NewsVermischtesJedes siebte Kind in Deutschland zu dick oder fettleibig
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Jedes siebte Kind in Deutschland zu dick oder fettleibig

Donnerstag, 15. März 2018

/dpa

Berlin – Etwa jedes siebte Kind in Deutschland ist zu dick oder sogar fettleibig. Das zeigt eine aktuelle Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, die das Robert-Koch-Institut (RKI) heute vorstellte. Demnach sind 15,4 Prozent der Mädchen und Jungen im Alter zwischen drei und 17 Jahren übergewichtig. Fast sechs Prozent davon haben Adipositas.

Damit sind genauso viele Kinder und Jugendliche übergewichtig oder fettleibig wie vor zehn Jahren, als es im Zeitraum von 2003 bis 2006 erstmals eine solch großangelegte Untersuchung zur Kinder- und Jugendgesundheit (Kiggs) gab. Der Anstieg von Übergewicht und Adipositas ist dem RKI zufolge zwar gestoppt, es gebe aber eine „Stabilisierung auf hohem Niveau“. Deshalb könne auch keine Entwarnung gegeben werden.

Anzeige

Unterschiede zwischen Einkommensklassen

Während sich zwischen Mädchen und Jungen keine Unterschiede zeigten, sind Kinder aus sozial benachteiligten Familien jedoch rund viermal häufiger stark übergewichtig als Gleichaltrige mit hohem sozialökonomischen Status. Die Daten der jüngsten Studie stammen aus den Jahren 2014 bis 2017.

Sie zeigen zum Beispiel auch, dass mehr als die Hälfte der zwei- bis sechsjährigen Kinder mit Übergewicht oder Adipositas auch als Jugendliche übergewichtig beziehungsweise fettleibig sind. Im Umkehrschluss heißt das, dass weniger als die Hälfte es später schafft, die Pfunde wieder loszuwerden. Aus Sicht der Experten bestätigt dies, wie notwendig eine frühe Vorbeugung ist.

Zu wenig Bewegung

Wie die Studie weiter zeigt, bewegen sich Kinder und Jugendliche in Deutschland entschieden zu wenig. Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) empfiehlt den Heranwachsenden mindestens 60 Minuten aktive Bewegungszeit pro Tag – doch nur 22,4 Prozent der Mädchen und 29,4 Prozent der Jungen schaffen dies. Das sind weniger als bei der ersten Untersuchung vor gut zehn Jahren.

Der Konsum zuckerhaltiger Getränke sank zwar deutlich, ist aber immer noch viel zu hoch. Aktuell trinken knapp 17 Prozent der Mädchen und rund 22 Prozent der Jungen ein- oder mehrmals täglich zuckergesüßte Erfrischungsgetränke. Vor einem Jahrzehnt war der Konsum mit rund 28 Prozent bei den Mädchen und 34 Prozent bei den Jungen noch erheblich höher. Cola, Limonade und Co. gelten als Risikofaktor für die Entstehung von Übergewicht, Adipositas, Diabetes und weiteren chronischen Krankheiten.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch wies der Lebensmittelindustrie eine Mitverant­wortung zu. Neun von zehn Lebensmitteln, die etwa mit Comicfiguren für Kinder beworben würden, seien „zu süß, zu fettig, zu salzig“ und entsprächen nicht den Vorgaben der WHO für gesunde Kinderprodukte.

Foodwatch forderte die Bundesregierung zu wirksamen Maßnahmen auf. „Wir brauchen Werbebeschränkungen für ungesunde Kinderlebensmittel, eine verständliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben und eine Herstellerabgabe für überzuckerte Getränke“, erklärte Luise Molling von der Verbraucherorganisation.

Weniger Frauen Rauchen in der Schwangerschaft

Die Studie wartet auch mit weiteren Ergebnissen auf. So hat zum Beispiel bei jedem neunten Kind im Alter von null bis sechs Jahren die Mutter in der Schwangerschaft geraucht. Im Vergleich zur ersten Erhebung von 2003 bis 2006 ist damit der Anteil der schwangeren Raucherinnen um die Hälfte gesunken. Weiterhin bleiben die Hauptrisikogruppen sehr junge Mütter und Frauen aus einem sozial schwachen Umfeld.

Die Kiggs-Daten seien eine wichtige Grundlage für evidenzbasierte Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar H. Wieler. „Vor allem die Frage, wann entscheidende Weichen für die körperliche und seelische Gesundheit gestellt werden, können wir mit den neuen Längsschnittdaten besser untersuchen.“

Bei rund 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen finden sich der Erhebung zufolge Anhaltspunkte für psychische Auffälligkeiten. Die Häufigkeit ist im Vergleich zu den letzten Erhebungen etwa gleich geblieben. Jungen haben häufiger sowohl emotionale als auch verhaltensbezogene Probleme als Mädchen. Wie aus der Erhebung weiter hervorgeht, bleibt die Mehrheit rauchender Jugendlicher (85 Prozent) auch im Erwachsenenalter Raucher. Nur 15 Prozent gelingt es, aufzuhören.

Kiggs ist die einzige umfassende Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. An der jüngsten Untersuchung beteiligten sich rund 10.800 Teilnehmer aus der ersten Befragung. Zudem gab es eine neue unter rund 15.000 Kindern und Jugendlichen. Untersucht wurden dabei etwa auch psychische Auffälligkeiten im Lebensverlauf, die Entwicklung des Rauchverhaltens und die Verbreitung von Allergien. © afp/kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. Oktober 2020
Dublin – Von den Innenflächen von Babyflaschen aus Polypropylen lösen sich bei der Benutzung mikroskopisch kleine Kunststoffpartikel. Nach Berechnungen in Nature Food (2020; DOI:
Babyflaschen setzen Mikroplastik frei
19. Oktober 2020
Berlin – Wegen eines Fehlers bei den neuen Coronabesuchsregeln für Krankenhäuser bessert die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit ihre Verordnung nach. Die erst vorgestern in Kraft getretene
Fehler in Berliner Verordnung: Doch länger Besuch für kranke Kinder
16. Oktober 2020
Berlin – Kitas sind keine Treiber des Infektionsgeschehens mit SARS-CoV-2 in Deutschland. Das betonten heute Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey (SPD) und Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn
Kitas sind keine Treiber der Coronapandemie
16. Oktober 2020
Erfurt – Behandlungen bei Kindern mit Sprechstörungen nehmen in Thüringen zu. Nach Zahlen der Krankenkassen haben Ärzte im Jahr 2019 knapp 27.000 Rezepte für eine Sprachtherapie für Heranwachsende bis
Mehr Kinder in Thüringen wegen Sprechstörungen in Therapie
16. Oktober 2020
München − Die Coronapandemie wirkt sich nach Angaben von Ernährungsmedizinern negativ auf das Gewicht von Kindern vor allem aus sozial benachteiligten Familien aus. „Das Risiko von Übergewicht
Corona begünstigt Gewichtszunahme sozial schwacher Kinder
13. Oktober 2020
New York – Obwohl Neugeborene sich bei ihrer Mutter mit SARS-CoV-2 anstecken und an einer Pneumonie erkranken können, scheint das Risiko im klinischen Alltag überschaubar zu sein. In einer Fallserie
SARS-CoV-2: Neonatale Infektionen selten und meist ungefährlich
9. Oktober 2020
Phoenix/Arizona – Die infantile Zerebralparese, die lange Zeit mit Geburtskomplikationen in Verbindung gebracht wurde, hat nach heutiger Auffassung eher genetische Ursachen. US-Forscher fanden in der
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER