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Pharmaindustrie sieht Arztinformations­system als zentrale Weichenstellung

Mittwoch, 14. März 2018

/emiliau, stock.adobe.com

Berlin – Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Norbert Gerbsch, hat das geplante Arztinformations­system (AIS) als „ganz zentrale Weichenstellung für die Zukunft“ bezeichnet. Erstmalig würden dem Arzt im Verordnungsvorgang auf seiner Praxissoftware Informationen zu Arzneimitteln zur Verfügung gestellt, die den Beschlüssen des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) zur frühen Nutzenbewertung neuer Arzneimittel entsprechen oder aus ihnen abgeleitet werden, sagte Gerbsch heute auf dem BPI-Unternehmertag in Berlin.

Mit dem Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz hatte der Gesetzgeber dem G-BA aufgegeben, innerhalb eines Monats nach Festlegung der frühen Nutzenbewertung eines neuen Arzneimittels eine maschinenlesbare Fassung zu dem Beschluss zu veröffentlichen, die in der Praxissoftware im Rahmen eines AIS abgebildet wird. Die Einzelheiten will das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) in einer Rechtsverordnung festlegen, die es in Kürze veröffentlichten will. Ziel des Vorhabens ist es, dass Ärzte mehr Informationen über den Zusatznutzen neuer Arzneimittel erhalten und diese Medikamente in der Folge auch häufiger verordnen.

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Weigeldt: AIS muss in den Workflow der Ärzte passen

Seit Monaten diskutieren Ärzteschaft, Pharmaindustrie und Krankenkassen darüber, wie das Arztinformationssystem genau ausgestaltet sein sollte. „Der Ansatz ist richtig“, betonte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, heute beim BPI-Unternehmertag. Allerdings müssten die Informationen so aufbereitet sein, dass sie in den Workflow der Ärzte passten. „Wir Ärzte können nicht während der Verordnung anfangen, ein ganzes PDF-Dokument durchzulesen, während draußen das Wartezimmer voll ist mit Grippepatienten“, sagte Weigeldt.

In der Regel gehe es bei den neuen Arzneimitteln nicht um Medikamente, die zur akuten Behandlung eingesetzt würden. Insofern könne man mit den Patienten auch vereinbaren, die Verordnung zu einem späteren Zeitpunkt auszustellen. 

AOK: Kein Ampelsystem

„Das Arztinformationssystem halte ich für sinnvoll“, betonte auch der Vorstands­vorsitzende des BPI, Martin Zentgraf. Er forderte, dass die Informationen den persönlichen Informationsbedürfnissen des Arztes angemessen sein müssten. Zudem sollten sie sich nicht nur auf die frühe Nutzenbewertung beschränken, sondern zum Beispiel auch um Informationen aus Leitlinien ergänzt werden.

Die Pharmaindustrie schlägt vor, dass der Arzt in seiner Praxissoftware direkt weiter­führende Informationen zu dem neuen Arzneimittel anklicken kann. Die Dokumente sollen dem Arzt dann komplett angezeigt werden. Über ein verlinktes Inhaltsver­zeichnis sollen die Ärzte zu speziellen Textstellen springen können, zum Beispiel zu einer vom G-BA gebildeten Subgruppe.

Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, sprach sich dagegen aus, Informationen aus Leitlinien in das AIS aufzunehmen. „Wir können nicht im Verordnungsprozess die Fortbildung der Ärzte ersetzen“, sagte er. „Wir brauchen übersichtliche Informationen, die trotzdem gut sind.“ Ein Ampelsystem lehnte er dabei ab. Denn zum Beispiel durch eine rote Ampel würde ein falsches Bild suggeriert werden. Stattdessen solle die Botschaft an Ärzte eher lauten, dass sie bei der Verordnung bestimmter Arzneimittel vorsichtig sein und noch einmal abwägen sollten.  

BPI erwartet von Spahn einen „konfrontativen Stil“

Zeitgleich mit dem Unternehmertag wurde in Berlin der neue Bundesgesundheits­minister Jens Spahn (CDU) vereidigt. Im Gegensatz zur Ernennung von Hermann Gröhe (CDU) zum Ge­sund­heits­mi­nis­ter vor vier Jahren sei die Ernennung von Spahn keine Überraschung gewesen, meinte Zentgraf.

Gröhes Amtszeit habe sich durch eine konsequente Abarbeitung des Koalitionsvertrags sowie durch einen offenen Dialog ausgezeichnet. Bei Spahn rechnet Zentgraf mit einem „konfrontativen Stil“ und mit „mehr Überraschungen“. So werde Spahn Themenfelder besetzen, mit denen man nicht gerechnet habe. Das biete aber auch Chancen.

Zentgraf zeigte sich enttäuscht davon, dass die Pharmaindustrie im Koalitionsvertrag von Union und SPD kaum erwähnt wird. Er befürwortete jedoch, dass die Weiter­führung des Pharmadialogs aus der vergangenen Legislaturperiode im Koalitionsvertrag genannt ist. Dabei sei es „ganz wichtig“, dass der Webfehler aus der vergangenen Legislaturperiode beseitigt worden sei.

Damals waren keine Mitglieder des Gesundheitsausschusses des Bundestags an den Gesprächen beteiligt worden. In der Folge hatte das Parlament viele Verabredungen aus dem Pharmadialog nicht umgesetzt. In dieser Legislaturperiode sollen nun Mitglieder des Gesundheits­ausschusses bei dem Pharmadialog dabei sein. © fos/aerzteblatt.de

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