiovaskulären Risiken erhöhen könnte. © rme/aerzteblatt.de

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