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Medizin

Klebsiella pneumoniae: Forscher erproben Immuntherapie als Alternative zu Antibiotika

Mittwoch, 14. März 2018

Klebsiella pneumoniae /dpa

Hamilton/Montana – Der K.-pneumoniae-Stamm ST258, der zunehmend für nosoko­miale Infektionen verantwortlich ist, könnte künftig mit einer Immuntherapie bekämpft werden, die US-Forscher jetzt in mBio (2018; 9: e00297-18) vorstellen.

Klebsiellen sind in den USA bereits für 10 % aller im Krankenhaus erworbenen Infek­tionen verantwortlich. Besondere Probleme bereitet der Stamm ST258. Er verfügt über eine Carbapenemase, der eine Resistenz gegen die meisten verfügbaren Anti­biotika vermittelt. Eine Sepsis mit ST258 endet zu 30 bis 50 % tödlich.

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Diese hohe Letalität verdankt der Stamm ST258 bestimmten Polysacchariden in seiner Kapsel. Sie verhindern, dass neutrophile Granulozyten die Klebsiellen phagozytieren und damit unschädlich machen. Dieser rasche Angriff des Immunsystem verhindert normalerweise, dass Klebsiellen dem Menschen gefährlich werden. 

Dass die Kapselpolysaccharide (CPS) ein wichtiger Virulenzfaktor sind, konnte ein Team um Frank DeLeo von den Rocky Mountain Laboratories der National Institutes of Health in Hamilton/Montana durch Experimenten mit genetisch modifizierten Bakterien zeigen. Die Entfernung des CPS-Gens führte dazu, dass der Stamm ST258 wieder von den Blutzellen phagozytiert wurde. 

Diese Entdeckung eröffnet die Möglichkeit für eine Immuntherapie. Das Oberflächen­protein CPS könnte zum einen durch monoklonale Antikörper neutralisiert werden (passive Immuntherapie). Zum anderen könnten die Patienten durch eine Impfung gegen CPS vor einer Infektion mit dem Stamm ST258 geschützt werden (aktive Immuntherapie). Für eine aktive Immuntherapie dürfte im Fall einer schweren Infektion die Zeit fehlen, da die Antikörperbildung in der Regel erst nach Wochen einsetzt. Eine passive Immuntherapie könnte sofort erfolgen, sofern ein Antikörperpräparat zur Verfügung steht.

Die US-Forscher haben einen solchen Antikörper in Kaninchen erzeugt. Erste In-vitro-Tests ergaben, dass die Antikörper tatsächlich die Phagozytose von ST258 durch Blutzellen erleichtern. Als nächstes wollen die Forscher das therapeutische Konzept an Mäusen testen. Geplant sind Experimente zur passiven und zur aktiven Immunisierung. 

Ob sich das Konzept zur klinischen Behandlung von nosokomialen Infektionen eignet, lässt sich nicht vorhersagen. In den 1980er- und 1990er-Jahren hatte es bereits klinische Studien zur aktiven Immunisierung mit Impfstoffen gegen Klebsiellen gegeben. Auch eine passive Immunisierung mit intravenösen Immunglobulinen (IVIG) wurde versucht. 

Das Konzept wurde damals nicht weiter verfolgt, weil es noch keine monoklonalen Antikörper gab, deren Anwendung einfacher und besser verträglich ist als eine Behandlung mit IVIG, die eine „wilde Mischung“ unterschiedlicher Antikörper sind und bei vielen Patienten Überempfindlichkeitsreaktion (Serumkrankheit) auslösen. Heute fehlen effektive Antibiotika und monoklonale Antikörper können relativ leicht hergestellt werden. © rme/aerzteblatt.de

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