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Medizin

Hornhauttrübung: Zellinjektion könnte Transplantation ersetzen

Freitag, 16. März 2018

/YakobchukOlena, stockadobecom

Kyoto – Die Injektion von humanen kornealen Endothelzellen in die vordere Augen­kammer hat in einer ersten klinischen Studie bei Patienten mit bullöser Keratitis die Hornhauttrübung beseitigt und die Sehstärke der meisten Patienten verbessert. Das im New England Journal of Medicine (2018; 378: 995–1003) vorgestellte Verfahren vermei­det viele Nachteile der Hornhauttransplantation, die heute noch die Standard­behandlung ist. 

Die bullöse Keratitis, die durch die Bildung von Blasen in der Hornhaut des Auges gekennzeichnet ist, beschreibt eine Gruppe von Erkrankungen, die durch eine Beschädigung des Endothels ausgelöst werden, das die Hornhaut innen zur vorderen Augenkammer hin auskleidet. Die kornealen Endothelzellen sind für eine ausreichende Hydratation der Cornea zuständig, ohne die es rasch zu einem Verlust der Transparenz und damit zur Erblindung kommt.

Eine häufige Ursache der bullösen Keratitis ist die autosomal-dominant vererbte Fuchs-Endotheldystrophie, bei der die kornealen Endothelzellen im mittleren Lebensalter allmählich absterben. Zur Hornhauttrübung kommt es in der Regel, wenn die mittlere Dichte der kornealen Endothelzellen, die bei Gesunden bei 2.000/mm2 beträgt auf unter 400/mm2 abgefallen ist. 

Die einzige Behandlung besteht derzeit in einer Hornhauttransplantation (oder einer seiner Varianten), die jedoch nicht immer zu optimalen Ergebnissen führt. Ein wesent­lich einfacheres und weniger invasives Verfahren haben Augenärzte aus Japan entwickelt. Statt die gesamte Hornhaut zu transplantieren, isolieren die Forscher die kornealen Endothelzellen aus der gespendeten Hornhaut, vermehren sie danach in Zellkulturen, um sie den Patienten dann in die vordere Augenkammer zu injizieren.

Der Patient behält seine alte Hornhaut, von der nur zu Beginn der Behandlung die abgestorbenen kornealen Endothelzellen abgeschabt werden. Nach der Injektion müssen die Patienten für 3 Stunden auf dem Bauch liegen, damit die kornealen Endothelzellen auf die Innenseite der Cornea sinken. Danach können sie die Klinik verlassen.

Shigeru Kinoshita von der medizinischen Universität der Präfektur Kyoto und Mitarbeiter führen die Behandlung seit Dezember 2013 durch, und die jetzt vorgestellten Ergebnisse der ersten 11 Patienten mit bullöser Keratitis (die meisten davon mit Fuchs-Endotheldystrophie), bei denen jeweils ein Auge behandelt wurde, sind vielversprechend. 

Ein halbes Jahr nach der Behandlung hatte sich bei allen 11 Patienten ein neuer Rasen von kornealen Endothelzellen gebildet mit einer Dichte von 947 bis 2.833/mm2, die eine ausreichende Hydrierung der Cornea ermöglichen sollten. Tatsächlich ist es bei allen Patienten zu einem Rückgang des Ödems gekommen. Die Hornhautdicke liegt bei 10 Patienten unter der Grenze von 630 µm, und bei 11 Patienten hat sich die Sehschärfe um 2 Linien oder mehr verbessert.

Der Erfolg dürfte wenigstens teilweise auf der gleichzeitigen Injektion eines Inhibitors der „rho-associated protein kinase“ (ROCK) beruhen. Dieses Mittel sollte in erster Linie den Einbau der kornealen Endothelien fördern. Es ist jedoch möglich, dass es die Funktion der körpereigenen Endothelien verbessert. Die japanischen Augenärzte setzen den ROCK-Inhibitor auch im Frühstadium der Erkrankung in Form von Augentropfen ein – ohne eine begleitende Injektion von kornealen Endothelzellen.

Eine offene Studie mit gerade einmal 11 Patienten ist sicher nicht in der Lage, Nutzen und Sicherheit der Behandlung zu belegen. Zu den offenen Fragen gehört für den Editorialisten Reza Dana vom Massachusetts Eye and Ear Infirmary in Boston, was mit den kornealen Endothelzellen geschieht, die nicht in die Cornea eingebaut werden. Falls sie mit dem Augenwasser drainiert werden, bestehe die Gefahr, dass sie sich im Trabekelnetz des Augenwinkels verfangen und den Schlemmschen Kanal blockieren. Bei 1 der 11 Patienten war es denn auch zu einem  Anstieg des Augeninnendrucks gekommen, den die japanischen Ärzte jedoch auf den hochdosierten Einsatz von Glukokortikoiden zurückführen. Ein weiteres Risiko besteht wie bei vielen Zelltherapien in der Bildung von Tumoren. Hierfür gibt es bisher keinerlei Hinweise. Weitere klinische Test sind auch nach Ansicht der japanischen Mediziner erforderlich. © rme/aerzteblatt.de

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