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Magnetisches Linksherz­­unterstützungs­system mit guten Langzeitergebnissen bei Herzinsuffizienz

Montag, 12. März 2018

Herzunterstützungssystem „HeartMate 3“ /dpa

Boston – Linksventrikuläre Unterstützungssysteme (LVAD) können austherapierte Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz immer länger am Leben halten. Mit dem derzeit vermutlich modernsten System, das das Blut mit einer zentrifugalen magne­tisch angetriebenen Pumpe aus der Herzspitze in die Aorta pumpt, überlebten in einer Studie 4 von 5 Patienten länger als 2 Jahre, ohne dass es zu schweren Schlaganfällen kam oder (wie beim Vorgängermodell häufig) eine Austauschoperation notwendig wurde. Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung des American College of Cardiology in Orlando vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2018; doi: 10.1056/NEJMoa1800866) publiziert.

Das LVAD HeartMate 3 wird oberhalb des Zwerchfells an der Herzspitze angeschlossen. Die Zentrifugalpumpe saugt das Blut aus dem linken Ventrikel und befördert es über einen Schlauch in die aufsteigende Aorta. Das Fördervolumen beträgt bis zu 10 Liter Blut pro Minute, wodurch die Herzfunktion zur Not komplett übernommen werden kann.

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Der Kern des Motors ist eine freischwebender Rotor, der über die MagLev-Technik ähnlich wie bei einer Magnetschwebebahn völlig berührungslos bewegt wird, was die Einwirkung von Scherkräften verhindert. Das Blut wird in der Zentrifugalpumpe auch nicht komprimiert, was den mechanischen Stress auf die empfindlichen Blutzellen weiter vermindert.

Der Hersteller hat HeartMate 3 vor der Zulassung in einer randomisierten Studie (MOMENTUM 3) mit dem Vorgängermodell HeartMate 2 verglichen, das ebenfalls einen magnetischen Antrieb hat, das Blut aber axial mit einem Impeller (einer Art archimedischer Schraube) beförderte. Die Pumpe war technisch ausgereift, sie neigte jedoch zu einer Thrombenbildung am Impeller, die häufiger einen Austausch des LVAD erforderlich macht, was in den letzten Jahren für Schlagzeilen in der Presse sorgte.

Dieses Risiko wird bei HeartMate 3 vermieden, wie bereits die im letzten Jahr vorgestellten Erfahrungen nach den ersten 6 Monaten zeigten. Jetzt liegen die ersten Langzeitergebnisse von MOMENTUM 3 vor. Von den 190 Patienten, die zwischen September 2014 und November 2015 mit HeartMate 3 versorgt wurden, haben 151 Patienten (79,5 Prozent) überlebt, ohne dass es zu einem schweren Schlaganfall kam oder dass ein Austausch der Pumpe notwendig wurde. Nach Implantation von HeartMate II haben 106 von 176 Patienten (60,2 Prozent) diesen primären Endpunkt erreicht. 

Die Differenz von 19,2 Prozentpunkten war nach den Berechnungen von Mandeep Mehra vom Brigham and Women's Hospital in Boston und Mitarbeitern statistisch signifikant. Die Hazard Ratio von 0,46 (0,31 bis 0,69) belegt die Überlegenheit der neuen Pumpe, die in erster Linie auf die Vermeidung von Austauschoperationen zurückzuführen war.

Während HeartMate II bei 30 Patienten ausgetauscht oder entfernt werden musste, wurde dies bisher nur bei drei Patienten erforderlich, die HeartMate 3 erhalten haben (Hazard Ratio 0,08; 0,03-0,27). Bei den drei Patienten wurde der Austausch wegen Infektionen oder technischer Defekten niemals wegen einer Thrombosierung in der Pumpe erforderlich, berichtet Mehra. 

Die Träger von HeartMate 3 erlitten auch seltener Schlaganfälle (22 Schlaganfälle bei 19 Patienten versus 43 Schlaganfälle bei 33 Patienten; Hazard Ratio 0,47; 0,27-0,84). Die Zahl der schweren Schlaganfälle war jedoch in beiden Gruppen gleich. Nach zwei Jahren waren ähnlich viele Patienten (92,8 versus 92,5 Prozent) ohne Behinderung durch einen schweren Schlaganfall.

Die Vorteile von HeartMate 3 bestanden am Ende darin, dass Austausch-Operationen vermieden wurden und die Zahl der nicht zu Behinderungen führenden Schlaganfälle gesenkt wurde. Die Gesamtschlaganfallrate nach zwei Jahren war laut Mehra die niedrigste, die bisher in einer LVAD-Studie verzeichnet wurde. © rme/aerzteblatt.de

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