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Medizin

Hautdiphtherie: Zunahme von Infektionen mit Corynebacterium ulcerans

Donnerstag, 15. März 2018

/alessandro, stockadobecom

Oberschleißheim/Bayern – In Deutschland steigt offenbar die Zahl von zoonotischen Infektionen mit Corynebacterium ulcerans. Der ursprünglich nur bei Rindern vermutete Erreger kann laut einem Bericht im Epidemiologischen Bulletin (2018; 8: 83–86) auch von Haustieren übertragen werden.

Die DTP-Impfung hat dazu geführt, dass die „echte“ Rachendiphtherie, ausgelöst durch Corynebacterium diphtheriae, extrem selten geworden ist. In Deutschland tritt sie allenfalls als reisemedizinische Erkrankung auf. Zugenommen hat dagegen die Zahl von Hautinfektionen, in denen überraschenderweise C. ulcerans nachgewiesen wird. Der Erreger ist ebenfalls in der Lage, das Diphtherie-Toxin zu bilden und damit die systemischen Symptome der  Erkrankung (Schädigung von Herzmuskelzellen beziehungsweise des peripheren Nervensystems mit neurologischen Ausfällen und Lähmungen) auszulösen.

Im Konsiliarlabor für Diphtherie am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Oberschleißheim wurden zwischen 2011 und 2016 in 66 Isolaten C. ulcerans nachgewiesen, 56 Proben davon waren von Haut oder Weichteilen entnommen worden. Nur 6 Isolate stammten aus dem Mund-Rachen-Raum, dem klassischen Ausgangsort einer Diphtherie. Wie Anja Berger vom LGL und Mitarbeiter berichten, wurde bei 56 der 66 Isolate das „tox“-Gen nachgewiesen.

Weitere 44 Proben stammten von Tieren und zwar keineswegs von Rindern: Neben 18 Isolaten von Wildschweinen, 10 von Zoo-Ratten, jeweils einem von Fuchs, Biber und Affe, waren in 13 Fällen auch Haustiere (Hund und Katze) betroffen.

Die Haustiere kommen damit als Übertrager von C. ulcerans infrage. Denn zum einen konnten Übertragungen von Mensch-zu-Mensch bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden. Zum anderen wurden die Infektionen in den meisten Fällen im Inland erwor­ben, sodass sie von heimischen Tierarten übertragen werden mussten, zu denen die Patienten direkten Kontakt gehabt haben müssten. Die Tiere müssen laut Berger nicht notwendigerweise selbst erkrankt sein.

Wie häufig die Erkrankung ist, lässt sich aus den Zusendungen an das Konsiliarlabor nicht abschätzen (auch wenn die Meldepflicht seit Juli 2017 auf alle toxigenen Corynebakterien ausgedehnt wurde). Es ist wahrscheinlich, dass nicht alle Erkrankungen erkannt werden.

Auch eine Zunahme der Erkrankungen ist durch die Zahlen nicht sicher belegt. Es könnte durchaus sein, dass die Erkrankung aufgrund der verbesserten technischen Ausstattung der vorgeschalteten Labors nur häufiger erkannt wird. Fest steht allerdings, dass die Hautdiptherie durch C. ulcerans in Deutschland auftritt und dass sie vermutlich in vielen Fällen durch Haustiere erfolgt. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hält allerdings auch eine Übertragung durch unpasteurisierte Milchprodukte für möglich.

Eine Hautdiphtherie führt laut dem gerade aktualisierten Ratgeber für Ärzte zu Ulzerationen, die meist an den Beinen auftreten. Meist handelt es sich um Mischinfektionen mit A-Streptokokken und/oder Staphylokokken. Bei kleinen Läsionen wird in der Regel nur wenig Toxin freigesetzt, sodass toxische Erscheinungen eher selten sein dürften. Die Rachendiphtherie ist weiterhin eine lebensgefährliche Erkrankung. Die Letalität der respiratorischen Diphtherie liegt laut RKI bei 5 bis 10 %. Bei Kindern unter 5 Jahren und Erwachsenen über 40 Jahren kann sie 20 bis 40 % betragen. © rme/aerzteblatt.de

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