NewsÄrzteschaftIntensivmediziner warnen vor Personalmangel in Kliniken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Intensivmediziner warnen vor Personalmangel in Kliniken

Freitag, 16. März 2018

/dpa

Berlin – Auf Deutschlands Intensivstationen zeichnet sich ein gravierenderer Mangel an Pflegepersonal ab. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) hingewiesen. Die Fachgesellschaft hat deshalb an die Politik appelliert, die Rahmenbedingungen für die Intensivpflege neu zu ordnen und Arbeitsbedingungen, Pflegeschlüssel und Bezahlung deutlich zu verbessern.

Hintergrund für den Appell ist eine Umfrage der DGIIN unter den Weiterbildungs­befugten der Intensivstationen in Deutschland. Ergebnis: In den vergangenen Monaten mussten auf rund drei Vierteln der deutschen Intensivstationen Betten gesperrt werden. In 22 Prozent der Fälle mussten sogar täglich Betten gesperrt werden. Von den Sperrungen waren meist zwei oder drei Betten betroffen.

Anzeige

Als Gründe für die Bettensperrung gab der DGIIN zufolge knapp die Hälfte der Befragten (43,8 Prozent) den Mangel an Pflegepersonal an, rund ein Fünftel (18,8 Prozent) machte einen kombinierten Mangel an Ärzten und Pflegenden dafür verantwortlich.

Auch die Notfallversorgung leidet unter dem Personalmangel. So gaben lediglich 18 Prozent der Befragten an, dass die Notfallversorgung nicht beeinträchtigt war. Ganz direkt drückt sich der Mangel auch im Betreuungsschlüssel von Pflegenden zu Patienten aus, der laut den Vorgaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin bei 1:2 liegen sollte, bei schwerem Organversagen sogar bei 1:1. „Tatsächlich muss eine Pflegekraft aber tagsüber 2,5 bis 2,6 Patienten versorgen, nachts sogar durchschnittlich 3,1“, sagte DGIIN-Generalsekretär Uwe Janssens.

Um mehr Menschen für die Arbeit in der Intensivpflege gewinnen zu können, bräuchte es laut DGIIN eine bessere Anerkennung dieser hochqualifizierten und verantwor­tungsvollen Aufgabe, einschließlich einer besseren Vergütung der ständigen Arbeit in Spät-, Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdiensten.

Auch der Erwerb zusätzlicher Qualifikationen wie eine Fachweiterbildung oder künftig auch die Absolvierung eines Masterstudiengangs in Intensivpflege, sollten gefördert und besser honoriert werden. Die aktuell politisch geforderten Personaluntergrenzen, die einer Überlastung der Pflegenden entgegenwirken sollen, greifen in der jetzigen Form ohne begleitende Förderung und Aufwertung der Intensivpflege zu kurz, so DGIIN-Präsident Reimer Riessen.

„Und wir benötigen dafür eine grundsätzliche Reform der Vergütung intensivmedi­zinischer Leistungen, welche die für eine Intensivstation angemessene Personal­ausstattung separat und nicht über die jetzigen Fallpauschalen gegenfinanziert“, forderte er. Die auf Intensivstationen immer häufigere Kompensation von Personal­mangel durch den Einsatz von Zeitarbeitern führt seiner Ansicht nach längerfristig eher zu einer weiteren gravierenden Verschärfung des Problems und zu Qualitätseinbußen. © hil/sb/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

20. September 2018
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn dringt im Kampf gegen die Personalnot in der Pflege auf bessere Arbeitsbedingungen. „Derzeit ist die Pflege der am wenigsten planbare Beruf, den es gibt“,
Spahn dringt auf bessere Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte
17. September 2018
Berlin – Das „International Centre on Nurse Migration (ICNM)“ hat kürzlich zusammen mit dem Weltverband der Pflegeberufe (ICN) ein Strategiepapier zur Mitarbeiterbindung in der Pflege vorgestellt. Der
Berufsverband stellt Strategiepapier zur Mitarbeiterbindung in der Pflege vor
14. September 2018
Hannover – Arbeitnehmer, die den Arbeitgeber auf mögliche Misstände hinweisen, dürfen dafür nicht von ihrem Arbeitgeber abgestraft werden. Das hat das Landesarbeitsgericht Niedersachsen (Az.: 14 Fa
Abmahnung wegen Anzeige einer Gefährdungslage nicht rechtskonform
10. September 2018
Berlin – Die Zahl der Pflegebedürftigen könnte von etwa drei Millionen im Jahr 2015 auf vier Millionen im Jahr 2035 steigen. Das geht aus einer Simulationsrechnung des Instituts der deutschen
Bis 2035 fehlen mindestens 130.000 Altenpflegekräfte
10. September 2018
Berlin – Politiker, Patientenschützer und Krankenkassen fordern, das Geschäft mit Intensivpatienten, die dauerhaft außerhalb von Krankenhäusern gepflegt werden, stärker zu kontrollieren. „Das ist ein
Mehr Kontrolle bei Intensivpflege gefordert
10. September 2018
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) hat die Einführung von Pflegepersonaluntergrenzen in der Intensivmedizin begrüßt, aber vor
Intensivmediziner regen längere Übergangsfrist für Pflegepersonaluntergrenzen an
7. September 2018
Berlin – Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, hat feste Personaluntergrenzen auch für Pflegeheime gefordert. „Was für Kliniken gilt, muss auch für die stationäre

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER