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Projekt will Versorgung psychisch Kranker in Entwicklungsländern verbessern

Mittwoch, 14. März 2018

Ulm – In Ländern mit geringem bis mittlerem Einkommen ist die Versorgungslücke bei der Betreuung von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Psychosen besonders groß. Neun Partner eines Verbundprojekts namens „Upsides“ wollen jetzt in sieben Ländern mithilfe eines Konzepts „peer support“ die Betreuung psychisch kranker Menschen verbessern.

„Peer Support“ ist eine etablierte therapeutische Intervention. Hierbei wird den Betroffenen ein Genesungsbegleiter („peer support worker“) zur Seite gestellt, der ebenfalls eine psychische Erkrankung erfahren hat. Der Genesungsbegleiter fungiert als Mentor und fördert den Weg des Betroffenen hin zur Überwindung der psychischen Erkrankung. Praktische Hilfen umfassen Gespräche, Beratung im Umgang mit der Erkrankung und Begleitung zu Arztterminen.

„Menschen, die selbst von psychischen Erkrankungen betroffen waren, wissen dank ihrer Erfahrungen am besten, wie es akut Betroffenen gerade geht und wobei sie im Moment die meiste Hilfe brauchen“, erläuterte der Projektkoordinator Bernd Puschner, Leiter der Sektion Prozess-Ergebnis-Forschung an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II des Universitätsklinikums Ulm am Bezirkskrankenhaus Günzburg.

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Darüber hinaus sei peer support eine relativ niedrigschwellige Interventions­maß­nahme. „Betroffene vertrauen sich jemanden, der Ähnliches durchgemacht hat wie sie selbst, eher an und bitten diese Personen offener um Hilfe als einen Psychiater oder einen Psychotherapeuten“, so Puschner.  

In der ersten Phase des Projekts bauen die Wissenschaftler neun Standorte in den sieben beteiligten Ländern auf. Dann wollen sie analysieren, welche Peer Support-Strukturen es dort bereits gibt, diese ausbauen und auf ihre Wirksamkeit testen. „Das Grundprinzip des Projektes ist eine Kooperation auf Augenhöhe mit den Partnern außerhalb von Europa bei der Entwicklung und Implementierung von Peer Support, und kein Export von westlichen Behandlungsmodellen“, so Puschner.

Das Projekt wird von Ulm aus koordiniert und über fünf Jahre mit insgesamt drei Millionen Euro gemeinsam von der Europäischen Union (EU) und der Global Alliance of Chronic Diseases (GACD) gefördert.

Beteiligt sind außerdem die University of Nottingham (Großbritannien), das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, das Butabika National Referral Hospital (Kampala, Uganda), die London School of Hygiene and Tropical Medicine, das Ifakara Health Institute (Dar es Salaam, Tansania), die Ben Gurion University of the Negev (Beer Sheva, Israel), das Centre for Mental Health Law and Policy (Pune, India) sowie die Welt­gesund­heits­organi­sation (Freetown, Sierra Leone). © hil/aerzteblatt.de

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