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Politik

NRW will Studienplätze für angehende Landärzte selbst vergeben

Mittwoch, 14. März 2018

/dpa

Düsseldorf – Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen (NRW) will die Studienplätze für angehende Landärzte künftig selbst vergeben. „Wir werden eine zentrale Stelle einrichten, die die zehn Prozent der Studienplätze vergibt, die auf die Landarztquote fallen“, kündigte Karl-Josef Laumann (CDU) in der jüngsten Sitzung der Kammer­versammlung der Ärztekammer Nordrhein (ÄKNO) an. Und dabei drückt der Landes­gesundheitsminister mächtig aufs Tempo. Erstmals sollen die Plätze über diesen Weg zum Wintersemester 2018/2019 vergeben werden.

Er wisse natürlich, dass die Vergabe von Studienplätze über die Landarztquote nicht unumstritten ist. Als Ge­sund­heits­mi­nis­ter müsse er aber „die Versorgung von 18 Millionen Menschen im Auge behalten“. Dazu zähle auch, dass die Versorgung in ländlichen Regionen des bevölkerungsreichsten Bundeslands sichergestellt ist. „Und wenn wir die Versorgung tatsächlich sicherstellen wollen, müssen wir diese Karte ziehen“, ist er überzeugt und berichtete, dass die Universitäten in NRW jedes Jahr 2.000 Mediziner ausbilden. Das seien zu wenige – vor allem angesichts der Tatsache, dass nur zehn Prozent davon Fachärzte für Allgemeinmedizin werden.

„Jedes Jahr werden aber 450 Allgemeinmediziner gebraucht“, verdeutlichte Laumann den Bedarf. Denn im westfälischen Landesteil seien schon jetzt mehr als 60 Prozent der Mediziner älter als 60 Jahre und würden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Im Rheinland sind die Ärzte im Durchschnitt zwar zehn Jahre jünger, „aber die Entwicklung ist ähnlich“. Die immer größer werdende Diskrepanz zwischen Ausbildung und Bedarf würde die ländlichen Regionen am meisten treffen. Dabei gebe es durchaus junge Menschen, die sich den Beruf des Landarztes vorstellen könnten. „Wir müssen sie nur studieren lassen“, forderte der Minister.

Unis bei Medizinerausbildung in der Kritik

Gelingt dies nicht, wird nach Ansicht Laumanns die Schere bei der medizinischen Versorgung zwischen Städten und ländlichen Regionen immer weiter auseinander­gehen. Während auf dem Land schon jetzt Hausärzte fehlen, werde in den Städten das Hausarztprinzip nach dem Motto „In jedem Haus ein Arzt“ umgesetzt. Die Folge sei, dass die Krankenkassen für die Versorgung der Bevölkerung in den Städten inzwischen ein Drittel mehr Geld ausgeben müssen als für die Bevölkerung auf dem Land. „Wenn ich Kassenchef wäre, würde ich sagen: Nehmt die Leute vom Land auf, die aus der Stadt, das sollen andere machen“, so Laumann.

Kritik übte er auch an den Hochschulen. CDU und FDP hatten sich in ihren Koalitions­verhandlungen darauf verständigt, dass alle medizinischen Fakultäten in NRW einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin erhalten sollen. „Eine W3-Professur für Allgemein­medizin haben wir bis jetzt nur in Düsseldorf“, berichtete er. Die übrigen Universitäten hätten die Stellen zwar ausgeschrieben, besetzt sei aber nicht ein einziger weiterer Lehrstuhl. „Ich will, dass ein so gut bezahltes System wie die Universitäten auch das liefert, was die Bevölkerung für die Versorgung braucht“, stellte der Minister klar. Das sei ein weiterer Grund dafür, warum die Landesregierung bei der Vergabe von Studienplätzen für angehende Landärzte jetzt selbst tätig wird.

Fällt die Budgetierung in unversorgten Regionen?

Das Argument, dass Landärzte schlecht vergütet werden, ließ Laumann nicht gelten. Seiner Ansicht nach verdienen sie gut. Er räumte aber ein, dass sie dafür auch viel arbeiten müssen. Daher spreche er mit den Krankenkassen darüber, dass die Budge­tierung in unterversorgten Regionen aufgehoben wird. Die Kassen seien auch zum Umdenken bereit. „Denn sie kommen an einem meiner Argumente nicht vorbei, und das ist der Kostenunterschied zwischen einem Versicherten auf dem Land und einem Versicherten in der Stadt“, betonte er. In überversorgten Regionen, die es dem Minister zufolge zweifelsfrei gibt, soll die Budgetierung hingegen bleiben.

Darüber hinaus plädierte er für eine Renaissance der Freiberuflichkeit. „Hier steht ein Ge­sund­heits­mi­nis­ter mit Schlips vor Ihnen und nicht mit Fliege“, betonte er mit Blick auf den Koalitionspartner in Berlin. „Wir haben die Freiberuflichkeit möglich gemacht, um die Versorgung in vielen Bereichen sicherzustellen.“ Angesichts der zunehmenden Konzentration im Gesundheitswesen drohe dem System der Verlust von Qualität und Unabhängigkeit. Denn Ärzte, die als Angestellte in medizinischen Versorgungszentren (MVZ) arbeiten, die von Krankenhäusern betrieben werden, könnten vielfach nicht unabhängig entscheiden.

„Man hat vielleicht die Pflicht, eine Angel für die Krankenhäuser zu sein“, verdeutlichte Laumann. „Wenn ich aber Freiberufler bin, kann ich unabhängig entscheiden.“ Er gehe davon aus, dass Ärzte diese Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen treffen. Daher „steckt an sich schon eine gewisse Qualität“ in der Freiberuflichkeit. Er appellierte zugleich an die Berufsverbände, „die Freiberuflichkeit an die nächste Generation weiterzugeben“. Und die Krankenhäuser bräuchten in diesem Zusammen­hang Geschäftsführer, die sich nicht in medizinische Entscheidungen einmischen. „Die Versorgungsfrage muss man ganz klar von der kaufmännischen Frage trennen“, forderte Laumann. © ts/aerzteblatt.de

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