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Medizin

Palliativmedizin: Gute Erfahrungen mit medizinischem Cannabis in Israel

Montag, 19. März 2018

/dpa

Beer-Sheva/Israel – In Israel, wo derzeit 30.000 Patienten Cannabis auf Rezept erhalten, sind die Erfahrungen überwiegend positiv. Nach einer aktuellen Umfrage unter Krebspatienten im European Journal of Internal Medicine (2018; doi: 10.1016/j.ejim.2018.01.023) konnten viele Krebspatienten durch die Behandlung  mit medizinischem Cannabis auf Opioide verzichten.

Das israelische Ge­sund­heits­mi­nis­terium erlaubt die Verordnung von Cannabis seit 2007. Die meisten Patienten erhalten es zur palliativen Behandlung von Krebser­krankungen, wobei die Schmerzbehandlung im Vordergrund steht. Ein Team um Victor Nowack von der Ben-Gurion Universität des Negev in Beer-Sheva hat 2.970 Krebs­patienten, die zwischen 2015 und 2017 mit der Behandlung begannen, mehrfach nach ihren Erfahrungen befragt. Die Antworten fielen überwiegend positiv aus.

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Der Anteil der Patienten, die ihre Schmerzen auf einer visuellen Analogskala mit 8 bis 10 von maximal 10 einstufte, ist von 52,9 % vor Beginn der Behandlung auf unter 4,6 % gesunken. Gleichzeitig sagten 36,0 % der Patienten, dass sie die Opioide, die sie zuvor zur Schmerzbehandlung erhalten hatten, abgesetzt hätten, weitere 9,9 % hatten die Dosis reduziert. Etwa gleich viele Patienten hatten andere Schmerzmittel wie Steroide (31,7 %) oder Analgetika/Antipyretika (31,6 %) abgesetzt.

Unter der Cannabisbehandlung (und dem Opioidverzicht) besserten sich Übelkeit und Obstipation (die häufige Nebenwirkungen von Opiaten sind), sodass 67 % der Patienten auf Antiemetika und 31,5 % der Patienten auf Laxanzien verzichten konnten. Auch die Verordnung von Anxiolytika (23,8 % verzichteten darauf), und Hypnotika (25,4 % verzichteten darauf) ging zurück, was Nowack als einen Beleg dafür bewertet, dass Cannabis den Patienten geholfen hat, sich mit ihrer Krankheit abzufinden. Das sehen offenbar auch die Patienten so: Der Anteil, der die Lebensqualität als gut einstuften, stieg von 18,7 auf 69,5 % – und das bei einer unheilbaren Krebserkrankung. 

Die Verträglichkeit der Cannabispräparate, die in Israel hergestellt werden, scheint gut zu sein. Zwar gaben 30 % Nebenwirkungen wie Schwindel, Mundtrocken­heit, Appetit­losigkeit, Schläfrigkeit oder psychoaktive Beschwerden an. Die meisten Patienten kamen jedoch mit den Nebenwirkungen zurecht und der Nachteil wurde durch das Entfallen der Nebenwirkungen anderer Medikamente mehr als aufgehoben. 

Trotz der guten Ergebnisse warnt Novak (der in einem Editorial finanzielle Interessen­konflikte als Berater des größten Anbieters von medizinischem Cannabis angibt) davor, die Möglichkeiten von medizinischem Cannabis zu überschätzen. Die in den Massen­medien veröffentlichten Wundergeschichten über Allheilmittelwirkungen des Cannabis würden häufig zu Konfrontationen zwischen der Öffentlichkeit, die diese neue Behandlung fordert, und einem „konservativen“ medizinischen Establishment führen, die die Behandlung ablehnt.

Die Wahrheit ist wohl, dass über die Wirkungen und Risiken der Droge, die seit vielen Jahrhunderten als Medizin benutzt wird, recht wenig bekannt ist. Das European Journal of Internal Medicine, das Organ der European Federation of Internal Medicine ist, hat deshalb in der aktuellen Ausgabe eine Reihe von Beiträgen veröffentlicht, die den derzeitigen Wissensstand zusammenfassen. © rme/aerzteblatt.de

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