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Medizin

Liquid Biopsy: Keine Alternative zu Gewebeanalysen

Montag, 12. März 2018

Blutproben stehen vor einem Mikroskop. /tilialucida, stock.adobe.com
Bei einer Liquid Biopsy werden zellfreie Nukleinsäuren aus Körperflüssigkeiten, meist dem Blut, analysiert. /tilialucida, stock.adobe.com

München – Liquid Biopsies können unter bestimmten Bedingungen die Tumor­diagnostik ergänzen, beispielsweise wenn kein Primärtumor gefunden wird. Wird keine tumorspezifische Mutation nachgewiesen, liegt entweder tatsächlich keine Mutation vor oder dies wurde aufgrund der geringen Sensitivität nicht entdeckt. Eine Referenz­mutation aus einer primären Gewebeanalyse hilft, den Befund abzusichern. Liquid Biopsies und Gewebeproben ergänzen sich daher und stehen sich nicht als Alternativen gegenüber, lautet die Schlussfolgerung einer Übersichtsarbeit, die im Deutschen Ärzteblatt erschienen ist (Dtsch Arztebl Int 2018; 115 (10): 169–74).

Bei einer Liquid Biopsy werden zellfreie Nukleinsäuren aus Körperflüssigkeiten analysiert. Meist handelt es sich um zirkulierende freie Desoxyribonukleinsäuren („cirulating free“ DNA, cfDNA) aus dem Blut, die aufgrund der geringen Konzentration erst vervielfältigt und anschließend auf Mutatio­nen untersucht werden.

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Nach Zulassung der European Medicines Agency (EMA) spielt die Liquid Biopsy eine bedeutende Rolle bei der Therapie­wahl beim nichtkleinzelligen Karzino­men der Lunge (non small cell lung cancer, NSCLC), wenn kein aus­reichendes Material für eine Gewebe­biopsie zur Verfügung steht. Hier wird untersucht, ob T790M-Resistenz­mutationen im „epidermal growth factor receptor“-(EGFR-)Gen vorliegen. Diese Mutationen sind erforderlich, um eine zielgerichtete Therapie mit den Tyrosin-Kinase-Inhibitoren Osimertinib und Gefitinib durchzuführen (companion diagnostics).

Damit Ärzte die Liquid Biopsy neben der NSCLC bei weiteren Indikationen einsetzen können, sind Vergleichsstudien notwendig. Nicht alle Tumorentitäten bieten sich an, da cfDNA in unterschiedlichen Mengen ins Blut abgegeben wird. Zuverlässige Daten, die den Mutationsnachweis einer Gewebebiopsie einer Liquid Biopsy gegenüberstellen, liegen bisher nur aus der Osimertinib-Zulassungsstudie vor.

Demnach liegt die Spezifität einer Liquid Biopsy bei 0,69 und die Sensitivität bei 0,7. Bei einer Liquid Biopsy wären folglich 30 % falsch positive und 31 % falsch negative Ergebnisse zu erwarten. In 54 % der Fälle kehrt eine zusätzliche Gewebeanalyse das negative Ergebnis in einen positiven Tumormutationsnachweis um. Das sicherste Ergebnis erhalte man daher in Kombination, lautet das Fazit der Autoren vom Pathologischen Institut der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Eine Übersichtsarbeit in Scientific Reports aus dem Jahr 2014 berichtet hingegen zumindest für die Spezifität über einen besseren Wert von 0,94 bei der Mutations­analyse aus Körperflüssigkeiten beim NSCLC. Demnach wäre nur mit 6 % falsch Positiven zu rechnen. Auch für das metastasierte kolorektale Karzinom (mKRK) liegen Daten zu Sensitivität (0,90) und Spezifität (0,93) vor. Sobald entsprechende Therapeutika zugelassen sind, würde sich auch hier eine Liquid Biopsy für die Suche nach Resistenzmechanismen in der Progression anbieten. Das molekulare Monitoring eines mKRK-Rezidivs mittels Liquid Biopsies hat zurzeit aber noch einen experimentellen Wert.

© gie/aerzteblatt.de

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