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Psychische und körperliche Gewalt in der Kindheit erhöhen Diabetesrisiko

Dienstag, 20. März 2018

/Nichizhenova Elena, stockadobecom

Berlin – Extrem belastende Ereignisse in der Kindheit wie sexueller Missbrauch, körperliche Gewalt oder emotionale Vernachlässigung können einen Menschen in seiner psychischen aber auch in seiner körperlichen Gesundheit nachhaltig beeinträchtigen.

„In den letzten Jahren mehren sich Studien, die zeigen, dass traumatische Kindheitserlebnisse auch das Risiko für die Entwicklung von Diabetes erhöhen“, sagte Johannes Kruse, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin (DGPM), heute bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des Deutschen Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, der übermorgen in Berlin beginnt.

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Psychische und biologische Prozesse

Vor allem bei Menschen, bei denen vier und mehr belastende Faktoren – von Missbrauch bis Vernachlässigung – zusammenkommen, steige das Risiko für Diabetes um 60 Prozent, so der Ärztliche Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Universitätsklinik Gießen. Dabei griffen mehrere psychische und biologische Prozesse ineinander.

„Das Trauma beeinflusst das Selbstwertgefühl und die Affektregulation“, erläuterte Kruse. Das wiederum habe Auswirkungen auf den Lebensstil der Betroffenen. Nicht selten versuchten sie ihre negativen Gefühle durch Rauchen, vermehrtes Essen oder Alkoholkonsum zu bewältigen. Gleichzeitig schränkten die Betroffenen ihren sozialen Umgang ein und kapselten sich ab. Erhöhte Kalorienzufuhr kombiniert mit Bewegungsmangel gilt als Hauptrisikofaktor für Typ-2-Diabetes.

Stresshormon Kortisol spielt eine zentrale Rolle

Durch extreme Belastungen würden aber auch neurobiologische, immunologische und das Darmmikrobiom betreffende Veränderungen in Gang setzen, die das Diabetesrisiko beeinflussten, erklärte der DGPM-Vorsitzende. „Eine zentrale Rolle spielt hierbei das Stresshormon Cortisol, das unter starker Belastung verstärkt ausgeschüttet wird.“ Halte der Stresszustand an, könne sich die Blutzuckerregulation verschlechtern. Auch das Immunsystem schütte unter Cortisoleinfluss verstärkt entzündungsfördernde Enzyme aus, denen ebenfalls eine Rolle bei der Diabetesentstehung zugeschrieben wird.

„Es liegt daher nahe, dass ein Teil der Diabetespatienten von einer psychosomatischen Therapie profizieren kann“, sagte Kruse. Diese ziele darauf, das Erleben der Betroffenen, ihre Stressreaktion und auch ihre neuroimmunologischen und neurobiologischen Pfade wieder zu normalisieren. „Die Forschungsergebnisse der letzten Jahre sprechen dafür, dass Psychotherapie hier erfolgreich wirken kann“, betonte der DGPM-Vorsitzende. © PB/aerzteblatt.de

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