NewsPolitikNRW-Gesundheits­minister warnt vor reiner Hochschulausbildung für Hebammen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

NRW-Gesundheits­minister warnt vor reiner Hochschulausbildung für Hebammen

Dienstag, 13. März 2018

/dpa

Düsseldorf – Vor einer vollständigen Überführung der Hebammenausbildung an die Hochschulen hat der nordrhein-westfälische Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Laumann (CDU) gewarnt. Mit einer Schließung der bisherigen Berufsfachschulen für Hebammen würde eine flächendeckende Versorgung bei der Geburtshilfe im bevölkerungsreichsten Bundesland massiv gefährdet, teilte Laumann heute dem Gesundheitsausschuss im Düsseldorfer Landtag mit.

Derzeit fehle es in Nordrhein-Westfalen (NRW) an notwendigen Hochschulstrukturen, um die Hebammenausbildung rein akademisch auszugestalten. Flächendeckende Studiengänge seien ebenso wenig vorhanden wie ausreichend promovierte Hebammenwissenschaftler.

Umsetzung von EU-Richtlinie

Der Bund verlangt bis zum 18. Januar 2020 eine vollständige Akademisierung der Hebammenausbildung. Dazu sieht er sich von EU-Richtlinien gedrängt, nach der die Zugangsvoraussetzungen für die Hebammenausbildung bei der Schulzeit von zehn auf zwölf Jahre angehoben werden. Somit werden das Abitur und die Fachhochschulreife für angehende Hebammen zukünftig Pflicht.

Laumann befürchtet, dass die Ausbildungszahlen bei den Hebammen durch eine Vollakademisierung und eine Schließung der Fachschulen „einbrechen“ und den bestehenden Personalmangel weiter verschärfen könnten. Deshalb müsse der Bund bei der verlangten Überführung der Ausbildung auf Hochschulniveau die Fachschulen mit ihrer langjährigen Expertise unbedingt einbinden.

Als Möglichkeit nannte Laumann Kooperationsmodelle zwischen Hochschule, Berufsfachschule und Berufspraxis. Der Minister fordert vom Bund „angemessene Übergangsfristen“ bei der Ausbildungs­umstellung.

Nach Angaben des NRW-Landesverbandes der Hebammen herrscht bei der Geburtshilfe akuter Personalmangel. Die Hälfte der Hebammen betreut häufig drei Frauen parallel. Ein Fünftel aller Geburtshelferinnen müsse sogar vier und mehr Frauen gleichzeitig versorgen. 90 Prozent könnten gegenwärtig ihre gesetzlich vorgeschriebenen Pausen nicht einhalten und leisteten immer mehr Überstunden.

Bundesweit arbeiten nach Angaben des Verbandes derzeit 23.000 Hebammen; 70 Prozent sind selbstständig und vier von fünf Hebammen arbeiten in Teilzeit. © kna/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

15. Juni 2018
Stuttgart – In Baden-Württemberg wird die Zahl der Studienplätze für Hebammenwissenschaften im Herbst mehr als verdoppelt. Zu den bestehenden 45 Plätzen an den Dualen Hochschulen Baden-Württemberg
Studienplätze für Hebammenwissenschaften mehr als verdoppelt
24. Mai 2018
Berlin – Die Hebammenschulen stocken die Ausbildungskapazitäten für Hebammen um 23 Prozent auf. Auch die Hochschulen stellen mehr Studienplätze zur Verfügung. Das geht aus einer Umfrage des Deutschen
Hebammenschulen stocken Ausbildungsplätze auf
23. Mai 2018
Überlingen – Die Helios-Klinik in Überlingen hat den Kreißsaal für mehrere Wochen geschlossen, weil drei von acht Hebammen schwanger sind. Sobald die Schwangerschaft bekannt wird, gilt für Hebammen
Schwangere Hebammen sorgen für Kreißsaalschließung
15. Mai 2018
Erfurt – Ein neues Internetportal soll Schwangeren die Suche nach Hebammen in Thüringen erleichtern. Die Website www.hebammensuche-thueringen.de sei nun gestartet, teilte das Ge­sund­heits­mi­nis­terium
Online-Plattform soll in Thüringen Suche nach Hebammen erleichtern
8. Mai 2018
München – Bayern und Sachsen haben heute eine Finanzspritze für Hebammen verabschiedet. In Bayern hat die Staatsregierung einen „Bayerischen Hebammenbonus“ in Höhe von 1.000 Euro pro Jahr beschlossen.
Finanzspritze für Hebammen in Sachsen und Bayern
3. Mai 2018
Berlin – Der Deutsche Hebammenverband beklagt schlechte Zustände in der Geburtshilfe. Geburtsstationen würden mangels Personal geschlossen, Frauen wegen Überfüllung der Kreißsäle abgewiesen und es
Hebammen plädieren für Personaluntergrenze und Akademisierung
26. April 2018
Stuttgart – Kliniken in Baden-Württemberg suchen händeringend Hebammen und haben immer größere Probleme, offene Stellen zu besetzen. Das geht aus einer Analyse hervor, die das Sozialministerium des
NEWSLETTER