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Medizin

Epilepsie: Versorgung und EEG-Monitoring nach dem Vorbild der Stroke-Units

Freitag, 16. März 2018

Gerade in der Telemedizin erschweren verschiedene EEG-Formate die einheitiche Analyse. /dpa

Berlin – Elektroenzephalografie (EEG)-Befunde stehen im Mittelpunkt der Epilepsie-Diagnose und -Therapie. Jedoch gebe es zu viele verschiedene EEG-Formate, bemän­gelten gestern Experten der Deutschen Gesellschaft für klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) bei ihrer Jahrestagung in Berlin. Eine teleme­dizinische Versorgung, die Patienten auch in ländlichen Regionen abseits von Epilepsiezentren betreut, stünde daher noch am Anfang. 

Das Beispiel der Stroke-Units zeigt, dass eine flächendeckende Versorgung möglich ist. CT- oder MRT-Bildern des Gehirns werden hier im standardisierten DICOM-Format ausgetauscht. Gleichzeitig kann ein Arzt den Kollegen vor Ort per Video bei der Untersuchung und Befundung unterstützen. 

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Was an telemedizinischen Schlaganfallnetzwerken bereits vielfach erprobt ist, sollte auch der Versorgung von Epilepsie-Patienten zur Verfügung stehen“, sagte Felix Rosenow, Leiter des Epilepsiezentrums am Universitätsklinikum Frankfurt. Bei einigen Betroffenen dauere es bis zu 17 Jahre, bis sie in einem Epilepsiezentrum die Diagnose erhalten.

Ein zentrales Problem in der Epilepsie-Versorgung aus der Ferne: Es gibt kein standar­disiertes Format für das EEG. Es sei nicht ungewöhnlich, dass EEG-Bilder mit dem Fax verschickt würden, um die Meinung eines Spezialisten einzuholen, berichtete Rosenow. Auswärts erhobene EEG-Befunde ermöglichen oft keine qualitativ ausreichende Nachbefundung.

Eine Kommission der International Federation für Clinical Neurophysiology (IFCN) befasst sich daher mit der Speicherung von EEG-Daten im DICOM-Format. Diese standardisierte Datenspeicherung müsse kompatibel mit den KIS-Systemen der Krankenhäuser sein, sagte der Neurologe. Zudem würden in der Differenzialdiagose von Epilepsien zunehmend Laienvideos von Anfällen an Bedeutung gewinnen.

Um epileptologische Expertise hierzulande in der Fläche verfügbar zu machen, gibt es diverse regionale Projekte. Einige wurden bei der DGKN-Jahrestagung vorgestellt. „Vor allem Patienten, die nicht anfallsfrei werden – was ein Drittel betrifft – könnten von einem Tele-Konsil oder auch einem EEG-Monitoring aus der Ferne profitieren“, hofft Rosenow.

Solche automatischen Überwachungs-Anwendungen machen nur dann Sinn, wenn bei einem Alarm für einen epileptischen Anfall innerhalb von maximal fünf Minuten Hilfe vor Ort ist. Felix Rosenow, Leiter des Epilepsiezentrums am Universitätsklinikum Frankfurt

Epilepsie-Management-Apps und Wearables, wie Lola oder Embrace, das bereits 2017 von der EMA und im Februar 2018 auch von der FDA zugelassen wurde, werden hierbei noch nicht eingesetzt. „Solche automatischen Überwachungs-Anwendungen machen nur dann Sinn, wenn bei einem Alarm für einen epileptischen Anfall innerhalb von maximal fünf Minuten Hilfe vor Ort ist“, sagt Rosenow. In vielen Singlehaushalten ist diese Voraussetzung nicht gegeben. „Die meisten Kollegen sind daher noch skeptisch.“ Dauert der Anfall länger als fünf Minuten, kann dies lebensgefährlich sein.

Regionale Epilepsie-Projekte im Überblick

  1. Das „EpilepsieNetz Hessen“
    Geplant sind telemedizinische Konsile unter Verwendung von klinischen, MRT- und EEG-Daten. Letztere sollen in DICOM gespeichert werden.
  2. Das „Telemedizinische Netzwerk für Epilepsie in Bayern“
    Dieses Netzwerk wurde bereits evaluiert: Die diagnostische Einschätzung wurde zu 61,4 % übernommen, die Therapieempfehlungen zu 71,7 % umgesetzt. 
  3. Studie zum Nutzen des ambulanten Trockenhauben-EEG
    Es wird der Einfluss eines EEG-Monitorings in der häuslichen Umgebung im Vergleich zu einem Routine-EEG in der Klinik auf das Patientenmanagement untersucht. 
  4. Akutneurologische Versorgung in Nordostdeutschland mit telemedizinischer Unterstützung 
    Im Rahmen der Initialbehandlung werden unter anderem Patienten mit Status epilepticus, mit unklaren Bewusstseinsstörungen sowie mit bekannter Epilepsie telemedizinisch versorgt. 
  5. NEVAS-Netzwerk 
    Das NEVAS-Netzwerk ist ein Versorgungsnetzwerk für akute Schlaganfälle. Als
    Differenzialdiagnose ist der epileptische Anfall bzw. der postiktale Zustand eine der häufigsten Fragestellungen. 
  6. Tele-EEG im Rahmen einer Konsiliartätigkeit in pädiatrischer Epileptologie (Keßler-Uberti, Rosenheim) Es gibt in Deutschland 553 berufstätige Neuropädiater, von denen 149 ein Zertifikat Epileptologie besitzen. Es stellt sich daher die Frage, welchen Beitrag das Tele-EEG leisten kann, um diese Versorgungslücke zu schließen.
  7. Speicherung von EEG in DICOM-Standardformat Eine Integration des EEG in das DICOM-Format könnte dazu führen, dass das EEG aus dem KIS heraus aufgerufen und auch befundet werden könnte.
  8. NeuroESP - Assistenzsystem zur Warnung vor epileptischen Anfällen
    Ein mobiles System soll die telemedizinische Überwachung und Behandlung von Epilepsiepatienten sowie eine zuverlässige Vorhersage epileptischer Anfälle ermöglichen. Dafür sollen Methoden zur Signalanalyse entwickelt werden, in ein EEG-Messsystem integriert und im klinischen Umfeld validiert werden. Parallel dazu ist die Entwicklung eines drahtlosen EEG-Headsets geplant, das die EEG-Signale über Funk überträgt und den Patienten ein freies Bewegen ermöglicht.
© gie/aerzteblatt.de

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