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Medizin

Typ-2-Diabetes: Chinesische Diät senkt HbA1c mithilfe von Darmbakterien

Dienstag, 13. März 2018

/J.Mühlbauer exclus,stockadobecom

Shanghai – Eine ballaststoffreiche Kost, angereichert mit chinesischen Heilpflanzen, hat in einer randomisierten Studie den HbA1c-Wert von Typ-2-Diabetikern innerhalb weniger Wochen gesenkt, was die Forscher in Science (2018; 359; 1151–1156) auf eine Veränderung der Darmflora mit einer Vermehrung von Darmbakterien zurückführen, die über die vermehrte Bildung von kurzkettigen Fettsäuren den Stoffwechsel der Patien­ten günstig beeinflussen können.

Der Mensch ernährt beim Essen nicht nur sich selbst, sondern auch eine Vielzahl von Bakterien, die seinen Darm bevölkern. Die Zusammensetzung der intestinalen Flora wird dabei von der Art der zugeführten Nahrung beeinflusst. Die westliche Nahrung mit ihrem hohen Anteil von raffinierten Zuckern und Fetten lässt nach Ansicht von Liping Zhao von der Jiao Tong Universität in Shanghai die Darmflora verarmen, während eine faserreiche Kost nach Ansicht vieler Experten die Vielfalt fördern könnte. 

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Die faserreiche Kost begünstige, so Zhao, insbesondere die Ausbreitung von Darm­bakterien, die für den Menschen unverdauliche Pflanzenfasern zu kurzkettigen Fettsäuren (short-chain fatty acids, SCFA) abbauen. Diesen SCFA werden derzeit von Ernährungsforschern günstige Wirkungen zugeschrieben. Sie sollen die Darmzellen versorgen, Entzündungen reduzieren und den Appetit kontrollieren. 

Ein Mangel an kurzkettigen Fettsäuren wird dagegen mit der Entwicklung eines Diabetes Typ 2 und anderer Krankheiten in Verbindung gebracht.

Ein Team um Zhao hat den Einfluss einer faserreichen Kost auf den Stoffwechsel in einer kleinen randomisierten Studie an Patienten mit Typ-2-Diabetes untersucht. Dabei interessierten sich die Forscher vor allem für die Bildung von SCFA. 

14 Patienten wurden gebeten, sich über 12 Wochen nach Diätempfehlungen der chinesischen Diabetesgesellschaft zu richten. Eine Kontrollgruppe aus 16 Personen sollte sich weiter ernähren wie bisher.

Die Teilnehmer in der Diätgruppe erhielten Dosen mit einem vorgefertigten Brei aus Hafer, weißen Bohnen, gelbem Mais, roten Bohnen, Yamswurzeln, Erdnuss und Lotussamen. Es gab 3 verschiedene „Formulierungen“, die in einem bestimmten Verhältnis zum Kochen verwendet werden sollten. „Formulierung Nr. 1" enthielt beta-Glucan, Arabinoxylan, Cellulose, Hemicellulose, resistente Stärke, „Gums" und Oligosaccharide. „Formulierung Nr. 2“ bestand aus bitterer Melone und Oligo­sacchariden, einschließlich Fructo-Oligosacchariden und Oligoisomaltosen. Die „Formulierung Nr. 8" war eine Pulverzubereitung aus Kudzustärke, Inulin und resistentem Dextrin.

Die Diät wirkte sich nach den von Zhao vorgestellten Daten schon nach wenigen Tagen positiv auf den Blutzucker aus (wobei eine zusätzliche Behandlung mit Acarbose, das aber auch die Teilnehmer der Kontrollgruppe einnahmen, geholfen haben mag). Der HbA1c-Wert ging im Verlauf der gesamten Studienphase zurück. Am Ende hatten unter der Diät 89 % der Teilnehmer einen HbA1c von unter 7 % gegenüber nur 50 % in der Kontrollgruppe.

Die Forscher führten daraufhin eingehende Untersuchungen zur Veränderung der Darmflora durch, zu der es während der Diät kam. Dazu wurden genetische Untersuchungen an Stuhlproben vorgenommen. Sie ergaben, dass unter der Diät die Konzentration von Genen für die bakterielle Fermentierung von Kohlenhydraten anstieg. 

Diese Gene konnten einer Gruppe von 15 Bakterien zugeordnet werden, die bekanntermaßen in der Lage sind, SCFA zu produzieren. Die Anwesenheit dieser Bakterien korrelierte mit dem HbA1c-Wert der Patienten: Je mehr die Gene der Darmbakterien aktiv waren, desto günstiger entwickelte sich der Glukose-Stoffwechsel der Studienteilnehmer. 

Zhao sieht in den SCFA-produzierenden Bakterien eine „Gilde“, deren Förderung durch die Ernährung einen „ökologischen“ Ansatz in der Behandlung und vor allem der Prävention des Typ-2-Diabetes bilden könnte. Wie bei allen Diäten bleibt allerdings offen, ob die Patienten bereit wären, sich dauerhaft auf eine Diät einzulassen, die ihnen feste Regeln bei der Zubereitung der Mahlzeiten auferlegt. © rme/aerzteblatt.de

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