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Medizin

Schlaganfall: 32 genetische Risiken beschrieben

Dienstag, 13. März 2018

/psdesign1, stock.adobe.com

München/Bordeaux – Die bisher größte genomweite Assoziationstudie (GWAS), die das Erbgut von 67.162 Schlaganfallpatienten und 454.450 gesunden Kontrollen an etwa 8 Millionen Stellen verglichen hat, ermittelt in Nature Genetics (2018; doi: 10.1038/s41588-018-0058-3) 32 Genorte, die mit einem ischämischen Schlaganfall assoziiert sind – rund 3-mal so viele, wie bisher bekannt.

Etwa 80 % aller Schlaganfälle sind Folge einer plötzlichen Unterbrechung des Blutflusses im Gehirn. Die Pathologen unterscheiden einen arteriosklerotischen Schlaganfall durch Verschluss von großen Arterien (LAS), einen kardioembolischen Schlaganfall (CES) durch Verschleppen von Gerinnseln aus dem linken Herzvorhof oder bei offenen Foramen ovale auch aus dem venösen Kreislauf und als dritte Form den Schlaganfall als Folge einer Kleingefäßerkrankung (Small-Vessel-Stroke, SVS). Der wichtigste Risikofaktor ist der Bluthochdruck, den Epidemiologen für die Mehrzahl aller Schlaganfälle verantwortlich machen. Auch eine Hyperlipidämie, Nikotin und andere Ursachen der Atherosklerose erhöhen das Schlaganfallrisiko.

Für alle diese Grunderkrankungen und Risikofaktoren gibt es genetische Risiken, die teilweise in früheren GWAS untersucht wurden. Es wundert deshalb nicht, dass die meisten der 32 Risikogene, die das Team um Martin Dichgans von der Ludwig-Maximilians-Universität München und Stephanie Debette von der Universität Bordeaux gefunden haben, sich mit den genetischen Risikofaktoren für verschiedene Blutdruckparameter (systolisch, diastolisch, Pulsdruck, mittlerer Blutdruck) und Lipidwerte (LDL-Cholesterin, Triglyzeride) decken.

Für viele Risikogene bestanden Assoziationen zu den einzelnen Formen des Schlaganfalls (LAS, CES und SVS) oder dem wichtigsten Risikofaktor Bluthochdruck. Andere Genvarianten erhöhten auch das Risiko auf andere kardiometabolischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder die koronare Herzkrankheit.

Bei 11 der 32 Risikogene ist jedoch bisher unklar, auf welche Weise sie das Erkran­kungs­risiko steigern. Von weiteren Untersuchungen dieser Gene erhoffen sich Dichgans und Debette deshalb Zielpunkte für neue Therapien – wobei der Schlaganfall schon heute zu den präventablen Erkrankungen zählt. Allein die bessere Kontrolle des Blutdrucks hat in den letzten Jahren in vielen Ländern zu einem deutlichen Rückgang der ischämischen Schlaganfälle geführt. Von der verbesserten Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern wird ähnliches erwartet, wobei die dabei eingesetzten Medikamente jedoch das Risiko von Hirnblutungen erhöhen. © rme/aerzteblatt.de

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