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Politik

Onkologen kritisieren Preiserhöhung für Carmustin

Freitag, 16. März 2018

/Gina Sanders, stockadobecom

Berlin – Bei Carmustin, einem unverzichtbaren Arzneimittel in der Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Lymphknotenkrebs, hat es zum Jahresbeginn erneut einen deutlichen Preissprung gegeben. Das haben gestern die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO), die Deutsche Arbeits­gemein­schaft für Knochenmark- und Blutstammzelltransplantation (DAG-KBT), die Arbeits­gemeinschaft Zelltherapie der Deutschen Lymphom-Allianz (GLA) und die Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe (DLH) kritisiert.

Demzufolge ist der Preis von Carmustin zum 1. Januar 2018 auf 1.400 Euro je 100 Milligramm (mg) angestiegen. Im vergangenen Jahr habe dieser noch bei 466 Euro gelegen, teilte die DGHO mit. „Nach kontinuierlicher Preissteigerung seit 2013 hat sich der Preis zu Beginn dieses Jahres nochmals verdreifacht“, schreiben die Fachgesell­schaften. Sie bezeichneten den Vorgang als „weiteres Beispiel für die fortbestehenden Unsicherheiten der medikamentösen Versorgung von Krebspatienten, vor allem mit älteren Arzneimitteln außerhalb des Patentschutzes“.

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Neuer Importeur, höherer Preis

Das Problem ist, dass bei Carmustin ein Marktmonopol besteht. Der frühere Inhaber des Medikamentes Bristol-Myers Squibb hatte die Lizenz für Carmustin 2013 an das indische Unternehmen Emcure Pharmaceuticals abgegeben. Seither gibt es weltweit nur einen einzigen Hersteller. 2014 wurde das Arzneimittel zudem in Deutschland vom Markt genommen. Seitdem ist es nur über einen einzigen Importeur in Deutschland zu beziehen. Zum Jahresbeginn wechselte der Importeur erneut. War es im vergangenen Jahr noch über Nexcape Pharmeceuticals in Großbritannien zu erhalten, ist nun Tillomed Pharma der zuständige Importeur. Bei Tillomed Pharma war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

„Seit erneutem Wechsel des Alleinimporteurs für Deutschland Anfang 2018 hat sich der Preis für Carmustin nochmals stark erhöht und beträgt mittlerweile mehr als das 40-Fache des Preises von vor 2013“, erklärten die Onkologen. Sie teilten mit, damals habe der Preis bei 35 Euro je 100 mg gelegen. Aus ihrer Sicht sind Tumorkliniken und die betroffenen Krebspatienten der monopolistischen Preisgestaltung hilflos ausgeliefert.

Die Preiserhöhung bedeute für die Kliniken eine dramatische finanzielle Mehr­belas­tung, die im aktuellen Vergütungssystem dazu führe, dass autologe Blutstamm­zelltransplantationen mit Carmustin nicht mehr kostendeckend durchgeführt werden könnten. Jede einzelne Transplantation führe derzeit zu einem Verlust von mehreren Tausend Euro für die transplantierende Klinik, hieß es.

Bernhard Wörmann, Medizinischer Leiter der DGHO, erläuterte dem Deutschen Ärzteblatt, das Problem sei, dass die Verhandlungen mit den Krankenkassen über die Kosten immer für ein Jahr im Voraus erfolgten. Somit könne die Preiserhöhung zum 1. Januar in der Erstattungssystematik nicht für das laufende Jahr abgebildet werden.

„Eine derart rasante Kostensteigerung ist durch die aktuellen Vergütungsmechanismen im DRG-System nicht aufzufangen“, erläuterte Nicolaus Kröger, Sprecher der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Knochenmark- und Blutstammzelltransplantation. Er fordert für Medikamente dieser Art eine dynamische Refinanzierung im Vergütungssystem.

Politik gefordert

Michael Hallek, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO, wies darauf hin, dass insbesondere die Monopolisierung in der Herstellung von Arzneimitteln mit abgelaufenem Patentschutz zu einer hohen Abhängigkeit führt. „Hier müssen wir gemeinsam mit der Politik dafür sorgen, dass eine Balance zwischen einem auskömmlichen Mindestpreis und dem Schutz vor unkalkulierbaren Preisexplosionen gefunden wird“, sagte er.

Einerseits müsse es sich lohnen, die Medikamente sicher und in hoher Qualität herzustellen. Andererseits dürften Herstellungsmonopole nicht zulasten solidarischer Gesundheitssysteme und zulasten von Krebspatienten missbraucht werden, wenn der Patentschutz abgelaufen sei. Die Fachgesellschaften und die Patientenorganisation fordern die Politik auf, sich verstärkt um die Sicherung der Versorgung mit unverzichtbaren Krebsmedikamenten zu kümmern. © may/aerzteblatt.de

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