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Medizin

Altersbereinigte Krebssterblichkeit in Europa sinkt weiter

Montag, 19. März 2018

/Christoph Burgstedt, stockadobecom

Mailand – In der Europäischen Union werden in diesem Jahr vermutlich 1,4 Millionen Menschen an Krebs sterben. Das sind 100.000 mehr als vor 6 Jahren, doch die altersbereinigte Mortalitätsrate vieler Krebsarten sinkt seit den 1990er-Jahren. Eine Studie in den Annals of Oncology (2018; doi: 10.1093/annonc/mdy033) hebt vor allem die günstige Entwicklung beim Kolorektalkarzinom hervor.

Die Zunahme der Krebstodesfälle in Europa erklärt sich einzig aus der Zunahme der Bevölkerung in einigen Ländern und vor allem der gestiegenen Lebenserwartung, denn die meisten Krebserkrankungen werden im Alter häufiger. Die altersbereinigten Mortalitätsraten, die ein Team um Carlo La Vecchia von der Universität Mailand für 27 Länder der EU (für Zypern fehlen Angaben) ermittelt hat, zeigen insgesamt eine günstige Entwicklung. Bei Männern ist die Sterblichkeit an Krebserkrankungen seit 2012 um 10,3 % auf 128,9 pro 100.000 Personen zurückgegangen, bei Frauen gab es einen Rückgang um 5,0 % auf 83,6/100.000 Personen. Der geringere Rückgang bei den Frauen ist vor allem auf die Zunahme der Lungenkrebstodesfälle zurückzuführen.

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Lungenkrebs ist die häufigste tödliche Krebserkrankung. Bei Männern war dies seit Längerem so. Bei Frauen war Brustkrebs lange die häufigste tödliche Krebserkrankung. Inzwischen sterben mehr Frauen an Lungenkrebs. Die altersbereinigte Mortalitätsrate am Lungenkrebs liegt bei Männern derzeit bei 32 pro 100.000 und bei Frauen bei 15 pro 100.000. Für Männer bedeutet dies einen Rückgang um 13 % seit 2012, bei Frauen ist es in der gleichen Zeit zu einer Zunahme um 6 % gekommen. La Vecchia schätzt, dass in diesem Jahr 183.100 Männer und 94.500 Frauen an Lungenkrebs sterben werden, das sind etwa 1 Fünftel aller Krebstodesfälle.

Die zweithäufigste tödliche Krebserkrankung in beiden Geschlechtern ist das Kolo­rektal­karzinom. Nach der Voraussage von La Vecchia werden in diesem Jahr 98.000 Männer und 79.400 Frauen an Darmkrebs sterben. Dies entspricht einer alters­bereinigten Mortalitätsrate von 15,8 pro 100.000 Männer und von 9,2 pro 100.000 Frauen. Bei Frauen kam es seit 2012 zu einem Rückgang um 7,5 %, bei Männern um 6,7 %.

Neben Darmkrebs und Lungenkrebs ist bei Männern die altersbereinigte Mortalitäts­rate auch bei Krebserkrankungen von Magen, Blase und Leukämien gesunken. Frauen sterben zudem seltener an Mammakarzinom, Endometrium-, Zervix- und Ovarial­karzinom. 

Nur die altersbereinigte Mortalität am Pankreaskarzinom stagniert in beiden Geschlech­tern. Im Jahr 2018 werden in der EU vermutlich 44.400 Frauen und 44.500 Männer am Pankreaskarzinom sterben (Mortalitätsrate 8 pro 100.000 bei Männern und 5,6 pro 100.000 bei Frauen). Für Frauen bedeutet dies einen Anstieg um 2,8 % seit 2012, bei Männern blieb die Rate gleich. Am Pankreaskarzinom sterben in Europa mittlerweile genauso viele Menschen wie am Brustkrebs.

Die Ursachen für die Entwicklung kann die Studie, die im Wesentlichen auf der Auswertung von Sterberegistern beruht, nicht klären. Beim Lungenkrebs ist Rauchen der dominierende Risikofaktor. Frauen erkranken und sterben häufiger, weil sie häufiger rauchen als in der Nachkriegszeit.

Die wichtigsten Darmkrebs-Risikofaktoren sind Alkohol und Tabak, Fettleibigkeit und Diabetes, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährungsgewohnheiten. Orale Kontra­zeptiva und Hormonersatztherapien könnten bei Frauen für einen Rückgang mitverant­wortlich sein, aber auch die häufige Verordnung von Acetylsalicylsäure (ASS) bei Herzerkrankungen könnte nach Ansicht von La Vecchia eine Rolle gespielt haben.

Hinzu kommt, dass in der Behandlung Fortschritte gemacht wurden, weshalb mehr Menschen heute eine Darmkrebserkrankung überleben. Schließlich dürfte sich auch die Darm­krebs­früh­erken­nung, die in einigen Ländern in den letzten Jahren um endoskopische Verfahren ergänzt wurde, langsam bemerkbar machen. © rme/aerzteblatt.de

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